Silke ist Marketing Managerin in einem Chemieunternehmen. Sie hat eine 32 Stunden-Stelle und vereinbart die Berufstätigkeit mit 2 kleinen Söhnen. Beide gehen in eine private Betreuungseinrichtung für Vorschulkinder. "Wenn es die Tagesstätte vor Ort nicht gäbe, hätte ich sie zu einer Tagesmutter gebracht", sagt Silke. Sie ist eine von wenigen berufstätigen Müttern, die nur jeweils ein Jahr Elternzeit nehmen und die Kinder im Anschluss Ganztags betreuen lassen. Sie zahlen den Preis für Kinderbetreuung selbst, und zumeist ist es ein hoher Preis aufgrund ihres Zweiteinkommens. Die Berufstätigkeit "lohnt" sich daher häufig erst später, da ein großer Teil des Nettoeinkommens in Betreuung investiert wird. Auf längere Sicht haben diese Frauen aber beides erreicht: Familie und wirtschaftliche Unabhängigkeit.
In deutschsprachigen Ländern verläuft Familiengründung leider zumeist anders und zwar auf Kosten der Mutter, deren berufliche Karriere dadurch ein jähes Ende findet.
Ganz sicher gibt es einen großen Unterschied zwischen beruflichen engagierten Frauen mit höheren Einkommenschancen und den weniger qualifizierten Erwerbstätigen. Noch immer bietet der Weg in die Familie für viele Frauen die willkommene Abkehr von einer als enttäuschend empfundenen Berufstätigkeit. Der Staat förderte diesen Berufsausstieg gezielt durch das bisherige Erziehungsgeld, die längsten Elternzeiten in Europa und Steuergeschenke wie das Ehegattensplitting.
Die Zahlen zeigen, dass trotz höchster Bildungsquote in der Geschichte, Frauen in deutschsprachigen Ländern zum größten Teil in wirtschaftlicher Abhängigkeit von Männern oder am Tropf des Sozialsystems befinden.
Die Ursache für dieses Dilemma heißt "mangelnde Vereinbarkeit von Beruf und Familie"!
Zählen Sie zu den Frauen, deren Berufschancen und Interessen über dem Durchschnitt liegen? Ist es für Sie unvorstellbar, ein paar Jahre der Kinder wegen einfach auszusteigen, zu Hause zu bleiben und vom Einkommen des Partners zu leben?
Dann zählen Sie zur Zielgruppe, die am stärksten von der Kinderlosigkeit betroffen ist. Über 40 % der Akademikerinnen bleiben angeblich bereits jetzt kinderlos, eine Zahl, die sich sicher auch auf viele Fachkräfte anwenden lässt. Die Entscheidung lautet in vielen Köpfen noch immer: "Entweder Familie. Oder Beruf." Haben Sie schon einmal genau darüber nachgedacht, wie sich diese Gedankenmuster zusammensetzen und woher sie kommen?
Ich möchte sie kritisch hinterfragen, denn es gibt immer mehr Ausnahmen von der Regel. Frauen, die es schaffen, sogar Ganztagsjobs mit ein oder zwei Kindern zu vereinbaren. Diese Frauen haben dazu beigetragen, dass in vielen Kindergärten die Öffnungszeiten nach hinten verlegt werden und dass eine Mutter, die nach einem Tagesstättenplatz fragt, inzwischen nicht mehr belehrt wird über Ihre eigentlichen "Pflichten".
Was sind die Faktoren für Vereinbarkeit?
Fragt man nach, so gibt es eigentlich nur zwei Gründe, die gegen eine funktionierende Vereinbarkeit von Beruf & Familie sprechen:
a) fehlende Kinderbetreuung
b) mangelnde Flexibilität am Arbeitsplatz
Kinderbetreuung
Sieht man sich diese beiden Faktoren genauer an, so ergeben sich interessante Hinweise.
So sieht für alle, die jetzt noch kein Kind haben, die Welt der Vereinbarkeit heute viel rosiger aus, als noch vor 10 Jahren. Die Anzahl der verfügbaren Kindergartenplätze steigt nämlich analog zum Geburtenrückgang! So werden immer mehr Kinder bereits vor dem 3. Geburtstag von Kindergärten angenommen, und dies gilt sogar für Metropolen wie Köln. Jüngere Kinder können auch von Tagesmüttern oder Aupairs betreut werden, wobei die erste Variante einfacher zu realisieren ist. Hausfrauen, die dazu verdienen möchten, gibt es schließlich genug. Viele davon haben auch schon eine Qualifizierung zur Tagesmutter.
Trotz dieser allgegenwärtigen Möglichkeiten, die Kinderbetreuung privat zu lösen, beklagen viele weiterhin den Mangel an staatlichen Tagesstätten, dabei sind diese weder preiswerter noch bieten sie automatisch eine bessere Betreuung als die Tagesmutterlösung. Allein der Unterschied, dass die Tagesmutter in den Urlaub fährt oder krank wird, spielt eine nicht zu unterschätzende Rolle. Aber Urlaube kann man auch koordinieren und Krankheitsfälle sind ohnehin zu bewältigen in den ersten Kinderjahren.<br>Für Schulkinder gibt es immer mehr offene Ganztagsschulprojekte. Die Nachmittagsbetreuung lässt sich wiederum auch privat regeln, z.B. über Schulkollegen und deren nicht berufstätige Mütter oder über eine Initiative von mehreren Eltern. Kontakte zu anderen Familien, aus Nachbarschaft oder Kindergarten können genau jene privaten Arrangements ermöglichen, die berufstätige Frauen brauchen. Kostenlos ist die Kinderbetreuung fast nie!
Flexibilität am Arbeitsplatz
Viele Herausforderungen, vor die eine schwangere Mitarbeiterin ihren Arbeitgeber stellt, hängen in ihrer Brisanz vor allem mit der Größe und Struktur des Unternehmens zusammen, aber auch mit der jeweiligen Position, die eine werdende Mutter im Unternehmen besetzt. Wenn über Elternzeit gesprochen wird, so spielt für die mögliche Rückkehr und die gesamte folgende Arbeitsbeziehung die Länge der Elternzeit und das Verhalten der werdenden Mutter eine große Rolle.
Je nach Größe und Familienfreundlichkeit des Betriebs ist eine baldige Rückkehr in Teilzeit möglich oder nicht. Dies sollte frühzeitig abgesprochen und vereinbart werden, vor der Geburt des Kindes! Je genauer die Planung von Elternzeit und Berufsrückkehr kommuniziert wird, umso höher die Wahrscheinlichkeit, dass sich Wünsche zur flexibleren Gestaltung des Jobs erfüllen lassen. Wer für 3 Jahre verschwindet und dann als erstes nach der Rechtslage fragt, hat wenig Verhandlungschancen, da längst Vertreter eingearbeitet wurden.
Arbeitgeber beklagen häufig, dass Frauen keine klaren Angaben zur Elternzeit machen oder diese immer wieder verlängern. Wer solcherart seine Berufstätigkeit aufs Spiel setzt, ist selbst schuld an den Schwierigkeiten bei der Rückkehr. Flexibilität ist ein Begriff, der häufig in dem Zusammenhang gebraucht wird. Er ist nicht nur für Unternehmen wichtig, sondern auch für Frauen (und Männer) die es ernst meinen mit der Vereinbarkeit.
Fazit:
Die beiden Hauptgründe, die gegen die Vereinbarkeit sprechen, sind relativ zu betrachten. Sie werden beklagt und das hat seinen Grund. Aber viele Beispiele zeigen, dass es nicht nur der Staat und die Arbeitgeber sind, die uns Frauen vor die Wahl stellen. Es sind auch wir selbst und unser Zögern und Zaudern, die Dinge rechtzeitig so einzurichten, dass Beruf und Familie sich vereinbaren lassen. Wir fordern auch zu wenig konkrete Unterstützung, von Männern, Arbeitgebern, Betreuungseinrichtungen. Wir passen uns an die gesellschaftlichen Verhältnisse an und stellen uns selbst vor die Wahl. Und vielleicht scheuen wir auch vor dem Preis zurück, berufstätige Familien für die Vereinbarkeit zahlen müssen, finanziell und persönlich. Denn eines ist gewiss: Vereinbarkeit ist kein Spaziergang im Grünen.
Autorin:
Dipl.-Ing. Pia Bohlen,
Geschäftsführerin der Internetagentur Xbyte GmbH, Erkrath
Community-Expertin und Gründerin von
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Quelle: www.femity.net/article.php?id=144