Vertrauensarbeitszeit - Überblick

Zum Begriff Vertrauensarbeitszeit

Bedeutet die Einführung einer „Vertrauensarbeitszeit“ im Umkehrschluss, dass zuvor im Unternehmen kein Vertrauen vorhanden war? Und wer soll wem vertrauen? Die Führungskraft dem Mitarbeiter, dass er die vertraglich geschuldete Arbeitsleistung erbringt oder der Mitarbeiter der Führungskraft, dass er Plusstunden ausgleichen kann? In der Praxis zeigt sich oft, dass die Mitarbeiter -wenn auch nur gedanklich- an der Zeiterfassung festhalten.

Vertrauensarbeitszeit wird in der betrieblichen Praxis sehr unterschiedlich interpretiert und kontrovers diskutiert. Die Bandbreite der Begriffsdefinition reicht von einer kompletten Abschaffung der Zeiterfassung bis zu ihrer Delegation an die Beschäftigten. Die Vertrauensarbeitszeit soll dem „Hamstern“ von Plusstunden und dem „Minuten-Denken“ der Beschäftigten entgegenwirken und Kosten für die Zeiterfassung sparen. Das Modell beinhaltet zunächst den Wegfall der (elektronischen) Zeiterfassung mit dem Ziel, eine Vertrauenskultur mit „unternehmerisch denkenden Mitarbeiterinnen und Mitarbeitern“ zu entwickeln. Der (die) Mitarbeiter/-in managt seine vertraglich vereinbarte Arbeitszeit selbst, Abweichungen in einem gewissen Rahmen (z. B. eine halbe Stunde pro Tag) gleicht er in Absprache mit dem Team eigenständig aus. Bei der Vereinbarung einer Vertrauensarbeitszeit ist die Aufzeichnungspflicht nach § 16 Abs. 2 des Arbeitszeitgesetzes zu berücksichtigen. In der Praxis erleben wir, dass sich die Arbeitskultur im Unternehmen nicht automatisch ändert, wenn die Zeiterfassung abgeschafft ist. Erst nach mehreren Monaten machen sich Veränderungen bemerkbar.

Ausgangssituation und Ziele von Vertrauensarbeitszeit

Viele Unternehmen verbinden mit der Umstellung auf Vertrauensarbeitszeit den Wunsch, Kosten für die Zeiterfassung und Verwaltung (Geräte und manuelle Nacherfassung) zu sparen. Ziel ist es, Plusstunden abzubauen. Durch die Abschaffung der Zeiterfassung und die Einführung der Vertrauensarbeitszeit setzen sie Signale, dass keine Plusstunden mehr aufgebaut werden bzw. dass sie kurzfristig wieder abgebaut werden müssen. Schließlich setzen die Unternehmen mit der Einführung der Vertrauensarbeitszeit auf „unternehmerisch denkende Mitarbeiter“. Sie wollen weg von einer Zeitorientierung hin zu einer Ergebnisorientierung. Dazu passt kein akribisches Festhalten jeder Minute, die am Arbeitsplatz verbracht wird.


Autor: Angela Fauth-Herkner