Mann und Frau schauen voneinander weg, weil sie streiten
Psyche

Wann lohnt sich eine Paartherapie wirklich?

Wenn eine große Liebe bröckelt oder eine Ehe zu scheitern droht, ist das schmerzhaft für ein Liebespaar. pme-Paartherapeutin Gisela Backes erklärt am Beispiel von Jessica und Daniel, wann Konflikte zur echten Beziehungskrise werden und wie Sie es schaffen, einen neuen Anfang zu finden. Nur soviel vorab: Es liegt höchstwahrscheinlich viel Arbeit vor Ihnen.

Expertin: Gisela Backes, Paartherapeutin, Redaktion: Christin Müller, Redaktion
 

Woran zerbricht die Liebe? 

Laut Paartherapeutin Gisela Backes sind häufig ein mangelnder Austausch und Missverständnisse die Hauptursachen für Krisen in Beziehungen sind.

Sie empfiehlt, als Paar aktiv an der Beziehung zu arbeiten, offen zu kommunizieren und sich bewusst Zeit füreinander zu nehmen, um wieder zueinander zu finden.

Professionelle Unterstützung kann helfen, neue Wege zu entdecken, Lösungen zu entwickeln und die Partnerschaft zu stärken – sofern beide bereit sind, sich auf diesen Prozess einzulassen.

 

Der Fall Jessica und Daniel: Wenn Vorwürfe sich ständig wiederholen!

Jessica und Daniel sind seit zwölf Jahren ein Paar. Kennengelernt haben die beiden sich in der Uni. Gemeinsam zogen sie von Münster nach Berlin – lukrative Jobs warteten auf sie in der Hauptstadt. Für Jessica als Projektleiterin in einer PR-Agentur, für Daniel als Ingenieur an einem technischen Institut. Mit der Hochzeit vor vier Jahren und der kleinen Tochter Mia schien das private Glück perfekt.

Doch schon bald stellten sich erste Probleme ein. Jessica, die sich nun hauptsächlich um die Tochter kümmerte, kam nur schwer damit zurecht, ihren alten Job, in dem sie zuvor oft Überstunden gemacht hatte, nicht mehr ausüben zu können.Sie hatte in den sauren Apfel gebissen und einen schlechter bezahlten Job als Teamassistentin angetreten – eine Teilzeitstelle war in ihrem alten Job nicht möglich.

Daniel sah seine Hauptaufgabe nun darin, das Geld zu verdienen. Er arbeitete, wann immer es ging. Der Verdienst war auch zu gut und die Aufstiegschancen greifbar nahe. Obwohl die beiden keine finanziellen Sorgen hatten, schlich sich schon bald dieses eine komische Gefühl ein – einfach nicht mehr als Paar zu funktionieren.

Beziehungskrise, wenn die Kinder kommen

Gisela Backes ist Paar- und Familientherapeutin beim pme Familienservice. Sie hat in den vergangenen Jahren viele Paare durch eine Krise begleitet, so auch Jessica und Daniel. „Ein Kind ist für ein Paar etwas Wunderschönes. Macht es doch aus einer Zweierbeziehung eine kleine Familie. Das nimmt unweigerlich Einfluss auf die Beziehung der Eltern.“ Häufig übernimmt die Mutter die Pflege und Erziehung des Kindes.

1. Wie Veränderungen nach der Geburt die Partnerschaft auf die Probe stellen

So wie Jessica. Nach Ablauf ihrer einjährigen Elternzeit kümmerte sie sich hauptsächlich um Mia. Sie hatte alle Impftermine auf dem Schirm, blieb mit ihr zu Hause, wenn Mia Fieber hatte und erledigte nach der Arbeit alle Einkäufe. Sie übernachtete im Zimmer der Tochter, so dass Daniel in Ruhe schlafen konnte.

Eine einschneidende Veränderung: „Wenn die Mutter ihr altes Leben aufgeben muss, kann sich schnell Unzufriedenheit einstellen.“, sagt Gisela Backes. Womöglich fehlen zusätzlich die Wertschätzung und Bestätigung aus dem alten Job. Das kann frustrieren. Aber auch an Daniel ging die Veränderung nicht spurlos vorbei. Er sehnte sich nach mehr Zweisamkeit mit seiner Frau.
 

"Mangelhafte Kommunikation und Interpretation von Situationen und Äußerungen sind die häufigsten Ursachen für Krisen in der Partnerschaft."
Gisela Backes, Paartherapeutin, pme Familienservice
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2. Wenn Elternschaft die Zweisamkeit verdrängt

Jessica ließ es nicht zu. Zu kaputt war sie vom Tag mit der Kleinen und insgeheim gab sie ihrem Mann die Schuld an der Unzufriedenheit. Die körperliche Nähe zum Kind hat im ersten Lebensjahr und kurz danach häufig oberste Priorität. Wenn Jessica viele Stunden engen Körperkontakt zu Mia hatte, ist der Bedarf nach körperlicher Nähe gedeckt. Das erfordert von Daniel Verständnis und Geduld aber auch beharrliches Werben um die Frau als Partnerin.

Hören Sie auch unseren Podcast zum Thema: Was passiert in einer Paartherapie?

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Fehlende Kommunikation und Fehlinterpretationen belasten Beziehung

Das gleiche gilt für die Anerkennung im Job. Sind Kinder da, lassen die Tagesroutinen nicht selbstverständlich Raum für Austausch“, stellt die Paartherapeutin heraus.

Häufig sei die fehlende Kommunikation zwischen den Partnern der Grund für eine Fehlinterpretation von Situationen und Äußerungen: „Das Paar glaubt sich in- und auswendig zu kennen, die Worte ´nie` und ´immer` werden häufig verwendet“, sagt Backes. Doch wenn das Paar nicht gemeinsam versucht Lösungen für die Unzufriedenheit oder Überbelastung zu finden, löst das häufig eine ernste Krise aus.

Wichtig sind Gespräche über:

  • Job
  • Kinderbetreuung
  • Persönliche Bedürfnisse nach Schlaf, Ruhe, körperlicher Nähe
  • Verteilung der Aufgaben im Haushalt
  • Freizeitgestaltung
  • Kontakt zu Freunden und Hobbys
     
Fachvortrag für pme-Kund:innen

Warum wir lieben, wie wir lieben: Bindungsmuster in Paarbeziehungen erkennen

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​​​​​​​Wenn Schweigen und Streit die Beziehung bestimmen: Die Fronten verhärten sich

Bei Jessica und Daniel wurde der Ton rauer. Eine normale Kommunikation schien schon lange nicht mehr möglich. Es wurde erst täglich gestritten, irgendwann nur noch geschwiegen.

Es gab Tage, an denen die beiden kein Wort miteinander sprachen und wenn doch, nur noch anbrüllten. Die Liebe, wie sie einst begonnen hatte, schien nicht mehr zu existieren – geschweige denn ein Liebesleben.

Und irgendwie war es beiden auch egal. Zu diesem Zeitpunkt schien eine Scheidung näher als eine Einigung. Es blieb noch ein Versuch, ein letztes Aufbäumen vor dem endgültigen Schritt. Denn sie wussten, dass es so nicht weitergehen konnte. Das Paar kam zu Gisela Backes in die Beratung. Die 62-jährige Paartherapeutin half den beiden, ihre Krise zu meistern.
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Eine Paartherapie kann Dynamiken in der Beziehung aufdecken und helfen, wieder Respekt und Liebe füreinander zu empfinden (Foto: pme Familienservice).

Wann Paare in die Paartherapie kommen

„Paare kommen immer dann zu mir, wenn sie selbst keinen Ausweg mehr aus der kritischen Situation sehen. Das kann zu Beginn Krise sein oder auch nach jahrelanger Dauerkrise.

Anlass für eine Beratung kann eine lebensverändernde Familiensituation sein, wie eine Geburt, ein Todesfall, eine schwere Krankheit, ein Jobwechsel, Untreue, aber auch Respektlosigkeit, Lügen, Verletzungen, Kinderlosigkeit, Frustration, sexuelle Unlust oder kulturelle Unterschiede", erläutert die Therapeutin.

In Deutschland wird heutzutage jede dritte Ehe geschieden. Professionelle Hilfe holen sich die wenigsten. Warum das so ist, weiß Gisela Backes: 
 

"Meist ist es mindestens einem Beteiligten peinlich sich fremde Hilfe zu holen oder mindestens eine Person glaubt nicht an eine Veränderung durch die Therapie."
 

Was erfolgreiche Partnerschaften auszeichnet und wie Therapie helfen kann

Wie vielen Paaren sie letztendlich helfen konnte, kann Gisela Backes nicht pauschal sagen. Sie rät: „Es ist wichtig an sich als Paar zu arbeiten, es auch zu wollen und nicht einfach aufzugeben.

Erfolgreiche Partnerschaften sind gekennzeichnet durch eine wechselseitige positive Wahl (der Partner/ die Partnerin ist die absolute Nr. 1), durch wechselseitige Liebe, durch wechselseitiges Vertrauen und durch Respekt und Achtung füreinander.

Auch wenn einige Therapien schwieriger sind als manch andere, Gisela Backes hat noch keinem Paar zur Trennung geraten: „Die Entscheidung trifft immer das Paar oder zumindest eine Person in der Partnerschaft. All denen, die Hilfe oder Unterstützung annehmen möchten, kann geholfen werden.

Wenn eine Person aber die Entscheidung trifft, die Partnerschaft nicht weiter aufrecht erhalten zu wollen, dann können wir das Paar auch im Trennungsprozess unterstützen."

Ziele, Methoden und Ablauf: Wie läuft eine Paartherapie ab?

Das Vorgehen in der Paarberatung ist abhängig davon, was das Ziel der Paarberatung sein soll. „Das kann beispielsweise sein: die Kommunikation zu verbessern, nach Untreue das Vertrauen wieder zu gewinnen, die Sexualität wieder aufleben zu lassen oder als Zweitfamilie zusammen zu wachsen“, führt Backes weiter an.

Es gibt vorbereitende Fragen für eine Paarberatung, die zurückschauen auf den Beginn der Beziehung, auf das hier und jetzt und auf Wünsche für die Zukunft. Diese Fragen dienen als Leitfaden in der Beratung wo sich gegebenenfalls Übungsaufgaben für das Paar ableiten lassen.

 

So stärken Paare die Beziehung nach der Krise

1. Mehr Zeit füreinander finden

Jessica und Daniel hat die Therapie geholfen. Sie haben sich vorgenommen, sich als Paar wieder mehr wahrzunehmen und Zeit in ihre Beziehung zu investieren.

So gibt es nun Zeiten, in denen sie nur für sich da sind. Am Abend bleibt der Fernseher nun häufiger aus, die Hausarbeit bleibt auch mal liegen. Bei einem Glas Wein lassen sie dann den Tag Revue passieren. Ein Date pro Monat ist fest im Kalender eingetragen.

Auf die kleine Mia passt in der Zwischenzeit eine Babysitterin auf. Für einen Wochenendtrip zum Hochzeitstag wurden sogar die entfernt lebenden Großeltern dazu geholt, um auf das Kind aufzupassen.

„Zeit füreinander kann helfen. Auch wenn es täglich nur 15 Minuten sind, in denen sich jeder wertfrei mitteilen kann und gemeinsam nach Verständnis oder Lösungen gesucht wird“, sagt die Therapeutin. „Nicht immer finden sich für alle Beteiligten zufriedenstellende Antworten. Dann sollten Zwischenlösungen gefunden werden und das Thema nach einer gewissen Zeit wieder neu diskutiert werden.“

2. Offene Kommunikation beibehalten: Im Gespräch bleiben!

Daniel will versuchen, in Job etwas zurückzutreten, so dass seine Frau neuen beruflichen Plänen nachgehen kann. Alles scheint eine gute Wendung zu nehmen.

Wichtig ist jedoch: Im Gespräch bleiben! Gisela Backes resümiert: „Vielen Menschen fällt es schwer, mit dem Partner über Wünsche, Sehnsüchte, Ängste zu sprechen. Genau das ist es aber, was eine Partnerschaft belebt."

Auf die Frage, warum es sich ihrer Meinung nach lohnt für eine bestehende Partnerschaft sich einzusetzen, hat sie eine ganz einfache Antwort: "Weil es ein wunderbares Gefühl ist zu lieben und geliebt zu werden und einen Partner/eine Partnerin an seiner Seite zu haben.“

Paar- und Einzelberatungen von erfahrenen Therapeut:innen

Beim pme Familienservice bieten wir Paaren und Familien Unterstützung, um offen über ihre Bedürfnisse zu sprechen und Missverständnisse auszuräumen.

Mehr erfahren: EAP Beratung

 

Literaturtipps

Hans Jellouschek Wie Partnerschaft gelingt

 

FAQ: Paartherapie, Beziehungskrise und Familienleben

Wann lohnt sich eine Paartherapie wirklich?


Eine Paartherapie lohnt sich, wenn Paare allein keinen Ausweg mehr aus einer schwierigen Situation finden – egal, ob sie am Anfang einer Krise stehen oder diese schon länger anhält. Besonders mit Kindern ist professionelle Hilfe sinnvoll, um das Familienglück zu schützen und einen neuen Anfang zu ermöglichen. Hilfe anzunehmen erfordert Mut, aber sie kann echte Veränderung bringen.

Woran zerbricht eine Liebe am häufigsten?


Laut Paartherapeutin Gisela Backes sind fehlende Kommunikation und Missverständnisse die Hauptursachen für Beziehungskrisen. Offene, ehrliche Gespräche und bewusst gemeinsame Zeit helfen dabei, sich wieder näherzukommen und Probleme anzusprechen.

Wie beeinflussen Kinder eine Beziehungskrise?


Wenn Eltern streiten oder unglücklich sind, belastet das Kinderseelen sehr. Ein Kind bringt viele Veränderungen im Alltag und in der Partnerschaft. Gerade nach der Geburt verschieben sich Aufgaben und alte Rollenbilder, was zu Unzufriedenheit führen kann, wenn Partner:innen nicht offen darüber sprechen.

Was kann ich tun, wenn Vorwürfe und Streit zum Alltag werden?


Wiederkehrende Vorwürfe und ständiger Streit sind Warnzeichen einer tiefen Krise. In dieser Situation sollte das Paar professionelle Beratung suchen, um wieder wertschätzend miteinander zu sprechen und gemeinsam nach Lösungen zu suchen.

Ab wann ist Paartherapie sinnvoll?


Eine Paartherapie ist sinnvoll bei anhaltender Unzufriedenheit, wiederkehrendem Streit, Sprachlosigkeit oder nach einschneidenden Ereignissen wie Geburt, Jobverlust, Untreue oder Krankheit. Sie unterstützt Paare dabei, ihre Wünsche, Bedürfnisse und Ängste offen zu besprechen und Veränderungen anzugehen.

Wie läuft eine Paarberatung ab?


Das Vorgehen in der Paarberatung ist individuell, richtet sich aber immer nach den Zielen des Paares: Häufig geht es um bessere Kommunikation, das Wiedergewinnen von Vertrauen nach Konflikten, das Stärken der Sexualität oder das Zusammenwachsen als Familie. Paare erhalten begleitende Fragen und praktische Aufgaben, um ihre Beziehung aktiv zu gestalten.

Was macht erfolgreiche Partnerschaften aus?


Erfolgreiche Beziehungen basieren auf gegenseitiger Liebe, Respekt, Vertrauen und dem ehrlichen Wunsch, am gemeinsamen Leben zu arbeiten. Es braucht den Willen beider, offen zu bleiben, zuzuhören und einander zur ersten Wahl zu machen.

Was, wenn nur eine Person bereit für Veränderungen ist?


Wenn ein Partner keine Veränderung wünscht, ermutigt die Therapeutin dazu, trotzdem Hilfe anzunehmen. Die Entscheidung für eine Trennung oder einen Neuanfang sollte bewusst getroffen werden. Auch während einer Trennung kann eine Beratung begleiten.

Wie können Paare die Beziehung nach einer Krise stärken?


Wichtig ist, sich Zeit als Paar zu nehmen – kleine Rituale, feste „Date Nights“ und Gespräche im Alltag helfen, sich als Partner:innen wieder wahrzunehmen. Unterstützung wie Babysitter oder Großeltern ermöglicht gemeinsame Auszeiten, selbst wenn sie kurz sind.

Warum ist offene Kommunikation entscheidend?


Nur wer über Wünsche, Ängste und Sehnsüchte spricht, hält die Beziehung lebendig. Viele Schwierigkeiten entstehen durch unausgesprochene Erwartungen. Offene Gespräche machen Nähe und Verständnis möglich.

null Gesundheitstag der Extraklasse: Das war der Health Day 2022

Speakerin Bastienne Neumann auf dem Health Day
Veranstaltung

Das war der Health Day 2022: Gesundheitstag der Extraklasse

Sechs Stunden Programm, 16 Top-Speaker:innen und 6.000 Zuschauer:innen – der Health Day bildet den fulminanten Abschluss zum 30-jährigen Geburtstag des pme Familienservice.

Gesundheit für jeden Geschmack

Die Mischung macht’s: Unterhaltsame und informative Vorträge von Top-Speaker:innen wie Frédéric Letzner, Dr. Matthias Manke, Gaby Köster und Michael „Curse“ Kurth zu den Themen körperliche Gesundheit, Mental Health, Achtsamkeit, Ernährung und Trends im Gesundheitsmanagement boten ein großartiges und abwechslungsreiches Programm für jeden Gesundheitsgeschmack. 

Pünktlich um 14 Uhr begrüßten pme-CEO Alexa Ahmad und Moderatorin Jessica Mina-Knopp die Zuschauer:innen live aus der pme Akademie in der Hamburger Hafencity. Was folgte war ein Gesundheitstag mit neuen Impulsen, spannendem Fachwissen und großartiger Unterhaltung. 

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Frédéric Letzner: Gesundheit geht auch sexy

Redner und Autor für Ernährungs- und Gesundheitspsychologie Frédéric Letzner startete mit seinem Vortrag zum Thema “Gesundheit geht auch sexy” und erörterte dabei die Frage, warum eigentlich so viele Menschen keine Lust auf das Thema Gesundheit haben und was man dagegen tun kann. Der Ernährungswissenschaftler, Buchautor und Speaker Letzner gab in seinem Vortrag interessante Einblicke in unsere kindlichen Prägungen und Ängste, wenn es etwa um gesunde Ernährung geht.

Mit seinem anschaulichen Plädoyer gegen das „Superheldentum“ am Arbeitsplatz rüttelte er die Teilnehmenden wach: „Die teuersten Mitarbeitenden sind die Superhelden, denn sie laufen irgendwann gegen die Wand“, so Letzner. Der Effizienzgedanke lässt sich ihm zufolge nicht mit der Gesundheit vereinbaren.

Wo es nur um das Funktionieren geht, sei keine Zeit für gesundes Essen und guten Schlaf. Als Mittel für ein gesünderes Leben präsentierte er die „4 G“: Geduld, Genuss, Genügsamkeit, Gelassenheit: Weg von Selbstoptimierung und Challenges, Schluss mit Multitasking, stattdessen Wertschätzung für sich selbst und die eigenen Prioritäten.


Der Opener: Frédéric Letzner gibt Vollgas.

Bastienne Neumann: Die Psyche isst mit

Ernährungswissenschaftlerin Bastienne Neumann folgte ihrem Vorredner auf dem Fuß. Bastienne Neumann hat selbst erlebt, wie Essen zu etwas werden kann, dass das Dasein bestimmt.

Als ehemalige Judoka hat sie es selbst erlebt: Um in ihrem Sport erfolgreich zu sein, musste sie gezielt zu- und abnehmen, Wettkampfphasen waren von Verzicht geprägt. Als verletzungsbedingt Schluss mit dem Sport war, gab es für sie kein Halten mehr. Sie kompensierte durch Essen und nahm insgesamt 25 Kilo zu. Um zu verstehen, was dahintersteckt, studierte sie Ernährungwissenschaften.

Der Gamechanger, wie sie es selbst bezeichnet, war aber die Ernährungspsychologie, also die Frage, warum wir essen, was wir essen. In ihren Vortrag beim Health Day regte sie die Teilnehmenden an, genau hinzuschauen: Warum greifen wir in stressigen Situationen zum Schokoriegel?

Warum gehen wir Punkt mittags in die Kantine, auch wenn wir keinen Hunger haben? Die Antwort: Essen ist mehr als Nahrung, es ist zum Beispiel Trostspender, Belohnung, verschafft uns eine Auszeit und dient dem Austausch mit anderen. Unvermeidlich im stressigen Alltag? Nein. In ihrem Vortrag stellte sie einen Koffer mit Ressourcen vor, die an die Stelle des Essens treten können. 

"Wenn Hunger nicht das Problem ist, dann ist Essen nicht die Lösung.“ (Bastienne Neumann)

 


Bastienne Neumann im Gespräch mit Moderatorin Jessica Mina-Knopp.

"Revierdoc" Matthias Manke: Wenn der Orthopäde Rücken hat

In seinem Vortrag stellte Revierdoc Dr. Matthias Manke auf dem Pott dar, wie wichtig Bewegung für den Körper ist. „Bewegen heißt Leben“ - das ist das Credo von „Revierdoc“ Matthias Manke. „Uns fehlt im Alltag der Bewegungsausgleich“, so Manke. Wo man nicht mehr das Haus verlassen muss, um einkaufen zu gehen oder Menschen kennenzulernen, kommt die Bewegung zu kurz.

Ganz praktisch widmete er sich den wichtigsten Problemzonen vieler Menschen, zum Beispiel dem Nacken, der oft überdehnt und verkrampft sei. Oder dem Beckenboden, um den sich entgegen landläufiger Meinung nicht nur Frauen nach einer Geburt kümmern müssten. „Beckenbodentraining ist die Lösung für eine stabile Körpermitte“, so Manke. Seinen unterhaltsamen Vortrag reicherte er durch Live-Übungen an, so etwa eine einfache Übung für einen starken Nacken oder eine Beckenbodenübung, die sich problemlos am Arbeitsplatz durchführen lässt.

"Uns fehlt im Alltag der Bewegungsausgleich.“ (Dr. Matthias Manke)


Revierdoc Dr. Mathias Manke ist einer der bekanntesten Orthopäden Deutschlands.

Trends im digitalen BGM - mit Pia Grocholl und Michèle Penz

Anschließend folgte eine echte Premiere. Pia Grocholl und Michèle Penz, die die neue Säule „Health“ des pme Familienservice in Doppelspitze leiten, stellten im Talk mit Moderatorin Jessica Mina-Knopp das neue BGM-Angebot des pme Familienservice vor und erläuterten, wo die Reise im digitalen BGM hingeht.

Gesundheit im Unternehmen sei ein riesiger Trend, so die Gesundheitsexpertinnen. Bei steigender Arbeitsbelastung und dem Fachkräftemangel biete ein BGM vielerlei Ansatzpunkte. Im Talk präsentierten sie die Kombination aus Verhältnisprävention und Verhaltensprävention, die den pme Health-Angeboten zugrundeliegt. Sich die Rahmenbedingungen und Strukturen anzuschauen ist ebenso wichtig wie die Frage, was der einzelne Mensch tun kann, um gesund zu bleiben bzw. zu werden.

Der Königsweg dabei sei der Blended-Ansatz: Via E-Learnings, Podcasts oder Artikel können sich Beschäftigte flexibel Inhalte aneignen, kombinierte Live-Interventionen wie Coachings sorgen für die nötige Verbindlichkeit. Ein interessanter Einblick, der mit dem Anspruch endete: Gesundheit soll Spaß machen!


Michèle Penz (links) und Pia Grocholl (Mitte) reden mit Moderatorin Jessica Mina-Knopp über Trends im digitalen BGM.

Trend-Talk: Gender im Gesundheitsmanagement

Drei Talkgäste, ein Ziel: Der nachfolgende Trend-Talk zum Thema Diversität im Betrieblichen Gesundheitsmanagement sollte ein Bewusstsein für Zielgruppen schaffen, die bisher noch unter dem Radar sind. Fee Reinoso, Gründerin von Vision Period , möchte Unternehmen dafür sensibilisieren, wie viel Potenzial und welche Ressource im weiblichen Zyklus steckt - ein  "Asset für die Wirtschaft", so Reinoso. Bisher würden die Bedürfnisse menstruierender Frauen komplett ignoriert. Sie wünscht sich von Unternehmen eine „mentrual Awareness“, also Akzeptanz und eine Infrastruktur, die auf die Bedürfnisse der Frauen eingeht.

Auch die Wechseljahre seien ein wichtiger „Businesscase“, ist Silke Burmester überzeugt. Die Journalistin und Buchautorin möchte ein neues Bild vom Altern etablieren. Burmester stellte fest, dass Wechseljahre vor allem mit einem Mangel in Verbindung gebracht werden. Dabei biete die Zeit oft ein unterschätztes Potenzial. „Da ist viel Power“, so Burmester. Oft hätten Frauen in dieser Phase mehr Zeit, weil die Kinder größer werden, sie wollen ihre Karriere fortsetzen und haben Lust, zu arbeiten. Mit ihrem Online Magazin “Palais Fluxx” bietet sie ein Informationsportal für Frauen ab 47 Jahren, die sich in Rausch, Revolte und Wechseljahren befinden.

Die Männer hatte schließlich Volker Baisch im Blick. Er ist Experte für das Thema Vereinbarkeit aus Vätersicht und findet, dass das Thema Männergesundheit auf den Radar von Unternehmen gehört. „Männer reden weniger über ihre Gesundheit oder psychische Belastungen als Frauen“, so Volker Baisch. Sie bräuchten zum einen andere Angebote, zum anderen müsse auch die Form und die Ansprache so verändert werden, dass Männer sich angesprochen fühlen.


Silke Burmester (links), Volker Baisch (Mitte) und Fee Reinoso (rechts) diskutieren angeregt über Diversität im BGM.

Gaby Köster: Mein Leben nach dem Schlaganfall

Manchmal liegen Freud und Leid nah beieinander. Wie im Fall von Gaby Köster. Im Interview mit Jessica Mina-Knopp erzählte die bekannteste Frau in der deutschen Comedy-Landschaft, wie sie einen schweren Schlaganfall auf dem Höhepunkt ihrer Karriere erlitt – mit 46 Jahren. Sie musste alles wieder lernen: Gehen, Sprechen, Autofahren, Weinen.

Noch heute, nach fast 15 Jahren, beeinträchtigen sie die Folgen des „Schlags“, wie sie ihn selbst nennt. Beim Health Day am 8. November 2022 sprach Gaby Köster darüber, wie sie durch den Schlaganfall ausgeknockt wurde – und wie sie sich Stück für Stück wieder zurück ins Leben und auf die Bühne gearbeitet hat. Was ihr dabei geholfen hat, ist ihr Humor: "Ich sehe auch im größten Chaos noch den Witz", sagt sie.

Auch wenn ihr heutiges Leben anders ist als das vor dem Schlaganfall, hat sie sich viele Freiheiten zurückerobert, zum Beispiel wieder alleine zu reisen. Ein inspirierender Beitrag von einer der humorvollsten Frauen Deutschlands, der nicht nur für spannende 30 Minuten sorgte, sondern auch für viele heitere Momente.


Comedy-Ikone Gaby Köster brachte gute Stimmung mit.

Diana Doko: Depressionen - Reden rettet Leben

Psychische Erkrankungen sind aufgrund der hohen Fehlzeiten in Unternehmen ein Thema, das bei einem Health Day selbstverständlich Beachtung finden muss. Diana Doko, Gründerin des „Freunde fürs Leben e.V.“ und Benthe Untiedt, Geschäftsführerin von Shit Show – Agentur für psychische Gesundheit klären über Depressionen auf.

Diana Dokos Motto lautet "Über Depressionen sprechen, rettet Leben!" Der Trägerin des Bundestverdienstkreuzes fehlen in Deutschland Aufklärungskampagnen zu Depressionen. Sie fordert daher, psychische Erkrankungen auf die gesundheitspolitische Agenda zu bringen und zu vermitteln, dass wir als Gesellschaft endlich offener über Depressionen und Suizid sprechen müssen – das kann Leben retten. Ziel ist, dass Signale besser erkannt und verstanden und Suizide verhindert werden. 

"Je mehr wir über das Thema Depression wissen und je mehr wir über Suizid wissen, desto besser können wir uns gegenseitig helfen." (Diana Doko)

 


Über Depressionen reden, rettet Leben", ist Diana Dokos Leitspruch.

Benthe Untiedt: Mentale Gesundheit zum Anfassen

Benthe Untiedt zeigte, wie es sich anfühlt, wenn Depressionen jemanden „niederdrücken“. Und warum der vermeintlich gut gemeinte Ratschlag „Kopf hoch“ alles nur noch schlimmer macht. 

Die Diplom-Psychologin brachte zum Health Day ihre „Moodsuits“ mit, die psychische Belastungen erfahrbar machen. Da gibt es den „Beuger“, eine Art Rucksack, mit dem der Kopf nach unten gedrückt wird, so dass sich die Trägerin klein und bedrückt fühlt. Oder die „Glocke“, die aussieht, wie ein Taucherhelm und den Kontakt mit anderen erschwert. Und schließlich den „Würger“, der das Gefühl erzeugt, einen Kloß im Hals zu haben. Unsere Moodsuits sind „Symptome zum Anziehen“, so Bethe Untiedt. Sie helfen dabei, eine Brücke zu Menschen zu schlagen, die solche Gefühle erleben und machen dieses schwierige Thema erzählbar.


Benthe Untiedt zeigt ihre Mood Suits an unserer Kollegin Susanna.

Carola Kleinschmidt: Surf your Energy: Mit deinem Biorhythmus im Einklang

Mit viel Power ging es weiter mit Bestseller-Autorin Carola Kleinschmidt. In ihrem Vortrag „Surf your Energy: Mit deinem Biorhythmus im Einklang“ erzählte sie, wie man erfolgreich die eigene Energiewelle surft. Denn wenn wir in unserem Biorhythmus schwingen, sind wir zufriedener, arbeiten besser und sind kreativer.

Energie schwingt in einer Welle durch den Tag, so Carola Kleinschmidt, es gibt Energiehochs und Energietiefs. Im Energiehoch fällt uns alles leichter, Sport, Verhandlungen, Konflikte in der Familie. Doch auch das Energietief hat seine Berechtigung, so Carola Kleinschmidt: Es sei perfekt, um Dinge zu verarbeiten, die wir im Energiehoch gelernt haben. „Ohne Energietief kein Lernen“, so ihr Fazit.

Auch auf die Unterschiede zwischen Morgenmenschen und Abendmenschen ging sie ein und regte dazu an, kleine Stellschrauben zu verändern, um dem eigenen Biorhythmus gerecht zu werden. Schon eine halbe Stunde länger schlafen könne einen riesigen Unterschied machen, so Kleinschmidt.

"Ohne Energietief kein Lernen." (Carola Kleinschmidt)


Carola Kleinschmidt erklärt wie der Biorhythmus funktioniert.

Michael "Curse" Kurth: Easy, Anti-Eso und für alle: So entspannst du richtig!

Den krönenden Abschluss bildete der Vortrag „Easy, Anti-Eso und für alle: So entspannst du richtig!“ von Michael „Curse“ Kurth. Der Rapper und systemische Coach nahm das Publikum mit in sein eigenes Leben, das geprägt war von frühem Willen zum Erfolg  - und einem jähen Umbruch, als er merkte, dass Erfolg nicht die Garantie für Glück ist. Er stelle ein 3-Phasen Rezept vor, um ohne Esoterik ganz einfach zu entspannen. Was dazugehört? Tief durchatmen, das Problem und sich selbst zu hinterfragen und schließlich, „das Geheimnis der Wasserflasche“ zu ergründen.


Vom Rapper zum Systemischen Coach - Michael Kurth zeigt wie Entspannung richtig geht.

Bewegte Pausen mit Yogalehrer Fjodor Kendzierski und Entspannungseinheiten mit der App Mindance rundeten das abwechslungsreiche und hochaktuelle Programm ab.

Gisela Erler und Alexa Ahmad: Das waren 30 Jahre pme

Am Ende holte Moderatorin Jessice Mina-Knopp noch einmal die pme CEO Alexa Ahmad und Überraschungsgast Gisela Erler, die Gründerin des pme Familienservice, auf die Bühne. Alexa Ahmad betonte, wie wichtig das Thema Gesundheit für alle ist: „Was uns alle eint: Health ist von der Wiege bis zur Bahre wichtig“ und bedankte sich bei allen Referent:innen, die viel Mut gemacht und zahlreiche Tipps gegeben haben.

pme-Gründerin und Staatsrätin a.D. Gisela Erler ließ den Wandel des Unternehmens in den vergangenen 30 Jahren Revue passieren und schlussfolgerte: „Für mich ist Gesundheit nicht nur Achtsamkeit und Kein-Stress, es kommen unglaubliche Krisen und plötzlich machen die Firmen unglaubliche Dinge, die man vorher nicht für möglich gehalten hatte.“


Gisela Erler (links) und Alexa Ahmad (rechts) haben sichtlich Spaß.
 

Health Day 2022: Vielen Dank an unsere Partner

pme health: Effektives BGM im Blended Learning Format 

Organisationsberatung, GBU Psyche, BEM: Unsere Angebote zum betrieblichen Gesundheitsmanagement (BGM) zeichnen sich durch Ganzheitlichkeit und Individualität aus. Von der Strategieentwicklung über die Bedarfsanalyse und Maßnahmenplanung bis hin zur Evaluation etablieren, ergänzen und optimieren wir das BGM-Portfolio von Unternehmen, um ihre Belegschaft gesund, leistungsstark und motiviert zu halten. 

Die persönliche Betreuung von Mitarbeitenden nach einem neuen ganzheitlichen Mind-Body & Soul-Ansatz ist eines unserer Schlüsselfaktoren und geht Hand in Hand mit unserem Blended Learning Konzept. Wir kombinieren digitale und Live-Formate zur Bewegungsförderung, Ernährung, Stressprävention und Achtsamkeit und stellen unser Wissen orts- und zeitunabhängig zur Verfügung.