Best Practice: Der BEM-Prozess im Großkonzern

Best Practice: Der BEM-Prozess im Grosskonzern

11.09.2019
Christin Müller
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Was bedeutet Betriebliches Eingliederungsmanagement, kurz: BEM?

Das Betriebliche Eingliederungsmanagement ist kein Nice-to-have-Benefit. Es ist im SGB IX §167 verankert und somit obligatorisch für alle Arbeitgeber.

Das BEM ist ein eigenständiges und standardisiertes Verfahren und umfasst alle Aktivitäten und Leistungen, die dazu dienen, Mitarbeiterinnen und Mitarbeiter nach längerer Arbeitsunfähigkeit wiedereinzugliedern. Dabei kann es sich sowohl um eine dauerhafte Arbeitsunfähigkeit oder um wiederholte Arbeitsunfähigkeitszeiten handeln. Außerdem dient das BEM der Prävention von Arbeitsunfähigkeit.

 

Der Grundgedanke dabei ist, möglichst frühzeitig aktiv zu werden, mit dem Ziel:

  • eine Arbeitsunfähigkeit zu überwinden
  • erneuter Arbeitsunfähigkeit vorzubeugen
  • den Arbeitsplatz zu erhalten und eine mögliche Berufsunfähigkeit zu vermeiden.

 

Wie funktioniert BEM in der Praxis?

Der weltweit führende Industriegas-Hersteller Linde AG wird in seinem Betrieblichen Eingliederungsmanagement vom pme Familienservice unterstützt.
Andrea Ries, Betriebsratsvorsitzende, gibt uns im Interview Einblicke in die Zusammenarbeit mit dem pme Familienservice.

 

1.    Frau Ries, wieso haben Sie sich dafür entschieden das BEM durch den pme Familienservice betreuen zu lassen? Welche Vorteile sehen Sie darin?

Bei Linde haben wir einen zentralen Personalbereich, der in Pullach und Umgebung ansässig ist. Da wir in Deutschland in unserem Unternehmen viele Standorte mit verschiedenen Größen haben, ist es organisatorisch schwierig, BEM-Fallgespräche mit HR-Referenten durchzuführen. Um allen Mitarbeitern gerecht zu werden und die Gespräche vor Ort zeitnah stattfinden lassen zu können, unterstützt der pme Familienservice mit den bundesweit aufgestellten Fallmanagern hier sehr. Zudem sind alle Fallmanager des pme Familienservice im Bereich BEM geschult und zertifiziert. Ein weiterer Pluspunkt ist auch, dass pme von den Mitarbeitern als neutral wahrgenommen und gut angenommen wird.

 

2.    Wieviele BEM-Fälle gibt es in Ihrem Unternehmen pro Jahr? Haben Sie das Gefühl, dass das Angebot gut angenommen wird?

Wie in anderen großen Konzernen auch, haben wir monatliche neu hinzukommende BEM-Berechtigte, die in den letzten zwölf Monaten 42 Arbeitsunfähigkeitstage erreicht haben. Alle BEM-Berechtigten erhalten daraufhin eine Einladung zum BEM-Gespräch. Das Angebot wird gut angenommen und die Annahmequote hat sich nach der Einführung des externen Fallmanagements durch den pme Familienservice erhöht.

 

3.    Welche Art von Ausfällen kommen in Ihrem Unternehmen am häufigsten vor?

Auch hier unterscheidet sich Linde nicht von anderen Großkonzernen. Themen wie beispielsweise Ergonomie stehen relativ häufig an.

 

4.    Wie läuft ein Vermittlungsprozess von BEM-Berechtigten in der Regel ab?

Alle monatlich neu hinzugekommenen BEM-Berechtigten erhalten von dem BEM-Koordinatoren eine Einladung zum Gespräch. Entscheidet der Mitarbeiter sich spontan oder nach einem Informationsgespräch für die Teilnahme an BEM, erhält der pme Familienservice über einen gesicherten Datenaustausch den Auftrag, den Mitarbeiter zur Terminierung eines BEM-Gesprächs zu kontaktieren. Darüberhinaus lädt der pme Familienservice alle Mitglieder des BEM-Teams, das der Mitarbeiter bestimmen kann, zu diesem Termin ein. Der Termin findet dann meist vor Ort am Standort des Mitarbeiters statt.


5.    Denken Sie, dass das Thema BEM aktuell sehr wichtig ist und auch in Zukunft immer wichtiger sein wird?

Gesunde Mitarbeiter in einem gesunden Unternehmen werden immer wichtiger. Der demografische Wandel stellt sowohl Mitarbeiter als auch Unternehmen vor neue Aufgaben. Hier gilt es, mit individuell gestalteten Arbeitsplatzanpassungen bzw. Maßnahmen entgegenzuwirken und die Mitarbeiter bei den Herausforderungen der neuen Arbeitswelt zu unterstützen. Für Linde bedeutet das nicht nur, das Know-how der Mitarbeiter zu erhalten, sondern auch seiner sozialen Verantwortung den Mitarbeitern gegenüber gerecht zu werden und auch so wahrgenommen zu werden. BEM wird daher zukünftig eine immer wichtigere Rolle spielen.

Vielen Dank für das Gespräch!

 

Andrea Ries Betriebsratsvorsitzende Linde
Andrea Ries ist Betriebsratsvorsitzende bei Linde in Unterschleißheim.


Sie haben Interesse daran, Ihr Betriebliches Eingliederungsmanagement vom pme Familienservice begleiten zu lassen? Die Beraterinnen und Berater des pme Familienservice stehen Ihnen in allen Fragen rund um das Betriebliche Eingliederungsmanagement gerne zur Verfügung: bem@familienservice.de.