Work/Life-Balance ein Fremdwort im deutschen Topmanagement

Anna-Maria Cramer

Freizeit? Für Führungskräfte und solche, die es werden wollen, ist das offenbar ein Fremdwort. 80 Prozent aller deutschen ManagerInnen arbeiten mehr als 50 Stunden die Woche, das zeigt ei-ne Kienbaum-Studie in Kooperation mit dem Harvard Businessmanager, bei der 142 deutsche Führungskräfte zu ihrer aktuellen Arbeitssituation befragt wurden. Die Hälfte der ManagerInnen mit einem Jahresgehalt von mehr als 200.000 Euro hat sogar eine 60-70-Stunden-Woche. Nahezu alle deutschen Befragten (96 Prozent) arbeiten auch am Wochenende. Etwa ein Drittel der Top-Manager (> 200.000 Euro Jahresgehalt) befassen sich zwischen zehn und 20 Stunden an Samsta-gen und Sonntagen mit ihrem Job. 85 Prozent aller ManagerInnen erkennen eine deutliche Zu-nahme der Arbeitsbelastung in den vergangenen fünf Jahren.

Trotz Anerkennung, intellektueller Herausforderung und einem gut gefüllten Bankkonto birgt das Extremjobben nicht zu unterschätzende Gefahren. Annähernd 50 Prozent der deutschen Top-Manager sind sich bewusst, zu wenig Zeit mit dem Partner zu verbringen. Auch die Ge-sundheit leidet unter dem extrem anspruchsvollen Berufsleben: Drei Viertel geben zu, sich zu wenig zu bewegen. Zwei Drittel der Befragten streben an, ihren Job höchstens noch fünf Jahre unter derzeitigen Bedingungen zu machen. "Um der Belastung im Berufsleben standzuhalten, sollten Extremjobber von der Personalabteilung intensiv dabei unterstützt werden, ihre Work-Life-Balance zu managen", so Jochen Kienbaum, Vorsitzender der Geschäftsführung von Kienbaum Consultants International.