Pflege - Überblick

Was bedeutet Pflege für die Pflegenden?

Die Pflegebedürftigkeit von älteren Menschen ist aufgrund der demographischen Entwicklung ein zunehmend wichtiges Thema, mit dem sich auch Unternehmen zukünftig vermehrt auseinander setzten müssen. Laut der Pflegestatistik des Statistischen Bundesamtes vom März 2007 werden von den 2,13 Millionen im Sinne des Pflegeversicherungsgesetzes pflegebedürftigen Menschen in Deutschland 1,45 Millionen zu Hause versorgt. Das entspricht einem Anteil von 68 %, von denen wiederum knapp eine Million ausschließlich durch Angehörige versorgt wird.

Dabei ist die Pflege eines Familienmitgliedes für die Pflegenden immer eine besondere Verpflichtung. Denn im Gegensatz zur Betreuung von Kindern hat die – oft lange – Pflege eines kranken oder älteren Angehörigen meist nicht viele erfreuliche Momente und Perspektiven zu bieten. Und wenn die Pflegenden ganz oder teilweise erwerbstätig sind, stellt sie eine besondere Doppelbelastung dar.

Daher sind Pflegende oft „zerrissen zwischen den Welten“ (Zitat einer Pflegenden). Sie nehmen im Leben eines Pflegebedürftigen einen zentralen Platz ein und sind wichtiger und verlässlicher Bestandteil der Versorgung, Pflege und vielleicht Rehabilitation. Sie haben andererseits eigene Interessen und Pläne für ihr Leben, auch in beruflicher Hinsicht. Und sie sind sich der besonderen Schwierigkeit bewusst, alle Wünsche zu vereinbaren. Die Wahrnehmung dieses Spagats und ein Entgegenkommen von Seiten des Arbeitgebers haben daher oft einen enorm positiven Effekt auf ihre Motivation, Loyalität und ihr Engagement im Beruf.

Was hat die Reform der Pflegeversicherung gebracht?

Das so genannte Pflegeweiterentwicklungsgesetz, das am 1. Juli 2008 in Kraft getreten ist, brachte einige Neuerungen für Pflegebedürftige sowie für Pflegende und deren Arbeitgeber. Vor allem die Freistellung von Beschäftigten für Pflegeaufgaben ist für Arbeitgeber in diesem Zusammenhang relevant. Die Eckpunkte der Reform finden Sie im Kapitel Recht und Steuern.

Inwieweit betreffen Pflegeaufgaben von Beschäftigten auch deren Arbeitgeber?

Wichtig ist, sich zu vergegenwärtigen, dass Beschäftigte über eine sich abzeichnende oder eingetretene Betreuungs- oder Pflegesituation in der Regel nicht so gern und offen sprechen wie über Elternschaft. Allerdings haben gerade kleine und mittlere Unternehmen aufgrund ihrer direkteren Strukturen hierüber oft eher Informationen und damit die Chance, frühzeitig und gemeinsam mit den betroffenen Beschäftigten zu agieren.

Einerseits

Andererseits

Ist ein Familienangehöriger pflegebedürftig, ist eine Besserung meist nicht zu erwarten, vielmehr nimmt der Pflegebedarf mit fortschreitendem Altern oft noch zu.

Berufliche Anforderungen können ein guter Gegenpol und eine erforderliche Abwechslung zu den Belastungen durch die Pflege sein - Erwerbsarbeit als „Pflegepause“.

Pflegebedürftigkeit ist nicht planbar: Weder ist der Beginn einer Pflegesituation exakt abzuschätzen noch die Dauer der Pflege. Diese kann sich über Jahre hinziehen.

Im beruflichen Umfeld werden sowohl soziale Kontakte gepflegt als auch persönliche Perspektiven aufrechterhalten – für die „Zeit danach“ oft unerlässlich.

Die Pflege erfordert enorm viel psychische und physische Kraft, mitunter übersteigen die Anforderungen auch die Kräfte der Pflegenden.

Nicht zuletzt ist der Verdienst entweder unverzichtbar oder er eröffnet Möglichkeiten, sich zusätzliche (professionelle) Hilfe zu verschaffen.

 

Durch die Wahrnehmung der (in Anbetracht der demographischen Entwicklung) zukünftig unvermeidbar häufiger anzutreffenden Schwierigkeiten, die mit einer Betreuungs- oder Pflegesituation einhergehen, und das Angebot praktikabler Unterstützung können Betriebe die für sie direkt spürbaren negativen Effekte jedoch reduzieren oder ganz vermeiden: Sie erhalten so die Gesundheit und Beschäftigungsfähigkeit sowie die Leistungsfähigkeit ihrer Beschäftigten – auch langfristig.

Pflegeaufgaben sind nicht mit der Aufgabe des Erwerbslebens gleichzusetzen. Und da die Vereinbarkeit von Pflegeaufgaben und Berufstätigkeit nun auch gesetzlich geregelt ist, finden Sie im Folgenden Anregungen zum Umgang mit „pflegenden Beschäftigten“ - damit Sie auf kommende Herausforderungen vorbereitet sind.

Auch in den folgenden Kapiteln finden Sie Lösungen und Modelle, die für Beschäftigte mit Pflegeaufgaben sinnvoll sein können und die in vielen deutschen Unternehmen bereits erfolgreich angewendet werden:

    * Flexible Arbeitszeitmodelle
    * Flexibler Arbeitsort
    * Hilfe zur Selbsthilfe

Zum Weiterlesen:

Pflegestatistik 2008

Pflegestatistik.pdf (0.95 MB)

Broschüre: Leben und Wohnen für alle Lebensalter

LebenundWohnen.pdf (4.81 MB)