20.11.2025
Christin Müller
11030
Insolvenz der pme Familienservice Bremen gGmbH: Stadt Bremen stellt Zahlung ein
(Update 22.12.2025): Weiteres Vorgehen zum Betrieb der Kitas der pme Familienservice Bremen gGmbH
Am Donnerstag, 18. Dezember 2025, fand ein Treffen mit der Staatsrätin beim Senator für Kinder und Bildung (SKB), Jennifer Müller-Wilckens, dem Insolvenzverwalter Prof. Dr. Torsten Martini und der pme-Geschäftsführerin Alexa Ahmad statt. Die Stadt machte deutlich, dass die Förderbedingungen für alle Träger gleichermaßen gelten. Eine (anteilige) Finanzierung nicht belegter Plätze sowie die Überprüfung der Aberkennung des Index-Status sind ausgeschlossen. Zum möglichen Wegfall der Eigenbeteiligung des Trägers an den Gesamtkosten wurde keine Aussage getroffen. Ein Folgegespräch ist geplant.
Die Freie Hansestadt Bremen plant ein Interessenbekundungsverfahren, um einen oder mehrere Träger für den Weiterbetrieb der pme-Einrichtungen zu finden. Am Ende dieses Verfahrens wird die SKB den oder die Träger unter Einbeziehung der städtischen Gremien auswählen.
Parallel sucht der Insolvenzverwalter nach einem oder mehreren Käufern und prüft verschiedene Optionen. Bis Mitte Februar 2026 soll eine Lösung gefunden werden, um eine Eröffnung eines Insolvenzverfahrens am 1. März 2026 zu vermeiden. Sobald geeignete Interessenten gefunden sind, wird die SKB eingebunden.
Für pme Familienservice scheint die Teilnahme an einem Interessenbekundungsverfahren unter den genannten Rahmenbedingungen nicht möglich, da die strukturelle Unterfinanzierung bestehen bleibt und ein verlustfreier Betrieb für pme nicht möglich wäre.
Positiv ist, dass die SKB zuversichtlich ist, im geplanten Verfahren schnell eine Lösung zu finden. Der vorläufige Insolvenzverwalter hat das Ziel, bis Mitte Februar 2026 eine Lösung für den Weiterbetrieb zu erreichen.
pme wird den Prozess weiterhin konstruktiv begleiten und den Alltagsbetrieb der Einrichtungen bestmöglich sichern. Wir bitten die Eltern und unsere Mitarbeitende den Einrichtungen die treue zu halten und damit deren Zukunft zu sichern.
(Update 01.12.2025): Vorläufiger Insolvenzverwalter wurde heute, 01. Dezember 2025, bestellt
Die pme Familienservice Bremen gGmbH hat heute einen vorläufigen Insolvenzverwalter bestellt bekommen. Die Geschäftsführung hat bereits erste konstruktive Gespräche mit dem Insolvenzverwalter geführt, um gemeinsam einen reibungslosen Weiterbetrieb der Kitas sicherzustellen.
Wir freuen uns, mitteilen zu können, dass am 01.12.2025 die Gehälter aller Mitarbeitenden ausgezahlt werden konnten. Eltern und Mitarbeitende müssen sich daher keine Sorgen machen – die Betreuung und der Betrieb der Kitas laufen weiterhin wie gewohnt. Wir danken unseren Mitarbeitenden für ihre Loyalität und Ihren Einsatz im Sinne der Kinder und der Eltern!
(Update 24.11.2025): Öffentliche Stellungnahme zu den Aussagen von Senator Rackles
Richtigstellung der Darstellung im Weser-Kurier vom 24. November 2025
Die pme Familienservice Bremen gGmbH nimmt zu den Aussagen von Senator Mark Rackles (SPD)
„Deshalb könne auch keine Rede davon sein, dass die Behörde ihre Zahlungen an den Träger "abrupt" eingestellt habe. PME sei indes nicht einmal in der Lage gewesen, die exakte Zahl der dort betreuten Kinder und den jeweiligen Betreuungsumfang zu übermitteln.“
im Weser-Kurier vom 24. November 2025 wie folgt Stellung:
Monatelanger Austausch mit der Stadt Bremen
Wie bereits in unserer Pressemitteilung vom 20. November 2025 dargelegt, haben wir die Stadt wiederholt darauf hingewiesen, dass ohne eine Beseitigung der wichtigsten Ursachen der strukturellen Unterfinanzierung ein Weiterbetrieb der Kitas durch pme finanziell nicht mehr gesichert werden kann. Von einem drohenden Zahlungsstopp Seitens der Stadt war dabei keine Rede. Dies ist durch die E-Mail-Korrespondenz mit der Stadt Bremen nach dem Gespräch vom 10. Oktober 2025 umfassend dokumentiert.
Vorläufige Zahlungseinstellung der Stadt und Bedingungen
In ihrem Bescheid vom 11. November 2025 (bei pme am 18. November 2025 eingegangen) teilte die Stadt Bremen ohne jegliche vorherigen Hinweise mit, die Zahlungen vorläufig einstellen zu müssen. Als Bedingungen für eine Wiederaufnahme der Zahlungen wurden genannt:
1. Bereitstellung der Zahl der betreuten Kinder und des Betreuungsumfangs
Diese Bedingung hat uns überrascht, da die Stadt Bremen beide Informationen jederzeit über die von pme im Kita-Planer der Stadt gepflegten Zahlen einsehen kann. Dennoch haben wir die Zahl der aktuell betreuten Kinder bei allen Kita-Leitungen abgefragt und der Stadt am 21. November 2025 fristgerecht bereitgestellt. Der Betreuungsumfang wurde am 22. November 2025 ebenfalls fristgerecht nachgereicht.
Wie bereits erwähnt: Beide Informationen stehen der Stadt jederzeit über den Kita-Planer zur Verfügung.
2. Bereitstellung einer belastbaren positiven Fortführungsprognose
Diese zweite Bedingung konnte pme hingegen nicht erfüllen, da wir genau deshalb seit Monaten mit der Stadt im Austausch standen. Eine positive Fortführungsprognose bis 31.12.2026 wäre nur möglich, wenn die Stadt die wesentlichen negativen Belastungsfaktoren beseitigt hätte, wie zum Beispiel:
- Rücknahme der Forderung nach einem Träger-Eigenanteil
- Übernahme der Mietkosten für die St.-Jürgen-Straße
- Nachträgliche Erstattung von Immobilien-Nebenkostenabrechnungen und Indexsteigerungen
- Vollständige Bearbeitung aller ungeprüften Verwendungsnachweise seit 2019
Fazit
Die Darstellung, pme sei nicht in der Lage gewesen, grundlegende Informationen bereitzustellen, ist unzutreffend. Die geforderten Belegungszahlen waren der Stadt jederzeit bekannt und wurden dennoch fristgerecht nachgereicht.
Die Forderung nach einer belastbaren Fortführungsprognose konnte nicht erfüllt werden, weil genau diese abhängig von der Beseitigung der oben genannten negativen Belastungsfaktoren ist. Ohne verbindliche Zusagen der Stadt konnte die Geschäftsführung keine solche Prognose erstellen.
Durch die plötzliche Aussetzung der Zahlungen seitens der Stadt musste die Geschäftsführung der pme Familienservice Bremen gGmbH einen Insolvenzantrag einreichen, weil die liquiden Mittel der Gesellschaft zwar gereicht hätten, um die Gehälter der Beschäftigten für den Monat November auszuzahlen, allerdings die Mittel für die Bezahlung von Personal, Miet- und Nebenkosten ohne die Zahlungen der Stadt spätestens im Dezember nicht mehr ausgereicht hätten.
(Update 21.11.2025): pme Familienservice Bremen gGmbh reicht Insolvenzantrag ein
Nach der Einstellung der Zuwendungen durch die Stadt Bremen reicht pme Familienservice Bremen gGmbh um 12:38 einen Insolvenzantrag ein.
(Update 21.11.2025): Schreiben zu den aktuellen Platzbelegungen in den Kitas der pme Familienservice Bremen gGmbH
(Update 20.11.2025): WICHTIGER HINWEIS ZUR BERICHTERSTATTUNG
Am 20. November 2025 veröffentlichte die Stadt Bremen eine Pressemitteilung zur Insolvenz, die mehrere gravierende sachliche Fehler enthält. Wir stellen richtig:
FALSCH: Die Pressemitteilung der Stadt Bremen spricht durchgängig von der "pme Familienservice GmbH" und nennt Frankfurt als Sitz. [Wurde am 21.05.2025 korrigiert.]
RICHTIG: Es geht ausschließlich um die pme Familienservice Bremen gGmbH – eine eigenständige Tochtergesellschaft. Die pme Familienservice GmbH (Muttergesellschaft mit Sitz in Berlin) ist von der Insolvenz NICHT betroffen. Die pme Familienservice Gruppe ist wirtschaftlich kerngesund und bleibt ein verlässlicher Partner.
FALSCH: Die Stadt Bremen behauptet, pme habe sie am 20. November 2025 über den Insolvenzantrag informiert.
RICHTIG: Wir haben die Stadt Bremen bereits am 19. November 2025 in einem persönlichen telefonischen Gespräch darüber informiert, dass uns die Rücknahme des bereits ausgestellten vorläufigen Fördermittelbescheids zu einem Insolvenzantrag zwingen würde, weil dadurch eine Zahlungsunfähigkeit absehbar war und somit eine gesetzliche Pflicht für einen Insolvenzantrag besteht.
FALSCH: Die Stadt Bremen spricht von "rund 400 Kitaplätzen".
RICHTIG: Die pme Familienservice Bremen gGmbH betreut aktuell 429 Kinder und stellt insgesamt 540 Betreuungsplätze zur Verfügung.
Wir haben die Stadt Bremen zur sofortigen Richtigstellung aufgefordert.
(Bremen, 20. November 2025) Die pme Familienservice Bremen gGmbH, Trägerin von acht Kindertageseinrichtungen in Bremen, muss Insolvenz anmelden. Nach jahrelangen Verhandlungen, einem teilweise gewonnenen Gerichtsverfahren und einem 1,2 Millionen Euro-Darlehens einer Tochtergesellschaft konnte eine auskömmliche Finanzierung durch die Stadt Bremen nicht erreicht werden. Die Stadt Bremen hat mitten in laufenden Verhandlungen und wenige Wochen vor Weihnachten, ihre Zahlungen eingestellt und damit einen Insolvenzantrag erzwungen.
- Zukunft von acht Kitas in Bremen ungewiss
- 430 Kinder und 120 Beschäftigte betroffen
Jahrelange Unterfinanzierung führt zu Millionendefiziten
Seit Jahren weist die pme Familienservice Bremen gGmbH die Stadt Bremen auf die gravierende Unterfinanzierung ihrer acht Kindertageseinrichtungen hin. Der Referenzwert für die Kita-Finanzierung wurde seit 2008 nicht angemessen an die gestiegenen Kosten angepasst. Personal-, Sach- und Immobilienkosten werden nicht vollständig gedeckt, der Index-Zuschlag für Kitas in sozial benachteiligten Stadtteilen für den Träger gestrichen.
Die daraus resultierenden Defizite sind dramatisch: Bis Ende 2024 hat sich ein Verlust der Gesellschaft in Höhe von rund 1,1 Millionen Euro angesammelt. Eine Schwestergesellschaft hat bereits Darlehen in Höhe von 1,2 Millionen Euro zur Verfügung gestellt und darf keine weiteren Kredite ohne Aussicht auf eine nachhaltige Lösung gewähren.
Gerichtserfolge bleiben ohne Konsequenzen
Um ihre berechtigten Ansprüche durchzusetzen, hat die pme Familienservice Bremen gGmbH mehrere Klageverfahren vor dem Verwaltungsgericht Bremen angestrengt. Im Juni 2025 gewann pme in wichtigen Teilen ein Gerichtsverfahren für das Zuwendungsjahr 2022: Das Gericht verpflichtete die Stadt Bremen, den Antrag von pme unter Beachtung der Rechtsauffassung des Gerichts neu zu bescheiden.
„Wir haben alle rechtlichen Mittel ausgeschöpft und vor Gericht Erfolge erzielt. Die Stadt Bremen kann oder will ihrer gesetzlichen Verpflichtung zur auskömmlichen Finanzierung nicht nachkommen", erklärt Alexa Ahmad, Geschäftsführerin der pme Familienservice GmbH.
Gespräche gescheitert – Stadt stellt ohne Vorwarnung Zahlung ein
Am 10. Oktober 2025 fand ein Gespräch mit den Verantwortlichen der Stadt Bremen statt. pme hatte acht konkrete Voraussetzungen formuliert, damit ein Weiterbetrieb der Kitas möglich ist:
- Vollständige Bearbeitung aller ungeprüften Verwendungsnachweise seit 2019
- Umsetzung des bestehenden Gerichtsurteils
- Abschluss aller anhängigen Gerichtsverfahren durch einen Vergleich
- Vollständiger Ausgleich des Defizits für 2025 und 2026
- Erstattung von Immobiliennebenkosten und Indexsteigerungen
- Anerkennung des Indexstatus für Kitas in benachteiligten Stadtteilen
- Finanzierungszusage für das Projekt "Systemische Kita"
- Aktive Unterstützung bei der Platzbelegung
In den letzten Wochen führte pme intensive Gespräche mit der Stadt Bremen. Am 18. November 2025 erhielt pme ein Schreiben, in dem die Stadt den gewährten Zuwendungsbescheid 2025 zurücknimmt und mitteilt, die laufenden Zahlungen für November und Dezember 2025 einzustellen. Damit wurde von der Stadt die gemeinsame Suche und die Verhandlung übe einen geordneten Weiterbetrieb der Einrichtungen beendet.
„Wir haben alles versucht. Die Stadt ist nicht gewillt, ihrer Verantwortung nachzukommen", so Alexa Ahmad. „Wir waren bereit, für die Kinder, Eltern und unsere Teammitglieder trotz hoher Defizite weiterzumachen. Die Stadt Bremen stellt mitten in laufenden Verhandlungen ihre Zahlungen ein. Ohne diese Mittel dürfen wir nicht einmal mehr die Novembergehälter zahlen, obwohl wir das Geld noch auf unserem Konto haben. Jetzt müssen wir schweren Herzens die Konsequenzen ziehen."
Kein Einzelfall: Auch "Petri und Eichen" musste Insolvenz anmelden
Im Juni 2025 musste der größte Kinder- und Jugendhilfeträger in Bremen, "Petri und Eichen", mit rund 500 Beschäftigten Insolvenz in Eigenverwaltung beantragen. Der Träger musste sich von seinen vier Kindertagesstätten trennen – alle vier wurden von KiTa Bremen übernommen. (Buten und Binnen, 24.09.2025)
„Der Fall Petri und Eichen zeigt deutlich, dass die Finanzierungspraxis der Stadt Bremen strukturell nicht auskömmlich ist", betont Alexa Ahmad. „Selbst große, etablierte Träger werden in die Insolvenz getrieben."
Auswirkungen auf Kinder, Familien und Mitarbeitende
Von der Insolvenz sind acht Kindertageseinrichtungen mit insgesamt 540 Plätzen und rund 120 Mitarbeitende betroffen. pme setzte sich im Vorfeld parallel aktiv für eine Übernahme der Kitas ein, um die Betreuung der Kinder sicherzustellen und die Arbeitsplätze zu erhalten. Kein Träger wollte eine Übernahme im laufenden Jahr vornehmen. Die abrupte Einstellung der Zahlungen zwingt aufgrund gesetzlicher Bestimmungen die Geschäftsführung nun zu einem unmittelbaren Insolvenzantrag.
„Unser oberstes Ziel ist es für die Kinder, Familien und unsere Teammitglieder eine gute Lösung zu finden", erklärt Alexa Ahmad. „Nun wird es Aufgabe der Insolvenzverwaltung sein, zeitnah Perspektiven zu schaffen. Wir haben 1,2 Millionen Euro an Darlehen gegeben, jahrelang verhandelt und vor Gericht gewonnen. Wir waren sogar bereit, weitere überschaubare Defizite zu tragen. Mehr können wir nicht tun! Jetzt ist die Stadt Bremen am Zug. Sie muss eine auskömmliche Finanzierung zusichern oder die Kitas selbst übernehmen. Die Verantwortung für diese Krise liegt eindeutig bei der Stadt Bremen."
Über die pme Familienservice Bremen gGmbH
Die pme Familienservice Bremen gGmbH betreibt acht Kindertageseinrichtungen in Bremen mit insgesamt ca. 430 Betreuungsplätzen und fast 120 Mitarbeitenden. Die Einrichtungen wurden im Rahmen der städtischen Angebotsplanung errichtet und leisten einen wichtigen Beitrag zur Erfüllung des Rechtsanspruchs auf Kinderbetreuung in Bremen. Die pme Familienservice Bremen gGmbH ist eine Tochtergesellschaft der pme Familienservice GmbH, einem der führenden Anbieter von Kinderbetreuung und Familienservice in Deutschland.
Pressekontakt
Daniel Erler
Leitung Unternehmenskommunikation
pme Familienservice Bremen gGmbH
Flottwellstraße 4-5
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Tel: +49 30 26393566
E-Mail: daniel.erler@familienservice.de