Die Entscheidung, welcher Elternteil in Elternzeit geht, wird zumeist auf der Basis wirtschaftlicher Überlegungen sowie tradierter Rollenbilder getroffen. Häufig wird erst dann, wenn die Frau deutlich mehr verdient als der Mann, konkret darüber nachgedacht, ob der Mann seine berufliche Laufbahn zugunsten der Familienarbeit unterbricht. Aber speziell Frauen sollten sich darüber im Klaren sein, dass eine lange Berufsunterbrechung für die Karriere nicht förderlich ist. Auch die persönliche Überzeugung, für Familienplanung und Kinderbetreuung vorwiegend allein zuständig zu sein, beeinträchtigt die subjektiv wahrgenommen Chancen am Arbeitsmarkt.
Auch in Fällen, bei denen sich Mütter und Väter darüber einig sind, dass beide nach der Geburt ihres Nachwuchses gleichberechtigt erwerbstätig sein möchten, ändert sich an der traditionellen Rollenaufteilung innerhalb der Familie zumeist wenig. Den wenigen Männern, die sich trauen, die Elternzeit mit ihrer Partnerin zu teilen, werden dazu noch Steine in den Weg gelegt. Viele Vorgesetzte zeigen wenig Verständnis, wenn berufstätige Väter den Wunsch nach Elternzeit oder gar Teilzeit äußern. Um ein entsprechendes Umdenken in den Unternehmen zu erreichen, müssten Personalverantwortliche in Unternehmen sich der positiven Effekte einer chancengleichen und familienfreundlichen Personalpolitik bewusst werden. Gerade die Haltung von Führungskräften gegenüber Familienfreundlichkeit ist maßgeblich bei der Realisierung der Vereinbarkeit von Beruf und Familie im Leben der Mitarbeiter/innen.
Es liegt aber auch an den Frauen selbst, ihr Recht auf eine eigene Berufstätigkeit oder gar Karriereplanung einzufordern. Wie aus einer Pressemitteilung der Bundesagentur für Arbeit hervorgeht, ist die Erwerbsbeteiligung von Frauen nach wie vor unterdurchschnittlich. Zitat: "Die Beteiligung von Frauen an der Gesamtbeschäftigung liegt EU-weit nur im Mittelfeld, auch wenn sie kontinuierlich angestiegen ist von 58 Prozent im Jahr 2000 auf fast 60 Prozent 2003. Damit liegt Deutschland deutlich hinter den skandinavischen Ländern mit über 70 Prozent."
In einem rohstoffarmen Land wie Deutschland ist es wirtschaftlich existenziell wichtig, einem Fachkräftemangel vorzubeugen. Ein wesentlicher Aspekt davon wäre es, qualifizierten Frauen eine durchgängige Erwerbsbiographie zu ermöglichen. Viel zu häufig verzichten gut ausgebildete Frauen nach der Familiengründung auf die Realisierung ihrer beruflichen Wünsche und werden zu Hausfrauen oder geringfügig Beschäftigten. Fast die Hälfte der erstgebärenden Frauen nimmt die Elternzeit in Anspruch - knapp 10% arbeiten anschließend wieder - allerdings in Teilzeit.
Das so genannte "Versorgermodell" (Einverdienerhaushalt, bei dem nur ein Partner Vollzeit arbeiten geht) war im Jahr 2000 vor allem in Westdeutschland mit 77 % bei Partnerschaften mit Kindern unter drei Jahren der Standard. Und genau dieses Einkommensmodell birgt nicht nur Risiken für den nicht berufstätigen Elternteil, sondern auch für den Teil, der den Hauptteil des Familieneinkommens verdient. Im Falle einer Scheidung muss der Alleinverdienende dann nicht nur für den Unterhalt der Kinder aufkommen, sondern auch für den Ex-Partner - und das sind in der Mehrzahl die Frauen. Fazit
Ein Leben mit Kindern ist mit viel Freude verbunden, aber auch anstrengend. Es erfordert ungleich mehr Organisation und Kompromisse als ein Alltag ohne Familie. Eine bewusste Entscheidung für Kind und Beruf setzt für beide Eltern die Kompromissbereitschaft voraus, sich gemeinschaftlich um Familie und Haushalt zu kümmern. Dazu gehört vor allem von Seiten der Frau die Bereitschaft, Konflikte bei der alltäglichen Organisation der Familie auszuhalten! Nicht nur vor ihrem Partner, sondern auch vor dem sozialen Umfeld muss sie für sich den Anspruch vertreten, erwerbstätig sein zu wollen.
Links: www.erfolgsfaktor-familie.de
Autorin: Lucia Serlenga-Gölz, Online-Redakteurin ls@internetoffice24.de
Quelle: www.femity.net/article.php?id=247