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Konzeption einer pflegesensiblen Personalpolitik

Die Entscheidung eines Unternehmens, die Vereinbarkeit von Pflege und Erwerbstätigkeit zu unterstützen, ist ein entscheidender Schritt, um die Beschäftigten mit Pflegeverantwortung gesund und leistungsfähig zu halten und sie an Unternehmen zu binden. Bei der Umsetzung einer auf die Bedürfnisse der Beschäftigten abgestimmten pflegesensiblen Personalpolitik sollten Sie einige wichtige Dinge beachten und sich vorab die folgenden Fragen stellen: Welchen Bedarf gibt es im Betrieb? Welche Maßnahmen gibt es bereits? Was bieten andere Unternehmen? Was muss man bei der Entwicklung unterstützender Maßnahmen beachten?

 

10 Schritte zur pflegesensiblen Personalpolitik:

  1. Sensibilisieren Sie die Entscheider für das Thema
  2. Schätzen Sie selbst den Bedarf im Unternehmen ab
  3. Befragen Sie Ihre Beschäftigten
  4. Berücksichtigen Sie unternehmensspezifische Rahmenbedingungen
  5. Entwickeln Sie ein erstes Konzept
  6. Optimieren Sie Ihr Konzept
  7. Erstellen Sie ein Exposé
  8. Leiten Sie die geplanten Maßnahmen ein
  9. Evaluation – prüfen Sie, ob es passt
  10. Sorgen Sie kontinuierlich für Kommunikation und Justierung

 

Es ist klar, dass die Umsetzung dieser Schritte mit einigem Aufwand verbunden ist. Sie sollen dennoch als Orientierung bei der Frage dienen, welche Aspekte auf dem Weg zu einer pflegesensiblen Personalpolitik von Bedeutung sind. Und natürlich können einzelne Schritte auch an externe Stellen delegiert werden.

 

1. Sensibilisieren Sie die Entscheider für das Thema

In vielen Unternehmen besteht noch kein ausgeprägtes Bewusstsein für das Thema Vereinbarkeit von Pflege und Erwerbstätigkeit. Zur Implementierung von Unterstützungsangeboten ist es erste Voraussetzung, die am Entscheidungsprozess beteiligten Personen, z. B. den Betriebsrat oder Personalrat, für das Thema zu sensibilisieren. Im nächsten Schritt sollten die Führungsebenen einbezogen werden.

 

2. Schätzen Sie den Bedarf im Unternehmen ab

Um entscheiden zu können, welche Formen der Unterstützung sinnvoll und notwendig sind, sollten Sie abschätzen, wie viele Beschäftigte vom Thema Pflege betroffen sind. Denken Sie dabei daran, dass die meisten Betroffenen über dieses Thema nicht so gerne sprechen und es daher wichtig ist, dass Vorgesetzte oder Personalverantwortliche von sich aus auf die Beschäftigten zugehen und zum Beispiel bei Mitarbeitergesprächen danach fragen.

Bei der groben Schätzung, ob es in Ihrem Unternehmen tatsächlich einen Bedarf an Unterstützung für Pflegende gibt, helfen Ihnen folgende Fragen:

  • Sind in Ihrem Unternehmen mehrere Mitarbeiterinnen und Mitarbeiter im Alter von 50 Jahren oder darüber beschäftigt?
  • Haben schon mehrere dieser Beschäftigten den Wunsch nach Arbeitszeitflexibilität geäußert oder legen besonderen Wert auf die genaue Einhaltung ihres Arbeitsbeginns und -endes?
  • Gab es bereits konkrete Nachfragen nach unterstützenden Maßnahmen zur Vereinbarkeit von Pflege und Erwerbstätigkeit?

Die Beantwortung dieser Fragen mit „ja“, ist ein deutlicher Indikator für einen Bedarf an unterstützenden Maßnahmen zur Vereinbarkeit von Pflege und Erwerbstätigkeit.

 

3. Befragen Sie Ihre Beschäftigten

Sie können Ihre Mitarbeiterinnen und Mitarbeiter entweder systematisch und umfassend mit einem Fragebogen befragen oder sich der Beantwortung der Bedarfsfrage in kleinerer Runde mittels Diskussion oder Vieraugengespräch nähern. Alle Methoden haben ihre Vorteile, sensibilisieren die Beschäftigten und bringen das Gespräch über die Pflegethematik in Gang:

 

  • Eine offizielle betriebsweite Umfrage liefert klare Zahlen zur Notwendigkeit der Vereinbarkeit von Beruf und Pflegeaufgaben – oder auch Familienaufgaben, sofern Sie weiter gefasste Fragen stellen. Aus Gründen der Unternehmenskultur kann es ratsam sein, eine vorgesehene Umfrage nicht selbst durchzuführen, sondern externe Experten, z.B. Beratungseinrichtungen oder Universitäten, mit der Bedarfsermittlung zu beauftragen.
  • Kleinere Gesprächsrunden mit Engagierten und Betroffenen reichen in einem mittelständischen Unternehmen oftmals aus, um die akuten Notfälle zu erkennen und eventuell umgehend geeignete Aktionen zu ermitteln. Auch Seminare oder kurze Vorträge, z.B. zum Thema Vorsorgevollmacht und Patientenverfügung, können den Einstieg in die Thematik erleichtern.
  • Mitarbeitergespräche bieten einen vertraulichen Rahmen für individuelle Themen. Im persönlichen Gespräch kann deutlich werden, dass Beschäftigte mit einer Pflegethematik belastet sind und Bedarf an betrieblicher oder professioneller Unterstützung haben, um beruflich weiterhin leistungsfähig zu sein. So können Führungskräfte individuell erfahren, welche unterstützenden Maßnahmen angebracht sind.

 

Die Pflege von Angehörigen ist ein sensibles Thema. Behandeln Sie persönliche Angaben der Beschäftigten daher absolut vertraulich.

 

 4. Berücksichtigen Sie unternehmensspezifische Rahmenbedingungen

Beantworten Sie vor allem die Frage, welche Faktoren im Betrieb und darüber hinaus der Vereinbarkeit von Pflege und Beruf förderlich bzw. kontraproduktiv sind.

Bezüglich der internen Rahmenbedingungen ist zum Beispiel zu fragen:

 

  • Welche Kultur gibt es im Unternehmen, wenn es um das Thema Krankheit und Pflege geht? Herrscht eine offene Kommunikationsatmosphäre, in der auch über ein so belastendes und negatives Thema gesprochen wird? Oder ist das Pflegethema tabuisiert und wird unter Kollegen und mit Führungskräften nicht angesprochen?
  • Welche Maßnahmen mit einem pflegeunterstützenden Potenzial gibt es bereits im Unternehmen?
  • Wie können vorhandene Maßnahmen (z. B. zur Unterstützung von Eltern mit Kindern) abgewandelt werden, um auch den Bedürfnissen pflegender Mitarbeiterinnen und Mitarbeiter zu entsprechen.

 

Bezüglich der externen Rahmenbedingungen stellen sich Fragen wie:

 

  • Welche Angebote gibt es in anderen Unternehmen – in der Nähe oder in der gleichen Branche?
  • Welche Angebote – wie pflegerische Dienstleistungen, Tagespflege, private , freigemeinnützige oder kommunale Institutionen –  gibt es in Betriebsnähe, auf die zurückgegriffen und mit denen kooperiert werden kann?
  • Welche gesetzlichen Regelungen gibt es aktuell oder künftig, die die Entwicklung oder Änderung von Maßnahmen erfordern (Teilzeit- und Befristungsgesetz, Reform der Pflegeversicherung, Antidiskriminierungsgesetz, Pflegezeitgesetz etc.)?

 

5. Erstellen Sie ein erstes Konzept

Lösen Sie sich von der Vorstellung, dass es das perfekte Konzept gibt. Überprüfen Sie Ihre Möglichkeiten – z. B. flexible Arbeitszeitmodelle – und die in Ihrem Unternehmen vorhandenen Angebote zur Unterstützung von Pflegenden – z. B. spezielle Beratungsangebote oder Infolisten mit externen Kooperationen. Überlegen Sie, wie diese sich modifizieren und ergänzen lassen.

 

6. Optimieren Sie Ihr erstes Konzept

Spätestens jetzt sollten Sie (weitere) Entscheidungsträger und Multiplikatoren im Unternehmen einbeziehen, z. B. Betriebsrat, Personalabteilung, Marketing und ggf. auch Rechnungswesen. Unterrichten Sie diese über den Stand Ihrer Überlegungen und Ihres bisherigen Konzepts und laden Sie sie dazu ein, es gemeinsam zu verbessern.

 

7. Erstellen Sie ein Exposé

Erstellen Sie ein detailliertes Exposé, in dem alle bisherigen Überlegungen präzise aufgegliedert sind. Das Exposé sollte folgende Aspekte und Einzelheiten beinhalten:

 

  • Fazit aus den Ergebnissen der Bedarfsermittlung durch Umfragen und Gespräche – je spezifischer desto besser
  • Katalog möglicher Maßnahmen
  • Kostenplan
  • Zeitplan der Umsetzung
  • Beschreibung der Zuständigkeiten innerhalb des Unternehmens
  • Zu erwartende Erfolge

 

8. Leiten Sie die geplanten Maßnahmen ein

Je nachdem, welche Punkte in Ihrem Konzept zu finden sind, variieren die nötigen Maßnahmen. Mögliche Umsetzungsschritte sind:

  • Erstellen Sie Vertragsentwürfe und Kooperationsvereinbarungen für die Zusammenarbeit mit externen Dienstleistern und Institutionen.
  • Informieren Sie die Dienstleister und Institutionen über Ihr Unternehmen und seine Philosophie sowie den möglichen Bedarf Ihrer Beschäftigten.
  • Planen Sie, wie Sie ihre Mitarbeiter über die geplanten Maßnahmen informieren, z. B. durch schriftliches Informationsmaterial. Ermöglichen Sie auch, dass die Beschäftigten ihr Feedback dazu abgeben.
  • Entwickeln Sie Verfahrensweisen für den konkreten Bedarfsfall – zum Beispiel wenn eine Mitarbeiterin oder ein Mitarbeiter einen Antrag auf Pflegezeit stellt. Entwickeln Sie Informationsmaterial und führen Sie eventuell Infoveranstaltungen für das Management durch.
  • Entwickeln Sie Strategien, wie Sie das Konzept auch in der Öffentlichkeit bekannt machen können, um ihre pflegesensible Unternehmenskultur sichtbar zu machen.

 

9. Evaluation – prüfen Sie, ob es passt

Insbesondere in der Anfangsphase Maßnahmeneinführung ist es wichtig, auftretende Probleme zu erkennen, die Nutzung der Angebote zu beobachten und darauf zu achten, dass der Kostenplan eingehalten wird. Nach einer gewissen Zeit sollten Sie die Maßnahmen einer offiziellen Bewertung unterziehen und dabei folgende Gesichtspunkte berücksichtigen:

  • Welche Angebote werden genutzt?
  • Wer nutzt die jeweiligen Angebote? Überlegen Sie hier vorab, welche Informationen über die Nutzer Sie zur Evaluation benötigen. Bedenken Sie: Je personenbezogener Sie die Nutzung der Angebote auswerten, desto eher könnten Beschäftigte Hemmungen entwickeln, ein Angebot zum Tabuthema Pflege anzunehmen. Beschränken Sie sich deshalb auf unbedingt notwendige Nutzungsdaten und arbeiten Sie ggf. mit externen Dienstleistern zusammen, um die Hemmschwelle bei den Beschäftigten senken.
  • Entspricht die tatsächliche Nutzung den Erwartungen?
  • Wie beurteilen die betroffenen Mitarbeiterinnen und Mitarbeiter die Angebote? Finden sie diese hilfreich?
  • Wieviel kosten die Maßnahmen?
  • Decken sich die tatsächlichen mit den erwarteten Kosten?
  • Welche positiven Effekte haben die Maßnahmen? Reduzieren sich z. B. Fehlzeiten oder steigen die Produktivität und die Qualität der geleisteten Arbeit?
  • Gibt es Erweiterungsbedarf und -möglichkeiten?  

Die Beantwortung dieser Fragen erleichtert Ihnen die Entscheidung, ob und wie die eingeführten Unterstützungsmaßnahmen modifiziert werden müssen.

 

10. Kommunikation und Justierung – eine kontinuierliche Aufgabe

Damit der Erfolg der Unterstützungsangebote auch langfristig gesichert ist, sollten folgende Maßnahmen regelmäßig durchgeführt werden:

 

  • Sorgen Sie dafür, dass die Beschäftigten regelmäßig über die Unterstützungsmöglichkeiten zur Vereinbarkeit von Pflege und Erwerbstätigkeit informiert und daran erinnert werden, dass sie diese auch in Anspruch nehmen dürfen. Erfahrungsgemäß registrieren Beschäftigte,  keinen aktuellen Bedarf haben, solche Angebote nicht. Deshalb ist es wichtig, immer wieder auf den Service hinzuweisen, denn gerade im Bereich der Pflegebedürftigkeit kann der Bedarfsfall oft sehr schnell eintreten.
  • Informieren Sie unbedingt auch die Führungskräfte regelmäßig. Sensibilisieren Sie sie für die Wichtigkeit des Themas Pflege, damit auch längerfristig gutes Gelingen gesichert ist.
  • Überprüfen Sie einerseits die Angebotsstruktur und andererseits die Nachfrage und das Feedback der Mitarbeiter, um bei Bedarf Angebote bzw. Kooperationen anpassen zu können.