Pflege - Maßnahmen

Jeder Betrieb und seine Beschäftigten haben individuelle Vorstellungen und Bedürfnisse, was die Vereinbarkeit von Beruf und Pflegeaufgaben betrifft. Im Folgenden beschreiben wir mögliche Maßnahmen, die für die betriebliche Anwendung denkbar sind und sich in der Praxis bereits als hilfreich und sinnvoll erwiesen haben.

1. Ermittlung des Bedarfs

Um entscheiden zu können, welche Formen der Unterstützung sinnvoll und notwendig sind, sollten Sie abschätzen können, wie viele Beschäftigte vom Thema Pflege betroffen sind. Hier ist allerdings zu bedenken, dass die meisten Betroffenen über dieses Thema nicht so gerne sprechen und es daher wichtig ist, dass Vorgesetzte oder Personalverantwortliche von sich aus auf die Beschäftigten zugehen und zum Beispiel bei Mitarbeitergesprächen danach fragen.

2. Flexible Arbeitszeitgestaltung

Die flexible Gestaltung der Arbeitszeit und des Arbeitsortes gehören zu den häufigsten Maßnahmen, die zur Vereinbarkeit von Beruf und Pflege eines Angehörigen in Unternehmen Anwendung finden. Hier gibt es verschiedene Möglichkeiten, z. B. Freistellung, Jobsharing, Telearbeit, Teilzeitarbeit oder Gleitzeit. Mehr dazu finden Sie hier im Portal in den Kapiteln Arbeitszeit und Arbeitsort.

3. Information, Beratung und Vermittlung

Unternehmen können ihren Beschäftigten eine Informations-, Beratungs- und Vermittlungsplattform anbieten, die es ermöglicht, unterstützende und erleichternde Hilfe bei der Verrichtung der häuslichen Pflege zu finden und diese zu optimieren. Zu den denkbaren Maßnahmen gehören z. B. Hinweise auf oder Informationen über

  • Beratungsstellen, zum Beispiel zu den Leistungen der Pflegeversicherung oder zu Wohnraumanpassungen
  • Einrichtungen wie Tagespflegestellen, Pflegeheime oder ambulante Pflegedienste
  • Selbsthilfegruppen und Gesprächskreise – falls im Unternehmen mehrere Beschäftigte vom Thema Pflegebedürftigkeit betroffen sind, kann auch erwogen werden, diesen im Unternehmen zeitweise einen Raum zum Beispiel für einen Gesprächskreis zur Verfügung zu stellen.

Möglich ist außerdem die Einrichtung einer Freiwilligenbörse im Unternehmen, über die Dienstleistungen, Hilfestellungen oder auch Gesellschaft für pflegebedürftige Personen vermittelt werden können.

Im Kapitel Hilfe- und Pflegebedürftigkeit finden Sie umfassende und aktuelle Informationen zu allen relevanten Fragen rund um Hilfe- und Pflegebedürftigkeit, die für betroffene Mitarbeiterinnen und Mitarbeiter äußerst hilfreich sind.

4. Bereitstellung von Serviceleistungen

Für Mitarbeiterinnen und Mitarbeiter, die konkrete und direkte Hilfe bei der Sicherung der Pflege während ihrer Arbeitszeit benötigen, kann die Bereitstellung von betrieblich unterstützten Serviceleistungen, zum Beispiel durch den Einkauf von Beratungs- und Vermittlungsdienstleistungen, sinnvoll sein.

Unter anderem können mit einem solchen Service folgende Situationen abgedeckt werden:

  • Beschäftigte können, zum Beispiel wegen einer Dienstreise, ihre Pflegeaufgaben vorübergehend nicht wahrnehmen
  • ein Erholungsurlaub wird dringend benötigt
  • ein Pflegebedarfsplan muss erstellt werden (zur Beantragung von Leistungen der Pflegeversicherung oder zur Optimierung der Betreuung, speziell während der Arbeitszeit)
  • Betreuungsplätze müssen gefunden werden.

Unter Beratung und Vermittlung im Kapitel Hilfe- und Pflegebedürftigkeit finden Sie hierzu hilfreiche Informationen.

5. Finanzielle Unterstützung

In einzelnen Fällen kann eine finanzielle Unterstützung durch das Unternehmen hilfreich sein, denn die von der Pflegeversicherung bereitgestellten Mittel reichen leider oft nicht aus und nicht alle Betroffenen sind anspruchsberechtigt. Als Beispiele sind zu nennen:

  • Ein zinsgünstiges betriebliches Darlehen zur „behindertengerechten“ Wohnraumgestaltung oder
  • die Finanzierung des Umzugs in eine geeignetere Wohnung bzw. Wohnumgebung oder
  • eine Spende an eine ggf. kooperierende oder unterstützende (Pflege-) Einrichtung.

6. Sensibilisierung für das Thema

Die Aufmerksamkeit für das Thema Pflege und die Bereitschaft zur Unterstützung sollten ebenso Teil der Unternehmenskultur sein, wie es die Unterstützung von Beschäftigten mit Kindern in vielen Unternehmen bereits ist. Dazu sollten die Führungskräfte auf die möglichen Situationen vorbereitet und über die vorhandenen Maßnahmen und Angebote informiert werden. Das Bewusstsein für die möglichen Herausforderungen zu fördern und gemeinsam dafür „gerüstet“ zu sein, ist hier das Ziel. Spezielle Trainings und / oder Seminare können zur Sensibilisierung der Vorgesetzten beitragen.

Autor: Elena de Graat