Väter - Empfohlenes Vorgehen

  1. Kommunikation
  2. Führung
  3. Arbeitszeit
  4. Arbeitsort
  5. Kinderbetreuung

1. Kommunikation

Die Maßnahmen für Frauen und Männer unterscheiden sich nicht maßgeblich voneinander, jedoch werden sie sehr unterschiedlich wahrgenommen bzw. genutzt. Oft wird das Angebot in erster Linie an Frauen gerichtet und Männer fühlen sich nicht oder kaum angesprochen. Damit auch Väter von den Angeboten profitieren können, müssen zunächst die Unternehmensleitung und die Belegschaft für das Thema sensibilisiert werden. Die Erfahrung von Unternehmen zeigt, dass Unterstützung von Vätern aktiv und bewusst angegangen werden muss. Es gilt, Väter wahrzunehmen, ihre Sichtbarkeit für alle Beteiligten zu erhöhen und sie offensiv anzusprechen.

Sichtbarkeit_von_Vaetern.pdf (0.1 MB)

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Wortwahl oder „Etikettierung“ haben dabei einen nicht zu unterschätzenden Effekt: Klingt „Teilzeitarbeit“ für viele (Männer-)Ohren nach Karriereknick und Hausmann, hört sich „vollzeitnahe Teilzeit“ oder „Vollzeit light“ nach einer geringfügigen Reduzierung an, die immer noch Spielraum für beruflichen Erfolg lässt - ein Aspekt, der auch für die Mehrheit der Frauen wichtig ist. Damit die Maßnahmen für beide Seiten erfolgreich sind, müssen sie sich an den Bedürfnissen des Unternehmens und des Mitarbeiters orientieren und jeder einzelne Mitarbeiter muss individuell angesprochen werden. ^

Um Väterförderung im Unternehmen zu etablieren, sollten Sie das Thema mit Hilfe firmeninterner Medien wie Intranet, Rundschreiben, schwarzes Brett oder Mitarbeiterzeitschriften breitenwirksam darstellen. Hier können Sie gezielt Vereinbarkeitsmaßnahmen vorstellen und bewerben, dabei sollten Sie die männlichen Mitarbeiter explizit ansprechen. So vermitteln Sie den Vätern, dass sie wahrgenommen und akzeptiert werden und im Unternehmen willkommen sind.

Darüber hinaus ist die persönliche Kommunikation entscheidend. Je offener und horizontaler im Unternehmen kommuniziert wird, desto wahrscheinlicher werden die Mitarbeiter frühzeitig von Entwicklungen oder Veränderungen in ihrer Familie erzählen und ihre Vorgesetzten um Rat bitten. Gerade Mitarbeitergespräche und Jahresgespräche sind wertvolle Gelegenheiten um zu klären, ob Väter ihre beruflichen und privaten Aufgaben miteinander vereinbaren können, bzw. welche Angebote ihnen dabei helfen könnten. Ist die bevorstehende Vaterschaft eines Mitarbeiters bekannt, helfen frühzeitige Gespräche zwischen Mitarbeiter und Vorgesetztem zur zeitlichen Planung, einen reibungslosen Ablauf zu gewährleisten.

2. Führung

Vorgesetzte Führungskräfte sind Vorbilder und ihre Mitarbeiter orientieren sich an ihrem Verhalten: Bleibt ein Vorgesetzter mit zwei Kindern täglich bis 20 Uhr im Betrieb, fühlen sich seine Mitarbeiter dazu verpflichtet, mitzuhalten und werden kaum eigene Bedürfnisse zur besseren Vereinbarkeit ansprechen.

Kombinieren jedoch Vorgesetzte oder Firmeninhaber die eigenen „Familienangelegenheiten“ und ihre beruflichen Termine selbstverständlich, so können sie dabei zugleich neue Maßstäbe setzen: z.B indem sie

  • die Partnerin während der Schwangerschaft zu wichtigen Untersuchungen begleiten,
  • nach der Geburt mehrere Tage Urlaub nehmen,
  • ein Kind gelegentlich oder regelmäßiger zur Betreuung bringen (KITA, Kindergarten, Tagesmutter etc.) oder abends wieder abholen
  • Stunden, halbe oder ganze Tage frei nehmen, um besondere Termine mit dem Kind wahrzunehmen (z.B. Kindergarten- oder Schulfeste oder -ausflüge)
  • ihre Arbeitszeit so organisieren, dass sie abends noch Zeit mit der Familie verbringen können, oder auch
  • Elternzeit beanspruchen, in der eine Teilzeit von bis zu 30 Stunden/Woche möglich ist.

Alles, was eine Führungskraft oder ein Vertreter der Unternehmensleitung für sich beansprucht, ebnet auch für die Mitarbeiter den Weg und macht es ihnen leichter, ihre Belange zu äußern und Interessen in beiden Lebensbereichen zu realisieren.

Ein proaktives Vorgehen seitens des Unternehmens schafft Vertrauen und erleichtert die Planung. Je offener die Kultur und je akzeptierender, desto eher werden auch Väter z.B. mitteilen, dass sie eine – wie auch immer gestaltete – Vaterzeit planen und nicht warten, bis sie im Rahmen der gesetzlichen Regelungen der Elternzeit einen besonderen Kündigungsschutz genießen. Je eher sie ihre Pläne mitteilen, desto besser können gemeinsam passende Arbeits(zeit)arrangements getroffen und in die Tat umgesetzt werden.

Planung mit Vaetern.pdf (0.1 MB)

3. Arbeitszeit und Arbeitsmanagement

Die Flexibilisierung der Arbeitszeitlage ist das wesentlichste Elemente der Familien- und insbesondere der Väterförderung – und entspricht genau den Wünschen von Vätern, wie die neueste Allensbach Studie zeigt. Arbeitszeiten können auf verschiedene Weise familienfreundlich gestaltet werden und in vielen Betrieben ist eine Flexibilisierung möglich. Wichtig sind dabei frühzeitige Absprachen und eine Organisation, die es zulässt, dass der Mitarbeiter weiterhin die ihm übertragenen Aufgaben zu seiner und zur Zufriedenheit des Unternehmens erfüllen kann.

In sogenannten Teamkalendern können die Mitarbeiter wichtige (Privat-) Termine eintragen, so dass zu dieser Zeit z.B. keine Teambesprechungen stattfinden. Der Vorteil liegt darin, dass nicht jeder Mitarbeiter dauernd verfügbar sein muss, sondern gerade auch viel arbeitende Männer / Väter sich Freiräume verschaffen können.

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Teamkalender Excel.xls (2.4 MB)

Auch flexible Pausen können den zeitlichen Spielraum von Vätern vergrößern und es beispielsweise ermöglichen, dass ein Vater am Nachmittag eine längere Pause macht, um sein Kind abzuholen und am Abend dafür etwas länger arbeitet. Die Arbeitszeit reduziert sich damit nicht, sie wird lediglich anders und flexibler über den Tag verteilt. Gleitzeit kann die Lösung für das Bringen oder Abholen der Kinder zu/von ihrer Betreuung sein. Oftmals bedeutet das eine Erweiterung des Gleitzeitrahmens um nur 15 Minuten, was in vielen Betrieben mit einem Minimum an organisatorischem Aufwand machbar ist. Selbst in Produktionseinheiten kann die Kombination von Teamstruktur und Arbeitszeitverantwortlichkeit im Team maximale Freiräume auch für viel arbeitende Väter bieten.

Ein weiteres Instrument ist das Angebot, bestehende übertarifliche Entgeltanteile in weniger Arbeitszeit umzuwandeln. Beschäftigte verzichten z.B. auf Urlaubs- oder Weihnachtsgeld und können dafür arbeitsfreie Zeit in Anspruch nehmen. Sie können dabei zwischen freier Zeit im Block oder kontinuierlich weniger Wochenarbeitszeit wählen. Auch Väter nutzen dieses Ad-Hoc-Sabbatical gerne und verbinden in dieser Zeit oft Fortbildung oder Freizeitinteressen mit Familienaufgaben. Diese Aufteilung gilt auch für die Inanspruchnahme des klassischen Sabbaticals. Hier wird zunächst in den Aufbauphasen bei geringerem Gehalt im vorherigen Stundenumfang gearbeitet und das aufgebaute Zeitguthaben später in Anspruch genommen. Die freie Zeit nutzen Väter häufig , um z.B. den (Aus-/Um-) Bau des eigenen Hauses für die Familie voran zu bringen oder abzuschließen.

Vor allem viel arbeitende Väter sind meistens nicht daran interessiert, ihre Arbeitszeit deutlich zu reduzieren. Eine organisatorische Entlastung gibt ihnen hingegen die Möglichkeit, ihre entscheidenden beruflichen Aufgaben zumindest häufiger im Rahmen der „regulären“ Wochenarbeitszeit erledigen zu können. Da diese Väter mit dem Wunsch nach mehr Zeit für ihre Familie am besten wissen, was ihre Routineaufgaben sind oder welche Tätigkeiten auch von anderen übernommen werden können, empfiehlt es sich, sie selbst (mit)planen zu lassen, wie Arbeitszeitverschiebung und Arbeitserledigung anders gestaltbar sind.

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4. Arbeitsort

Lassen die Aufgabenfelder des Mitarbeiters es zu, ist ein flexibler Arbeitsort eine einfache und praktische Lösung zur Vereinbarkeit von Familie und Beruf. Oft müssen dafür keine aufwändigen Telearbeitsplätze eingerichtet werden – es reicht, wenn sie ihre Arbeit auch außerhalb des Betriebes erledigen können, zum Beispiel zu Hause. Im Gegensatz zu grossen Unternehmen können gerade KMUs solche Lösungen meist unkompliziert und einzelfallbezogen schnell realisieren, ohne durch einen Verzicht auf Betriebsvereinbarungen Konflikte zu riskieren.

  • Viele Aufgaben wie z.B. die Planung von Projekten oder das Verfassen von Texten können zu Hause häufig besser, da konzentrierter, ausgeführt werden.
  • In der Regel reicht dafür der heimische PC, die Datenübertragung erfolgt per E-Mail oder Daten-Stick.
  • Der Mitarbeiter nutzt permanent oder leihweise einen firmeneigenen Laptop.

Eine Flexibilisierung des Arbeitsortes kann aber auch bedeuten, die Einsätze der Mitarbeiter z.B. für Montage und andere Außeneinsätze an den Wohnorten oder anderen räumlichen Bedürfnissen dieser Mitarbeiter zu orientieren. So kann eine Verkürzung des Anfahrtsweges schon eine wichtige (zeitlichen) Entlastung bedeuten.

5. Kinderbetreuung

Auch wenn Kinderbetreuung in Deutschland häufig noch als Frauenaufgabe betrachtet wird, gibt es doch immer mehr Männer, die diese wichtige Zeit mit ihren Kindern nicht versäumen wollen und sich gleichzeitig im Sinne einer gleichberechtigten Partnerschaft einbringen möchten. Dafür gibt es auch für KMUs vielfältige realisierbare Möglichkeiten, die nicht zwangläufig mit hohen Kosten verbunden sind.

Zum Beispiel kann der steuer- und sozialversicherungsfreie Kinderbetreuungszuschuss individuell in der Höhe zwischen Unternehmen und Mitarbeiter vereinbart werden. Er wird zweckgebunden für die Kosten der Betreuung und Unterbringung von nicht schulpflichtigen Kindern in Einrichtungen oder bei Tagesmüttern eingesetzt und muss zusätzlich zum Gehalt gezahlt werden. Für Betrieb und Beschäftigte ist dieser Zuschuss oft günstiger (Rechenbeispiel) als beispielsweise eine Gehaltserhöhung. Vätern signalisiert er zusätzlich, dass sie in ihrer Vaterrolle akzeptiert und bei ihren Vaterpflichten durch den Arbeitgeber unterstützt werden.

Rechenbeispiel.pdf (0.4 MB)

Eine weitere Möglichkeit für den Betrieb ist insbesondere die Nutzung eines Beratungs- und Vermittlungsservice, der Kinderbetreuungspersonal nach individuellem Wunsch vermittelt und dessen Service vom Arbeitgeber bezahlt wird. Oder es kann auf die Hilfen hier im Kapitel Hilfe zur Selbsthilfe verwiesen werden: Hier finden Väter und Mütter Beschreibungen der verschiedenen Möglichkeiten der Kinderbetreuung, Entscheidungshilfen für die Auswahl der passenden Lösung, Vertragsmuster zur Anstellung der Kinderbetreuerin, Adressen von Jugendämtern und vieles mehr.

Die Wichtigkeit der Väter bei der Kindererziehung

In Langzeitbeobachtungen fanden amerikanische und deutsche Wissenschaftler heraus, dass Väter eine weitaus wichtigere Bedeutung für die Entwicklung ihrer Kinder haben, als bislang angenommen. Babys, deren Väter intensiv mit ihnen spielen, werden humorvollere Erwachsene und gehen sicherer mit emotionalen Bindungen um.

Geduld und Aufmerksamkeit des Vaters spiegeln sich im späteren Verhalten des Kindes gegenüber seinem Partner wieder. Durch die herausfordernde Art, wie Väter spielen, werden Kinder bestens auf die Anforderungen der Umwelt vorbereitet. Ihre Neugier und Durchhaltewillen werden gefördert und ihre Frustrationsgrenze erhöht.

Mehr zu diesem Thema finden Sie unter dem Stichwort Lesenwertes - Väter in unserer Akademie.
Quellen: http://www.geo.de

 

Autor: Elena de Graat