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Alter & Pflege

Durch gesunde Lebensweise Demenz vorbeugen

An Demenz zu erkranken, ist kein unvermeidbares Schicksal. Mit vorbeugenden Maßnahmen wie Bewegung, gesunder Ernährung, sozialen Kontakten und geistiger Anregung lässt sich das Risiko entscheidend senken und eine bestehende Erkrankung mildern. Dazu ist es nie zu spät.

Fachexperte: Paul Rathjen, Fachberater Homecare-Eldercare, pme Familienservice

Zahlen zu Demenz

In Deutschland sind laut Zahlen der Deutschen Alzheimer Gesellschaft zirka 1,84 Millionen Menschen von einer Demenzerkrankung betroffen (Stand Jahresende 2024/2025). Pro Jahr kommt es zu 364.000 bis 445.000 Neuerkrankungen. Alzheimer ist mit 60 bis 70 Prozent die häufigste Form. Bis zum Jahr 2050 wird mit 2,3 bis 2,7 Millionen Erkrankten gerechnet.

Was sind die Risikofaktoren für eine Demenzerkrankung?

  • Geringe Bildung
  • Eingeschränkte Hör- und Sehfähigkeit
  • Hoher Cholesterinspiegel, Diabetes, Bluthochdruck
  • Depressionen
  • Bewegungsmangel
  • Rauchen
  • Starkes Übergewicht
  • Hoher Alkoholkonsum
  • Soziale Isolation und Einsamkeit
  • Luftverschmutzung

Welche Rolle spielt die Ernährung bei der Vorbeugung von Demenz?

Eine gesunde, ausgewogene Ernährung ist eine wichtige Säule zur Vorbeugung von Demenz, und kann auch bei bestehender Demenz unterstützend wirken. 
Die traditionelle mediterrane Kost mit ihrem hohen Anteil an pflanzlichen Lebensmitteln hat offenbar einen deutlichen Schutzeffekt gegen Alzheimer und andere Formen der Demenz. 

Diese Lebensmittel haben einen positiven Einfluss:

  • Obst, Gemüse und Kräuter
  • Vollwertige Getreideprodukte
  • Nüsse und Samen
  • Hochwertige Öle, z. B. Olivenöl

Insbesondere rotes Fleisch, Wurstwaren und Eier sollten dagegen selten auf dem Speiseplan stehen. 

Selbstgekocht statt Fertiggericht

Stark verarbeitete Lebensmittel wie Instantsuppen, Mikrowellengerichte und Fertigpizza stehen im Verdacht, das Risiko einer Demenzerkrankung zu erhöhen. Die Gründe dafür sind Übergewicht, eine gestörte Darmflora und Schädigungen der Nervenzellen. Was dagegen hilft: Gesunde Lebensmittel einkaufen und selbst kochen.

 

Wie beeinflusst das Hören das Demenzrisiko?

Oft unterschätzt ist die Rolle des Gehörs bei der Prävention von Demenz. Bei vielen Menschen wird das Gehör mit der Zeit unbemerkt schlechter. Andere wiederum haben zwar ein Hörgerät, tragen es aber unregelmäßig, sodass sich das Gehör nicht daran gewöhnt. 

Aber Sprache, Musik und Gespräche halten das Gehirn aktiv – und wer schlecht hört, beteiligt sich weniger an Gesprächen und zieht sich nach und nach zurück. 

Ob Hörverlust selbst oder seine Folgen wie Einsamkeit das Demenzrisiko erhöhen, ist nicht eindeutig geklärt. Fest steht jedoch, dass Menschen mit unbehandeltem Hörverlust ein höheres Risiko haben, an einer Demenz zu erkranken. Die regelmäßige Überprüfung und gegebenenfalls Behandlung des Gehörs können dieses Risiko verringern.


 

Wie kann Bewegung einer Demenz wirksam vorbeugen?

Sport und Bewegung im Alltag regen unter anderem die Durchblutung im Gehirn an und verbessern die Sauerstoffversorgung. Zudem schützt ein körperlich aktiver Lebensstil vor zahlreichen Risikofaktoren, z. B.:

  • Übergewicht, 
  • erhöhte Cholesterin- und Blutzuckerwerte,
  • Bluthochdruck.

Untersuchungen zeigen: Auch wer erst im höheren Alter mit regelmäßigem Training beginnt, kann sein Demenzrisiko noch senken. Bei einer bestehenden Erkrankung kann körperliche Aktivität den Krankheitsverlauf verlangsamen und die Lebensqualität verbessern.

"Mein Tipp: Lassen Sie sich ärztlich beraten, bevor Sie mit einer neuen Sportart beginnen."

Paul Rathjen, Fachberater Homecare-Eldercare

Spazierengehen hat viele positive Effekte

Dass Bewegung fit hält und auch Beschwerden wie z.B. Rückenschmerzen verhindern kann, ist weitreichend erforscht. Interessant ist aber, dass sie auch einer Demenz vorbeugen.

  • Regelmäßige Spaziergänge verbessern die Durchblutung des Gehirns,
  • fördern die Bildung neuer Nervenzellen,
  • reduzieren Stresshormone,
  • stabilisieren den Blutzucker,
  • wirken antidepressiv

Studien zeigen, dass schon 20–30 Minuten zügiges Gehen an mehreren Tagen pro Woche das Demenzrisiko deutlich senken kann. 

"Mein Tipp: Integrieren Sie regelmäßige Spaziergänge in den Alltag: Gehen Sie öfter mal einen kleinen Umweg oder verzichten Sie bei kürzeren Strecken bewusst auf Auto oder Bus." 

Paul Rathjen, Fachberater Homecare-Eldercare

 

 

Mit Muskelaufbau, Ausdauer und Koordination Demenz vorbeugen

Krafttraining
Wer denkt „Mit 75 muss ich doch nicht mehr ins Fitnessstudio!“ liegt falsch. Gerade im Alter ist es wichtig, Muskeln aufzubauen, um die Mobilität zu erhalten, Gelenke und Knochen zu schützen und Stürzen vorzubeugen. 

Regelmäßiges Krafttraining kann außerdem bei älteren Menschen mit leichter kognitiver Beeinträchtigung die Gesundheit des Gehirns verbessern und das Risiko für Demenz senken. 

  • Krafttraining reduziert Entzündungsprozesse im Körper,
  • verbessert den Zuckerstoffwechsel,
  • stabilisiert den Hormonhaushalt,
  • schützt vor Stürzen.

Ausdauertraining 
Ausdauertraining verbessert die Sauerstoffversorgung des Gehirns. Das unterstützt die Gedächtnisleistung und Konzentration. Empfehlenswert sind zum Beispiel: 

  • Radfahren,
  • Schwimmen,
  • Training am Ergometer.

Koordinationsübungen 
Gerade koordinative Übungen sind für Menschen mit beginnender kognitiver Einschränkung besonders wertvoll. Sie halten beweglich, fördern den Gleichgewichtssinn sowie die Koordination und stärken das Gedächtnis.

Tanzen ist besonders geeignet, das Gehirn fit zu halten. Ebenso empfehlenswert sind Yoga, Pilates oder Tai Chi. 

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Regelmäßige Vorsorge senkt das Demenzrisiko

Die gezielte Behandlung verschiedener Risikofaktoren ist eine der grundlegenden Basismaßnahmen, um der Entwicklung einer Demenzerkrankung vorzubeugen. Vor allem die Faktoren, die Herz und Gefäße schädigen, erhöhen auch das Risiko für Demenz. Dazu zählen:

  • Übergewicht,
  • hoher Blutdruck,
  • erhöhte Blutzucker- und Blutfettwerte.

"Mein Tipp: Nutzen Sie regelmäßige Gesundheits-Checks, um Risikofaktoren behandeln zu lassen."  

Paul Rathjen, Fachberater Homecare-Eldercare

Geistig aktiv bleiben mit Herausforderungen für das Gehirn 

Musizieren, Knobeln oder Französisch lernen: Wird das Gehirn immer wieder vor neue Herausforderungen gestellt, schützt das vor geistigem Verfall. Konzentration, Aufmerksamkeit und Merkfähigkeit werden gefördert, und die Koordination wird trainiert. 

"Mein Tipp: Bauen Sie Trainingseinheiten für das Gehirn in den Alltag ein: Verwenden Sie für Routinetätigkeiten wie Zähneputzen einfach mal die andere Hand, oder gehen Sie einen anderen Weg zum Supermarkt." 

 

Paul Rathjen, Fachberater Homecare-Eldercare

Soziale Kontakte: Wundermittel gegen Demenz

Wer viel unter Menschen geht, hat bessere Chancen, geistig lange fit zu bleiben. Denn der regelmäßige Austausch mit anderen Menschen verhindert, dass die grauen Zellen in den „Schlummermodus“ umschalten. Er bringt das Gehirn auf Hochtouren – das Sprachvermögen, die Wahrnehmung und das Kurzzeitgedächtnis werden gefördert. Auf diese Weise können Treffen mit der Familie, Ausflüge mit Freunden oder ein Stammtisch mit den Kollegen dazu beitragen, das Demenzrisiko zu senken.

Fortschritte bei Diagnostik und Behandlung

Neue FDA-zugelassene Bluttests können Amyloid-Plaques – ein Hauptmarker für Alzheimer – mit über 90 % Genauigkeit im frühen Stadium identifizieren. Mit Hilfe von Virtual Reality-Brillen lassen sich Orientierungsprobleme erkennen, die auf ein frühes Demenzstadium hindeuten können. 

Auch wenn eine Demenzerkrankung nicht heilbar ist, ist sie doch behandelbar. Verschiedene Antiköper-Medikamente Leqembi (Lecanemab) und Donanemab können den Verfall der Gehirnfunktion verlangsamen, indem sie die Amyloid-Ablagerungen im Gehirn abbauen.

FAQ: Demenz vorbeugen – die häufigsten Fragen und Antworten

Kann man Demenz wirklich vorbeugen?

Ja, das Risiko an Demenz zu erkranken, lässt sich durch einen gesunden Lebensstil mit viel Bewegung, ausgewogener Ernährung, geistiger Aktivität und sozialen Kontakten nachgewiesen senken. Auch der Verzicht auf Nikotin und die Kontrolle von Blutdruck sowie Cholesterin helfen.

Welche Rolle spielt die Ernährung bei der Demenzprävention?

Eine ausgewogene und mediterrane Ernährung mit viel Obst, Gemüse, Fisch, Vollkorn und wertvollen Fetten kann das Demenzrisiko verringern. Auf industriell verarbeitete Produkte sollte weitgehend verzichtet werden.

Wie wirkt sich Bewegung auf das Demenzrisiko aus?

Regelmäßige körperliche Aktivität – ob Spazierengehen, Radfahren oder Krafttraining – wirkt sich positiv auf die Gehirngesundheit aus, bremst Abbauprozesse und fördert die Durchblutung des Gehirns.

In welchem Alter lohnt es sich, mit der Vorbeugung zu beginnen?

Es ist nie zu spät, Maßnahmen gegen Demenz zu ergreifen. Positive Effekte lassen sich in jeder Lebensphase erzielen – je früher, desto besser.

Welche geistigen Aktivitäten sind sinnvoll?

Geistig fordernde Aktivitäten wie Lesen, Musizieren, Spiele, das Erlernen neuer Fähigkeiten oder Sprachen und soziale Interaktion halten das Gehirn fit.

Gibt es Risikofaktoren, die Demenz begünstigen?

Ja. Zu den wichtigsten zählen wenig Bildung, eingeschränktes Hören/Sehen, Bluthochdruck, Diabetes, Übergewicht, Rauchen, Depression und soziale Isolation.

Wie kann ich als Angehöriger unterstützen?

Motivieren Sie Betroffene zu Bewegung, gesellschaftlichen Aktivitäten und gesunder Ernährung. Unterstützen Sie liebevoll und geduldig bei der Alltagsstruktur.

Weiterführende Links und Infos

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