Nachmittagsbetreuung für Schulkinder: Gute Angebote, zu wenige Plätze

23 June 2011

Wie gut lassen sich Beruf und Familie für Eltern mit Schulkindern vereinbaren? Mit diesem Thema beschäftigt sich der aktuelle „Monitor Familienforschung“ des Bundesministeriums für Familie, Senioren, Frauen und Jugend.

In Deutschland leben etwa 4,5 Millionen Familien mit insgesamt 6,8 Millionen Schulkindern zwischen sechs und 15 Jahren. Doch während das institutionalisierte Betreuungsangebot für Kinder im Vorschulalter kontinuierlich ausgebaut wird, mangelt es immer noch an adäquaten Betreuungsmöglichkeiten für Schulkinder. Dies zumindest ist die Meinung vieler Eltern, die die Vereinbarkeit von Familie und Beruf als nicht besonders gut einschätzen. So behaupten 55% der Väter und 36% der Mütter, es sei nicht möglich, dass beide Elternteile Vollzeit arbeiten.

Grundsätzlich begrüßt die Mehrheit der Eltern Nachmittagsbetreuung in Schulen und Horten. Besonders diejenigen, die die Angebote nutzen, haben eine positive Einstellung gegenüber dieser Betreuungsform, schätzen die Kontakte, die ihr Kind dort zu anderen Kindern knüpfen kann, und sind der Meinung, dass es gut gefördert wird. Auch Kinder finden Ganztagsschulen gut und haben auch durch eine Erwerbstätigkeit ihrer Mutter nicht das Gefühl, zu wenig Zuwendung zu bekommen.

Mittlerweile liegt der Anteil der Ganztagsschulen bei 42 Prozent. Die Mehrzahl davon sind Schulen mit offenen Angeboten, an denen die Schülerinnen und Schüler freiwillig teilnehmen können. Etwa 25 Prozent aller Schulkinder (knapp zwei Millionen) besuchen eine Ganztagsschule.

Betrachtet man die Betreuungssituation in Ost- und Westdeutschland getrennt, fallen enorme Unterschiede auf. Während die Gesamtbetreuungsquote (Ganztagsschulen und Horte) in den neuen Bundesländern dank eines großen Hortangebots bei 74 Prozent liegt, werden in den alten Ländern nicht einmal 20 Prozent der Schulkinder nachmittags institutionell betreut.

Im Wesentlichen ist die Vereinbarkeit von Familie und Beruf immer noch ein Mütterthema. Alleinerziehende Mütter und ihre Kinder sind oft besonders von Armut gefährdet. Kann die Mutter einer Erwerbstätigkeit nachgehen, bessert sich die soziale Absicherung, und die ökonomische Unabhängigkeit wird verstärkt. Doch das Erwerbspotenzial vieler Mütter liegt brach, da die Betreuungsmöglichkeiten für die Kinder fehlen. Dabei könnten die laufenden Betriebskosten - rund 1,1 Milliarden Euro - für einen flächendeckenden Ausbau durch die zusätzlichen Einkommensteuereinnahmen und Elternbeiträge gedeckt werden. Damit würden sich auch die Arbeitszeitwünsche von Eltern mit Schulkindern besser erfüllen lassen: Denn 35% der Väter würden gerne weniger Stunden arbeiten, 25% der Mütter dagegen gerne mehr.

Den „Monitor Familienforschung“ finden Sie hier.
(Link: http://www.bmfsfj.de/BMFSFJ/Service/Publikationen/publikationen,did=173624.html)