Länder, denen es gelingt, Müttern mit kleinen Kindern die Berufstätigkeit zu erleichtern, sind auch familienpolitisch erfolgreicher. Dies ist das Ergebnis einer aktuellen Studie im Auftrag Bundesfamilienministeriums und der Bertelsmann-Stiftung. Eine hohe Frauenerwerbstätigkeit und eine hohe Geburtenrate stellen für eine moderne Familienpolitik keinen Zielkonflikt dar. Vielmehr kann mit den richtigen gesellschaftlichen Rahmenbedingungen eine positive Dynamik in beiden Bereichen herbeigeführt werden.
Viele erfolgreiche Manager (und Managerinnen) sind auch reich an Kindern. Warum eigentlich? Und wie leben sie damit? Ein Streifzug durch die Wohn- und Spielzimmer der Besserverdienenden. Der Wecker schrillt. 5.30 Uhr. Enno Hartmann (47) springt aus dem Bett, scheucht seine drei Ältesten in ihre Badezimmer. Dann strampelt er sich 14 Kilometer auf dem Trimmrad ab. Ruth Hartmann (43) bereitet derweil Müsli und Pausenbrote vor.
Bis vor kurzem wurde die Vereinbarkeit von Beruf und Familie eher als sozialpolitisches Thema betrachtet, das darüber hinaus einen starken Bezug zur Frauenförderung auswies. Diese Einordnung bewirkte einen eingeschränkten Blickwinkel, der andere Perspektiven per se nicht zuließ. Mittlerweile ändert sich der Blickwinkel.
Kinder und Job = schlechtes Gewissen ein Leben lang? Diese Mütter und ihre Töchter ziehen eine andere Bilanz. "Wie mache ich das mit Kind und Arbeit? Geht das überhaupt?" Das haben sich fast alle Mütter irgendwann gefragt. Auch Dagmar Reiß-Fechter. Aber für sie war die Antwort klar: "Das muss gehen." Die Juristin war mitten in ihrer Referendarzeit, als sie zum ersten Mal schwanger wurde. Jetzt zu Hause bleiben? Mit so einer Ausbildung? "Da hätten doch alle in meiner Umgebung den Kopf geschüttelt." Als Erste ihre Mutter, die eine Kantine leitete und ihrer Tochter das Studium finanziert hatte. Dann die Großmutter, die als Köchin immer ein eigenes Einkommen hatte. Dagmar Reiß-Fechter hat schon in der Kindheit gelernt: Frauen, auch Mütter, gehen zur Arbeit, genau wie die Männer. Das wollte sie genauso: "Meinem Mann habe ich von Anfang an gesagt: Er kriegt mich nur mit meinem Beruf."
Von der Leyen: "Kinderfreundlichkeit müssen wir alle leben, sie lässt sich nicht verordnen!"Bundesfamilienministerin bewertet Allensbach-Umfrage
Freizeit? Für Führungskräfte und solche, die es werden wollen, ist das offenbar ein Fremdwort. 80 Prozent aller deutschen ManagerInnen arbeiten mehr als 50 Stunden die Woche, das zeigt ei-ne Kienbaum-Studie in Kooperation mit dem Harvard Businessmanager, bei der 142 deutsche Führungskräfte zu ihrer aktuellen Arbeitssituation befragt wurden. Die Hälfte der ManagerInnen mit einem Jahresgehalt von mehr als 200.000 Euro hat sogar eine 60-70-Stunden-Woche. Nahezu alle deutschen Befragten (96 Prozent) arbeiten auch am Wochenende. Etwa ein Drittel der Top-Manager (> 200.000 Euro Jahresgehalt) befassen sich zwischen zehn und 20 Stunden an Samsta-gen und Sonntagen mit ihrem Job. 85 Prozent aller ManagerInnen erkennen eine deutliche Zu-nahme der Arbeitsbelastung in den vergangenen fünf Jahren.
FINNLAND Jaana Janhunen, 29, Account-Managerin bei einer Bank in Helsinki, Jarkko, 37, Abteilungsleiter in einem Fuhrunternehmen, und ihre Kinder Kiia, 4, und Eetu, 16 Monate. Sie wohnen in Kerava, einer Kleinstadt nördlich von Helsinkiabs#Jaana Janhunen: "Bei uns gibt es überhaupt keine Diskussion über Kinderbetreuung. In Finnland kann man als Frau auch mit fünf oder sechs Kindern voll berufstätig sein.
Der zunehmende Fachkräftemangel erhöht die Sensibilität der Unternehmen für eine bessere Vereinbarkeit von Familie und Beruf. Um Fachkräfte - männliche wie weibliche - zu finden oder ans Unternehmen zu binden, wollen immer mehr Firmen ihre Angebote zur betrieblich unterstützenden Kinderbetreuung ausbauen. Zu diesem Ergebnis kommt eine Umfrage im Auftrag des Bundesministeriums für Familie, Senioren, Frauen und Jugend sowie eine Unternehmensbefragung des Deutschen Industrie- und Handelskammertages (DIHK).
WZB-Studie: Deutsche Mütter verringern ihre Arbeitszeit stärker als Mütter in Schweden, Frankreich und Italien
77 Prozent der Ehepaare mit Kindern im Haushalt und 68 Prozent der kinderlosen Ehepaare würden es befürworten, wenn Eltern mit Kindern stärker steuerlich gefördert würden als kinderlose Ehepaare. Sie sprachen sich dafür aus, den Steuervorteil des Splittings zukünftig stärker auf Ehepaare mit Kindern auszurichten. Das ergab eine Umfrage des Prognos-Instituts im Auftrag des Bundesministeriums für Familie, Senioren, Frauen und Jugend.