Arbeitszeit - Maßnahmen

Im Folgenden werden alle Arbeitszeitmodelle vorgestellt. Zu Beginn stehen Modelle, die in der Praxis häufig angewandt werden und eine bessere Vereinbarkeit von Beruf und Familie ermöglichen. Details zu den Modellen finden Sie auf den genannten Detailseiten.

Teilzeitarbeit

Work-Life-Balance Nutzen: Die zeitlich begrenzte Übernahme einer Teilzeitstelle gibt den Beschäftigten die Chance, sich während besonders betreuungsintensiver Phasen auf Familienaufgaben zu konzentrieren. Den Familienpflichten kann vorübergehend Vorrang eingeräumt werden, ohne ganz aus dem Beruf auszusteigen.

Mit Teilzeitarbeit ist jedes Arbeitsverhältnis gemeint, dessen zeitlicher Umfang unterhalb der betrieblichen Regelarbeitszeit vereinbart wird. Die individualvertragliche Arbeitszeitverkürzung findet ohne Lohnausgleich statt. Nach Wunsch des Beschäftigten und nach dem betrieblichen Bedarf können Lage und Verteilung der Arbeitszeit beliebig gestaltet werden. Zur Förderung von Teilzeitarbeit trat ab 01.01.2001 das Gesetz über Teilzeitarbeit und befristete Arbeitsverträge in Kraft.

Jahresarbeitszeit

Work-Life-Balance Nutzen: Selbstbestimmung über die Lage der Arbeitszeit bedeutet eine höhere Flexibilität und ermöglicht Rücksichtnahme auf familiäre Verpflichtungen. So ist es z. B. möglich, in den Ferienzeiten mehr Freizeiten zu entnehmen, um in arbeitsintensiven Zeiten mehr zu arbeiten.

In dem Modell der Jahresarbeitszeit (auf Voll- oder Teilzeitbasis) wird die Mitarbeiterkapazität an den Arbeitsanfall im Jahresverlauf angepasst. Planungsgrundlage sind betriebliche Analysen des Arbeitsanfalls, durch den ein Teil der Arbeitszeit vorgegeben wird. Spielraum besteht bei Aufgaben, die nicht unmittelbar erledigt werden müssen und durch Tauschmöglichkeiten untereinander. Jahresarbeitszeit kann als Rahmenmodell vereinbart und nach Bedarf in den Abteilungen ausgestaltet werden oder nur für einzelne Abteilungen mit schwankendem Arbeitsanfall bzw. projektbezogener Arbeit gelten.

Modulare Arbeitszeit

Work-Life-Balance Nutzen: Die Modulare Arbeitszeit bietet den Beschäftigten mit Betreuungspflichten für Kinder und pflegebedürftige Angehörige oder mit Weiterbildungswünschen eine Arbeitszeit an, die sie entsprechend ihren Verpflichtungen und den betrieblichen Vorgaben modular (stundenweise, tageweise oder einzelne Monate) einteilen können.

Die Betriebszeit (Tag, Woche, Monat oder Jahr) wird in Zeitblöcke (Module) aufgeteilt, die sich die Beschäftigten unter Einhaltung der betrieblichen Besetzungsvorgaben beliebig untereinander aufteilen. Die modulare Arbeitszeit ist auf Vollzeit- wie auf Teilzeitbasis möglich. Neben der Betriebszeiterweiterung ist die modulare Arbeitszeit besonders geeignet, die Bereiche bedarfsgerecht zu besetzen, wenn diese nicht zu jeder Tages- und Wochenzeit gleichmäßig besetzt sein sollen.

Job-Sharing

Work-Life-Balance Nutzen: Die Möglichkeit, Betriebszeiten und individuelle Arbeitszeiten zu entkoppeln, eröffnet den Beschäftigten mit Kindern größere Handlungsspielräume. Für die Betreuung der Kinder und die Erfüllung familiärer Pflichten steht mehr Zeit zur Verfügung; die reduzierten Anwesenheitszeiten im Betrieb können zu konzentrierterem Arbeiten - frei vom Druck familiärer Pflichten - genutzt werden.

Job-Sharing ist Partner-Teilzeit. Charakteristisch ist, dass zwei oder mehrere Arbeitnehmer als Gemeinschaft einen oder mehrere Arbeitsplätze unter sich teilen. Sie können die Dauer und Lage ihrer individuellen Arbeitszeiten selbst festlegen. Solange sie sich untereinander einigen, sind innerhalb des für Vollzeitbeschäftigte geltenden Arbeitszeitrahmens alle Möglichkeiten individueller Arbeitszeitverteilung gegeben. Eine wesentliche Voraussetzung für Job-Sharing ist, dass die „Chemie“ zwischen den Job-Sharing-Partnern stimmt. Anfangs können zusätzliche Übergabezeiten anfallen, die sich durch eine gute Organisation reduzieren lassen. Stellvertreterregelungen können vertraglich vereinbart werden.

Zeitautonome Arbeitsgruppe

Work-Life-Balance Nutzen: Dieses Arbeitszeitmodell bietet den Mitarbeitern / Mitarbeiterinnen eine bessere Abstimmung mit ihrem Privatleben. Sie erlangen eine höhere Zeitsouveränität, haben im Team einen maximalen Entscheidungsspielraum und können über ihre Arbeitszeit mitbestimmen. Dies ermöglicht eine gute Vereinbarkeit von Beruf und Familie. Weiterhin ist es eine gute Möglichkeit für den gelingenden Wiedereinstieg in das Berufsleben.

Das Modell der zeitautonomen Arbeitsgruppe ist eine Erweiterung des Job Sharing-Prinzips. In der zeitautonomen Arbeitsgruppe regeln die Mitglieder der Arbeitsgruppe im Team Dauer und Lage ihrer Arbeitszeit eigenständig. Dieses findet unter Berücksichtigung bestimmter betrieblicher Vorgaben (z. B. minimale Präsenz- oder Ansprechzeiten, Lieferfristen, Durchlaufzeiten etc.) statt. Der Kompetenzumfang kann dabei erheblich variieren. Das Spektrum reicht von der einfachen Regelung individueller Anwesenheiten (Gruppenabsprache zur Erfüllung vorgegebener Präsenzanforderungen) bis hin zur Bestimmung der täglichen Arbeitszeiten, der wöchentlichen Einsatzplanung, der Urlaubsregelung und der Arbeitszeitverteilung im Jahresverlauf.

Vertrauensarbeitszeit

Work-Life-Balance Nutzen: Wenn im Unternehmen eine Vertrauenskultur verankert ist, besteht eine gute Grundlage für eine selbst abgestimmte Arbeitszeitorganisation, die eine hohe Flexibilität in familiärer Hinsicht ermöglicht.

Mit Vertrauensarbeitszeit ist der Wegfall der (elektronischen) Zeiterfassung gemeint. Ziel ist es, eine Vertrauenskultur mit „unternehmerisch denkenden Beschäftigten“ zu entwickeln, die die vertraglich vereinbarte Arbeitszeit selbst managen. Abweichungen gleichen sie in Absprache mit dem Team eigenständig aus. Die Vertrauensarbeitszeit soll dem „Hamstern“ von Plusstunden und dem „Minuten-Denken“ der Beschäftigten entgegenwirken und Kosten für die Zeiterfassung sparen. Bei der Vereinbarung einer Vertrauensarbeitszeit ist die Aufzeichnungspflicht nach § 16 Abs. 2 des Arbeitszeitgesetzes zu berücksichtigen.

Langzeitkonten / Lebensarbeitzeitkonten

Work-Life-Balance Nutzen: Mit dem Zeitkonto können die Beschäftigten sich besser an die verschiedenen Lebensphasen anpassen, ohne für längere Auszeiten kündigen zu müssen.

Mit dem Langzeitkonto kann die Arbeitszeit an Schwankungen im Arbeitsanfall, die über die Jahresarbeitszeit hinausgehen, angepasst werden und die Flexibilität über das gesamte Arbeitsleben erhöht werden. Es werden Plusstunden angespart, damit in Lebensphasen, in denen z.B. mehr Zeit für die Familie, Pflege für ältere Angehörige oder für Weiterbildung gebraucht wird, die Arbeitszeit reduziert werden kann, ohne dass das Gehalt weniger wird. Langzeitkonten ermöglichen einen früheren gleitenden Übergang in die Rente.

Sabbatical

Work-Life-Balance Nutzen: Längerfristige, unbezahlte Freistellungen von acht Wochen (Kurzzeit-Sabbatical) bis zwölf Monaten Länge ermöglichen Beschäftigten mit Kindern oder pflegebedürftigen Angehörigen die intensive Betreuung z.B. nach Operationen. Längere Sabbaticals werden häufig für längere Auslandsaufenthalte oder den Abschluss einer neben- oder außerberuflichen Qualifikation (z.B. Meisterprüfung, akademische Promotion) genutzt, ohne die familiären Pflichten allzu sehr zusätzlich zu belasten.

Bei einem Sabbatical erwirkt der Mitarbeiter oder die Mitarbeiterin durch Gehaltsverzicht oder durch den Aufbau von Plusstunden einen Freizeitanspruch, der als Freizeitblock von z. B. drei Monaten oder einem Jahr genommen werden kann. Während des gesamten Zeitraums bleibt das Einkommen konstant.




Gleitzeit

Work-Life-Balance Nutzen: Durch den flexiblen Arbeitsbeginn und das Arbeitsende kann z.B. Stress am Morgen, wenn Kinder noch in den Kindergarten gebracht werden müssen, abgebaut werden. Ebenso kann die Mitarbeiterin bzw. der Mitarbeiter seine Arbeitszeit besser an seine individuelle Leistungsfähigkeit anpassen.

(Informationen auf der Detailseite Teilzeit)
Bei der Gleitzeitarbeit bestimmen die Beschäftigten ihre tägliche Arbeitszeit nach persönlichen Bedürfnissen und betrieblichen Belangen innerhalb von Gleitzeitspannen selbst. Eine Anwesenheitspflicht besteht während der Kernzeit, die in neueren Modellen ebenfalls entfallen kann. In Form einer variablen Arbeitszeit kann die Mitarbeiterdichte über unterschiedliche Kernzeiten der einzelnen Mitarbeiterinnen und Mitarbeiter gesteuert werden.

Halbtagesarbeit

Work-Life-Balance Nutzen: Durch die in den alten Bundesländern sehr verbreiteten kurzen Öffnungszeiten (8.00 Uhr bis 13.00 Uhr) der Kindergärten, bietet diese Form jungen Vätern und Müttern die Möglichkeit, die Arbeit wieder aufzunehmen.

(Informationen auf der Detailseite Teilzeit)
Halbtagesarbeit ist das bekannteste Teilzeitmodell. Die individuelle Arbeitszeit wird auf die Hälfte reduziert. Die Lage der Arbeitszeit ist i.d.R. vormittags oder nachmittags an fünf Tagen in der Woche. Halbtagsarbeit ist eine recht starre Form der Arbeitszeitflexibilisierung.

Vier-Tage-Woche

Work-Life-Balance Nutzen: Die 4-Tage-Woche wird in dieser Form einer vollzeitnahen Reduktion oft von Fach- und Führungskräften gewünscht, die weiterhin „nahtlos“ ohne großen Know-how Verlust weiterarbeiten wollen.

(Informationen auf der Detailseite Teilzeit oder Teilzeit in Führung)
Die Vier-Tage-Woche auf Voll- oder Teilzeitbasis wird oft gewünscht, insbesondere bei langen Anfahrtswegen ins Unternehmen. Das Modell kann mit einem „rollenden“ freien Tag oder flexibel im Rahmen einer Personaleinsatzplanung gestaltet werden. Oftmals wird die 4-Tage-Woche kombiniert mit einer alternierenden Telearbeit, bei der z.B. 2 Tage zu Hause und 2 Tage im Unternehmen gearbeitet werden kann. Bekannt wurde das Modell vor allem durch die Einführung bei VW, wo die Arbeitszeit kollektiv im Rahmen eines Haustarifvertrages auf vier Tage (mit 28,8 Stunden pro Woche) gekürzt wurde.

Individuelle Arbeitszeit

Work-Life-Balance Nutzen: Mit den auf dem Zeitkonto angesparten Stunden können die Beschäftigten sich besser an die verschiedenen Lebensphasen anpassen, ohne für längere Auszeiten kündigen zu müssen.

Die vertragliche Arbeitszeit wird reduziert, während weiterhin Vollzeit gearbeitet wird. Die „überschüssigen“ Stunden werden als zusätzliche freie Zeiten auf einem Arbeitszeitkonto angespart, um z.B. tageweise oder wochenweise als Freizeit ausgeglichen zu werden. Siehe auch Sabbatical.

Turnusteilzeiten

Work-Life-Balance Nutzen: Die Turnusteilzeiten ermöglichen eine langfristige Vorausplanung und eine verlässliche Planung für die Beschäftigten.

(Informationen auf der Detailseite Teilzeit)
Die Turnusteilzeiten werden nach einem Arbeitszeitrhythmus verteilt, z.B. eine Woche als Vollzeitkraft, eine Woche frei, oder die Woche wird geteilt: erste Woche Montag bis Mittwoch, zweite Woche Mittwoch bis Freitag.

Rollierende Wochenarbeit

Work-Life-Balance Nutzen: In der Praxis findet dieses Modell vereinzelt Anklang bei den Beschäftigten, weil sie z.B. wegen einer unregelmäßigen Kinderbetreuung unter der Woche besser am Samstag arbeiten können.

(Informationen auf der Detailseite Teilzeit)
Durch einen rollierenden freien Tag können Betriebszeit und individuelle Arbeitszeit entkoppelt werden. Arbeitsplätze können trotz einer 4-Tage-Woche an fünf Tagen besetzt werden. Die rollierende Wochenarbeit dient in erster Linie einer gerechten Verteilung der Arbeitszeit unter Einbeziehung des Samstags. Beispiel: Die erste Freizeitgruppe hat am Montag frei, die zweite am Dienstag, die dritte am Mittwoch, die vierte am Donnerstag, die fünfte am Freitag und dann wieder am Montag, so dass jede Gruppe alle vier Wochen ein langes Wochenende hat.

Abendschichten und flexible Teilzeitschichten

Work-Life-Balance Nutzen: Kann für ein Elternteil eine Arbeitsmöglichkeit bieten, wenn keine Kinderbetreuung tagsüber existiert.

(Informationen auf der Detailseite Teilzeit)
Abendschichten und flexible Teilzeitschichten werden eingesetzt, wenn die Ausweitung um eine volle Schicht nicht sinnvoll ist. Sie dienen in erster Linie der Verlängerung der Betriebszeit, z. B. wenn die Betriebszeit von 8 auf 12 Stunden erhöht wird oder die Öffnungszeiten ausgeweitet werden. Flexible Teilzeitschichten werden zur Ergänzung von Zeiten mit hohem Arbeitsanfall oder zur Überbrückung von Pausenzeiten eingesetzt.


Autor: Angela Fauth-Herkner