Viele junge Eltern und solche, die es werden wollen, wünschen sich beides: Familie und Beruf. Ein breites und hochwertiges Betreuungsangebot auch für Kleinkinder unter drei Jahren eröffnet ihnen die Chance, beides miteinander zu vereinbaren. Nach den Plänen der Bundesfamilienministerin sollen daher bis zum Jahr 2013 zusätzliche 500.000 Betreuungsplätze für diese Altersgruppe in ganz Deutschland entstehen.
Anna und Max - zwei Wege, zwei Kindergärten. Ein neues Gesetz erschwert Eltern, die ihren Nachwuchs bisher in der Nachbargemeinde betreuen lassen, das Leben.
Studie bestätigt herausragende Bedeutung des Beratungsangebotes. Neun von zehn Frauen, bei denen eine Behinderung oder Erkrankung ihres ungeborenen Kindes festgestellt wurde, wünschen sich neben der medizinischen auch eine psychosoziale Betreuung. Das ist das Ergebnis des vom Bundesministerium für Familie, Senioren, Frauen und Jugend geförderten, dreijährigen wissenschaftlichen Begleitprojekts "Psychosoziale Beratung vor, während und nach Pränataldiagnostik". Die unter der Leitung von Professor Anke Rohde (Universitätsklinik Bonn, Gynäkologische Psychosomatik) und Dr. Christiane Woopen (Institut für Geschichte und Ethik der Medizin, Universität Köln) durchgeführte Untersuchung wurde jetzt auf einer Fachtagung der Universitätsklinik Bonn vorgestellt.
Bundesministerin Renate Schmidt sieht sich durch Umfrage bestätigt. Die überwiegende Mehrheit junger Eltern wünscht sich bessere Angebote an Betreuung, Bildung und Erziehung für ihre Kinder. Nach einer aktuellen Umfrage des Meinungsforschungsinstitut forsa sagen knapp 60 Prozent der 18- bis 29-jährigen Mütter und Väter, es gebe bislang zu wenig Betreuungsangebote für unter Dreijährige. Die Statistik weist mit 2,7 Plätzen für 100 Kinder unter drei Jahren in Westdeutschland bislang noch ein im europäischen Vergleich extrem niedriges Kinderbetreuungsangebot aus.
Babysitterdienste oder Betriebskindergärten gibt es in deutschen Unternehmen nur selten - obwohl sich Familienfreundlichkeit rechnet. Von Dorit Hess.Eine Bewerbung nach der anderen landet in diesen Tagen auf dem Schreibtisch von Thomas Huber - weil sein Unternehmen so familienfreundlich ist. »Bei uns bewerben sich so viele, dass ich allein zur Bearbeitung der Post jemanden einstellen müsste«, sagt der Personalchef der Gerhard Rösch GmbH. Kein Wunder: Unter Familienfreundlichkeit versteht der 400 Mitarbeiter große Bekleidungshersteller aus Tübingen mehr als flexible Arbeitszeiten. Väter ermutigt Huber, in Teilzeit zu arbeiten - sieben nutzen das schon, Tendenz steigend. Frauen ermuntert er, in der Firma eine leitende Position zu übernehmen - die Hälfte der 16 Führungskräfte ist weiblich. Einen kostenlosen Betriebskindergarten hat Rösch seit 1972. Und verbilligtes Kantinenessen können Angestellte für ihre Familie mit nach Hause nehmen.
Steuervorteil für Gutverdiener soll entfallen. Nach den Plänen der Großen Koalition können künftig zwar alle Eltern Betreuungskosten für ihre Kinder absetzen - Familien, die bislang mehr als 1548 für Kita oder Kindergarten ausgegeben haben, müssten allerdings mehr selbst zahlen als bisher.
München will mit einem neuen Beitragssystem die Kosten für Kinderbetreuung gerechter verteilen - die CSU nennt das "unsozial".
Von Jan Bielicki
In Deutschland wird genauso viel gearbeitet wie in den USA. Aber häusliche Tätigkeiten und heimische Kinderbetreuung verschlingen zu viel Zeit. Eine bessere Arbeitsteilung ist nötig. Das Wirtschaftswunderland Deutschland, das Herzstück des rheinischen Kapitalismus, die Lokomotive der Europäischen Union, kränkelt seit einigen Jahren. Und aus so manchem deutschen Biergarten klingt der Chor der Wirtschaftsdoktoren: "Wundermedizin vorm Schlafengehn, schönes Laisser-faire ist die beste Medizin! Privatisierungsdragees. Deregulierungsspritzen. Flexible Antifaltencreme. Steuervergünstigungen für Unternehmer. Lohnkürzungen für Arbeitnehmer. Wundermedizin von Doktor Orthodox macht Sie wieder gesund."
Immer mehr mittelständische Unternehmen bieten ihren MitarbeiterInnen eine betriebliche Kinderbetreuung an. Mit gutem Beispiel voran geht das Marburger EDV-Systemhaus INOSOFT AG. Bei den "INOzwergen" versammeln sich die kleinen Söhne und Töchter der Belegschaft, um in Kleingruppen von bis zu acht Kindern auf dem firmeneigenen Spielplatz herumzutoben. Bei schlechtem Wetter liest eine qualifizierte Betreuerin aus Kinderbüchern vor und bastelt mit den Kindern. ArbeitgeberInnen im Mittelstand reagieren vermehrt auf die Bedürfnisse ihrer MitarbeiterInnen mit Familie. Um ihrer Arbeit nachgehen zu können, sollen sich Eltern weniger um die Betreuung ihrer Kleinen sorgen und können bei Bedarf länger arbeiten. Sie sind dadurch flexibler und wissen ihre Kinder trotzdem in der Nähe und in guten Händen. Zwei Folgen dieser Strategie: Die MitarbeiterInnen sind zufriedener, produktiver und bleiben ihrem/ihrer ArbeitgeberIn länger treu.
Einige Daten zur Verteilung und zum Angebot von Krippenplätzen in Deutschland.Wiesbaden (ots) - Das Angebot an Kinderbetreuungsplätzen ist in Deutschland regional sehr unterschiedlich. Wie das Statistische Bundesamt nach aktuell vorliegenden Ergebnissen mitteilt, boten Ende 2002 erst fünf der 326 Stadt- und Landkreise in Westdeutschland (1,5%) - rechnerisch - für mehr als 10% ihrer Kinder im Alter bis unter 3 Jahren einen Krippenplatz an. In 292 Landkreisen (89,5%) lag das Angebot unter 10% und weitere 29 der westdeutschen Stadt- und Landkreise (9%) hatten überhaupt keinen Platz für die Betreuung der Jüngsten zur Statistik gemeldet. Das größte Angebot an Krippenplätzen in einer Einrichtung in Trägerschaft der Kinder- und Jugendhilfe in Westdeutschland hatten der Stadtstaat Hamburg, bzw. die Stadt Heidelberg, wo für 13% bzw. 12% der Kleinkinder Krippenplätze zur Verfügung standen.