Jammertal Deutschland! Zentrale soziale Fragen, die in unseren Nachbarländern in den letzten Jahren längst zufrieden stellend gelöst wurden, wie z.B. frauenfreundliche Familienpolitik, scheinen bei uns noch immer unlösbar. Kinder sind für Familien ein Armutsrisiko und Eltern unsicher wie nie zuvor: Es gilt, immer mehr zu arbeiten, mehr Abgaben zu zahlen um am Ende immer weniger Geld zur Verfügung zu haben. Zu dem haben Familien kaum Lobby, da die Mehrzahl der mittelständischen Familien aufgrund der Belastungen zwischen Job und Erziehung zu ausgepowert sind, um effektiv für die eigenen Interessen eintreten zu können.
Medien zeigen uns, wie eine glückliche moderne Familie auszusehen hat, das Bild wird geprägt von finanziellem Wohlstand, Konsumdenken, biologisch einwandfreier Ernährung, Hobbies, Spass und Sport im Einklang mit beruflicher Erfüllung beider Elternteiler. Im ständigen Streben nach diesem Vorbild bleibt häufig der Familiensinn der echten Familien auf der Strecke.
Doch gibt es tatsächlich Möglichkeiten, Balance zwischen Arbeit und Leben zu erreichen. Arbeitszeitkonten und flexible Arbeitszeiten gelten z. B. als Inbegriff für den neuen Wohlstandsfaktor 'Zeit'. Arbeitszeitkonten z.B. schaffen eine Art flexibler Stabilität, so ein Ergebnis aus der Studie 'Arbeitszeiten - Kinderzeiten - Familienzeiten' des Wirtschafts- und sozialwissenschaftlichen Instituts (WSI) in der Hans-Böckler-Stiftung.
Priorität hat der Ausbau der Kinderbetreuung in Deutschland. Daneben sollten Eltern auch in anspruchsvollen Berufen ihre Arbeitszeit flexibel gestalten oder eine Teilzeitstelle annehmen können. Wichtig ist es, dass der Partner ebenfalls mitmacht: So lange Väter ihrer Familie nicht mehr Zeit widmen wollen oder dürfen, bleibt an den (potenziellen) Müttern neben dem Job zu viel Erziehungs- und Hausarbeit hängen, so dass inzwischen viele ambitionierte junge Frauen gleich ganz auf Nachwuchs verzichten.
Aber Unternehmen beweisen Flexibilität: Dem Wunsch vieler Eltern, Kinder und Beruf unter einen Hut zu bringen, kommen die Firmen in Deutschland schon heute in mehrfacher Hinsicht entgegen. Dies geht aus einer repräsentativen Befragung von 878 Unternehmen hervor, die das Institut der deutschen Wirtschaft Köln (IW) im Sommer 2003 durchgeführt hat. Danach praktizieren 77 Prozent der befragten Betriebe eine oder mehrere Formen von Arbeitszeitflexibilisierung etwa mithilfe von Gleitzeit oder Arbeitszeitkonten sowie unterstützt durch Telearbeit. Gut vier von zehn Firmen unterstützen ihre Beschäftigten zudem dadurch, dass diese kurzfristig zu Hause bleiben können, wenn der Nachwuchs erkrankt ist. Knapp 13 Prozent der Unternehmen kümmern sich weiterhin mit Gesundheits- und Vorsorgeprogrammen um das Wohl der Belegschaft. Nahezu ebenso viele Betriebe bereiten den bei ihnen beschäftigten Elternteilen durch spezielle Einarbeitungsprogramme den Boden zum Wiedereinstieg nach der Familienpause.
Ihr Engagement begründen 75% der Unternehmen in der IW-Umfrage damit, dass sie die Arbeitszufriedenheit der Beschäftigten erhöhen, qualifizierte Mitarbeiter halten und neue gewinnen wollen. Aber auch das Kostenargument fällt ins Kalkül zwei Drittel der Unternehmen nennen als Beweggrund für ihre familienfreundliche Personalpolitik, durch einen niedrigen Krankenstand und eine geringere Fluktuation der Mitarbeiter Kosten einzusparen.
Fazit: Gute Ansätze in der Wirtschaft sind bereits vorhanden! Deutschland ist als solidarische Gemeinschaft weiterhin gefordert, in allen Bereichen der Gesellschaft ein positives Familienklima zu schaffen.
Quelle: www.femity.net/article.php?id=185