Carolin Kebekus Foto Ben Knabe
Body & Soul

Carolin Kebekus im Interview: „Mutterschaft ist eine andere Liga“

Ich denke, unsere ganze Gesellschaft basiert darauf, dass Frauen den Großteil der Care-Arbeit übernehmen – ohne sich zu beschweren.

Wenn jemand weiß, wie sich Muttersein zwischen Glücksrausch, Schlafmangel und einer Karriere im Scheinwerferlicht anfühlt, dann ist das Carolin Kebekus. Die Comedienne und Moderatorin, die sonst mit scharfen Pointen über Politik, Kirche und Sexismus auffällt, richtet ihren Blick mit dem Bestseller „8000 Arten, als Mutter zu versagen“ auf etwas sehr Privates: ihr Leben als Mutter. 

Im Gespräch mit pme erzählt sie, warum sie die Realität nach der Geburt „kalt erwischt” hat, wieso man als Mutter viel schneller „schlecht“ und als Vater „gut“ ist – und warum Humor für sie kein Weglächeln, sondern eine Überlebensstrategie ist. Carolin Kebekus ist Speakerin auf dem Health Day 2026 im Oktober.

Interview: Sarah Raupach, Redaktion: Christin Müller, Foto: Ben Knabe

Dein Buch heißt „8000 Arten, als Mutter zu versagen“. Wann war dir klar, dass du darüber ein Buch schreiben willst?

Carolin Kebekus: Ich habe beim Schreiben meines neuen Bühnenprogramms gemerkt, dass ich wahnsinnig viel Material habe – Schwangerschaft, Geburt, Wochenbett, alles. Das hätte locker für einen vier-, fünfstündigen Abend gereicht, das kriegt man nie alles auf die Bühne.

Schon in der Schwangerschaft habe ich erfahren, wie vielen Regeln man plötzlich unterliegt – als Schwangere, als Mutter, als Frau sowieso. Und wie wahnsinnig schnell man eine „schlechte Mutter“ ist. Und wie wahnsinnig schnell man ein „guter Vater“ ist. Das hat mich echt überrascht.

Die Idee zum Buch war dann relativ schnell da. Ich habe beim Verlag angerufen, die haben sofort den Vibe gespürt und waren gleich dabei.

Wie viel Carolin Kebekus steckt in diesem Buch – und wo hast du überzeichnet?

Wenn ich auf der Bühne meine Nummer über das Wochenbett erzähle, sage ich am Ende immer: „Für alle, die gerade schwanger sind – das ist Comedy, ich übertreibe.“ Und hinterher rasten alle Mütter aus vor Lachen, weil sie genau wissen: Das ist überhaupt nicht übertrieben, ich habe es nur mal deutlich so ausgesprochen, wie es ist. Vielleicht habe ich hier und da ein bisschen überzeichnet – Comedy eben –, aber jedes Thema stimmt. Und dass Stillen ein Knochenjob ist, stimmt auch. 

Ich glaube, ich habe in diesem Buch viel verarbeitet. Ich musste irgendwie klarkommen mit dem Menschen, der ich geworden bin: Schlafmangel, ständige Überreizung, ständig angefasst werden, ständig abrufbar sein, keine Sekunde mehr für sich.

Bis dahin war ich ein anderer Mensch. Wenn ich etwas schaffen wollte, habe ich geschaut: Wie geht das, wo lerne ich das, wo kann ich das kaufen, was muss ich tun? Und plötzlich war meine einzige Möglichkeit, um Hilfe zu bitten. Es fiel mir wahnsinnig schwer zu sagen: „Ich kann nicht mehr“. Aber genau das wird von Müttern nicht erwartet. Eine Mutter kann immer. Eine Mutter sagt nicht: „Ich kann nicht mehr“.

Ich denke, unsere ganze Gesellschaft basiert darauf, dass Frauen den Großteil der Care-Arbeit übernehmen – ohne sich zu beschweren und ohne dafür Geld zu bekommen.

Viele Väter sehen sich als „moderne Väter“, gleichzeitig klagen viele Mütter über die unsichtbare Organisation im Hintergrund. Wo erlebst du dieses Spannungsfeld?

Der Klassiker ist: Man gibt das Kind mal ab, und der Partner sagt: „Jetzt leg dich doch mal eine halbe Stunde hin“. Da könnte ich aus der Haut fahren. Ja, ich könnte mich hinlegen – aber wer räumt dann die Spülmaschine aus, wer die Waschmaschine? Wer macht den Termin für die U7, wer besorgt neue Gummistiefel? Wann soll ich das sonst machen, wenn nicht jetzt, wo das Kind schläft oder mal woanders ist?

Es ist einfach wahnsinnig viel, was nicht gesehen wird.

Ich kenne aber auch meinen Anteil daran. Ich versuche oft, alles selbst zu machen, damit es „richtig“ ist. Dann fällt es mir schwer zu sagen: „Pack du doch mal die Tasche fürs Kind, und ich entspanne mich jetzt dabei“. Und gleichzeitig denke ich: „Packst du auch wirklich alles ein?“.

Viele moderne Väter sind anders als in meiner Kindheit. Früher war es Qualitätszeit, mit Papa zum Beispiel in den Baumarkt zu gehen. Heute kenne ich viele tolle Väter, die sehr engagiert mit ihren Kindern sind. Aber die Organisation des Überbaus – wer denkt an Termine, Geburtstage, wer hält das soziale Netz? – liegt oft noch bei den Müttern.

Wann hast du gemerkt: Das ist nicht nur viel, das ist ein strukturelles Problem?

Wer sich länger mit Gleichberechtigung und Feminismus beschäftigt, weiß: Es gibt eine grundsätzliche Ungerechtigkeit – in der Care-Arbeit, in der Bezahlung, überall. Ich mache seit Jahren Comedy zu Frauenthemen, Frauenhass, Frauenrechten und dachte irgendwann: „Ich habe doch schon alles mal angesprochen“.

Dann bin ich Mutter geworden und habe gemerkt: Das war nur die Spitze des Eisbergs. Mutterschaft ist eine andere Liga.

Ich weiß, wie privilegiert ich bin. Ich habe Geld, ich kann meinem Kind Klamotten, Spielsachen, Förderung, Betreuung kaufen. Ich habe eine Kita, in der das Kind frühstückt und Mittag isst – das habe ich vorher unterschätzt, was das an Arbeit abnimmt.

Was macht dieser Daueranspruch mit der mentalen Gesundheit bei dir und in deinem Umfeld?

Gesund ist das nicht. Und schwer in Worte zu fassen. Unter Frauen geht es, aber da ist trotzdem eine Scham, zuzugeben, dass man es nicht schafft.

Wenn ich sage: „Ich habe einen Kita-Platz, ich habe eine Nanny, ich arbeite – und ich bin trotzdem komplett am Ende“, dann denke ich sofort an meine Freundin mit vier Kindern, die vielleicht nicht arbeitet. Darf ich mich beschweren, wenn sie es auch „irgendwie“ schafft – oder es zumindest so aussieht?

Wir haben verinnerlicht, dass Frauen das aushalten. Das haben wir bei unseren Müttern und Großmüttern gesehen. Die ganze Gesellschaft basiert auf Frauen, die Dinge aushalten, ohne zu jammern.
Und wenn eine Frau mal sagt: „Ich kann nicht mehr“ oder wütend wird, wird diese weibliche Wut ganz anders wahrgenommen. Dann denkt man schnell: „Bin ich zu schwach? Müsste ich das doch aushalten können?“.

Wenn man sich vor Augen führt, was man an einem Tag alles gemacht hat und wie viel man wirklich geschlafen hat, ist klar, dass man überlastet ist. Aber mein Bild von mir ist: „Ich kann das alles. Ich bin die Person, bei der alle sagen: ‚Caro, wie schaffst du das eigentlich?‘“. Und manchmal denke ich: gar nicht.

Was kann Humor beim Thema “Mental Load und psychische Belastung”, was ein rein ernstes Statement nicht schafft?

Wenn man ein ernstes Thema humoristisch aufarbeitet, muss man immer genau zum Kern kommen: Was ist das Ding, was ist das Absurde an der Situation?

Beim Thema Frauenhass zum Beispiel gibt es viele absurde Momente. Wenn Menschen an der richtigen Stelle lachen, merkt man: Sie haben verstanden, worum es geht – es wird aufs Wesentliche runtergebrochen.

Im letzten Programm hatte ich viele Mütter im Publikum, die sich bei so vielen Themen gesehen gefühlt haben. Und alle anderen im Saal waren durch dieses gemeinsame Lachen mitgenommen. Humor holt Spannung raus, löst Blockaden und Frust.

Im Wochenbett habe ich mit einer Freundin, die gleichzeitig ein Kind bekommen hat, täglich Fotos ausgetauscht – von allem, was schieflief. Wir haben uns die hässlichsten Babyfotos geschickt und uns kaputtgelacht – mit Kaiserschnitt-Narbe. Humor hat sehr geholfen.

Was würdest du jemandem sagen, der gerade komplett im Mental Load steckt und das Gefühl hat, mit seinen „8000 Fehlern“ völlig allein zu sein?

Vielleicht muss man ein paar Ansprüche runterschrauben. Ich hatte am Anfang ein sehr klares Bild von mir als Mutter – wie ich bin und was ich alles schaffe. Von diesem Bild habe ich mich irgendwann verabschiedet. 

Man kann auch einfach mal Sachen liegenlassen. Die schönsten Tage sind die, an denen man nichts vorhat, nirgendwo sein muss und einfach nur mit dem Kind zusammen ist. Ohne den Anspruch, es muss pünktlich Mittagessen geben und es muss selbst gekocht sein. Dann geht man eben in den Zoo und isst Pommes.

Und dann würde ich sagen: sich Hilfe holen. Ein Netzwerk mit anderen Müttern oder Familie. Manchmal muss man Menschen direkt ansprechen, bei denen man sich eine engere Bindung fürs Kind wünscht: „Hättest du Lust, einmal die Woche einen Tantentag oder Onkeltag zu machen?“. Oft kommt Unterstützung aus einer Ecke, mit der man gar nicht rechnet.

Und dann sollte man auf jeden Fall dem Partner mitteilen, wie man sich fühlt. Ich glaube nicht, dass die meisten Väter sagen: „Stell dich nicht so an!“. Wenn man gemeinsam überlegt, was man schafft und was nicht, kann man Aufgaben besser verteilen. Dann muss man sie aber auch wirklich abgeben – das ist oft der schwerste Teil.

null Digital Detox im Urlaub: So gelingt die Offline-Auszeit

Lachende Frau fotografiert mit Handy im Urlaub
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Digital Detox im Urlaub: So gelingt die Offline-Auszeit

Statt im Urlaub abzuschalten, bleiben viele online – schnell noch Fotos posten, Nachrichten checken, erreichbar sein. Doch wer wirklich entspannen will, sollte dem digitalen Alltag gezielt eine Pause gönnen. Digital Detox hilft dabei.

Was ist Digital Detox?

Ständig erreichbar sein, mal eben die Mails checken, schnell durch den Newsfeed scrollen oder auf die nächste Push-Nachricht reagieren – für viele gehört das längst zum Alltag. Doch der digitale Overload macht auch vor dem Urlaub nicht halt. Da wird „noch schnell“ ein Video hochgeladen, die schönsten Urlaubsfotos werden in den WhatsApp-Chat geschickt oder ein paar Direktnachrichten fix beantwortet. Von der geplanten Entspannung bleibt da wenig übrig.

Kein Wunder: Die ständige Präsenz digitaler Geräte stört nicht nur unseren Schlaf, sondern auch unsere Fähigkeit, wirklich zur Ruhe zu kommen und den Moment zu genießen.

Genau hier setzt der Gedanke des Digital Detox an: Bewusst offline gehen, digitale Pausen einlegen und Kopf und Körper die Auszeit gönnen, die sie brauchen.

Digital Detox ("digitale Entgiftung") beschreibt konkret den bewussten Verzicht oder die gezielte Reduzierung der Nutzung digitaler Geräte. Ziel ist es, sich von ständiger Erreichbarkeit, Social Media und Informationsflut zu distanzieren, um Stress abzubauen und die mentale Gesundheit zu fördern.

Digitaler Stress: wenn Erholung auf der Strecke bleibt

Dass digitale Dauerpräsenz unser Wohlbefinden belastet, zeigt die TK-Studie „Schalt mal ab, Deutschland!“ aus dem Jahr 2021 deutlich: 76 Prozent der Deutschen sind privat fast immer oder mehrmals täglich online – bei den 18- bis 33-Jährigen sogar 92 Prozent. Besonders problematisch: Wer täglich fünf oder mehr Stunden privat am Smartphone oder Tablet verbringt, klagt deutlich häufiger über Nervosität, Erschöpfung und Konzentrationsprobleme. Auch mehrere Bildschirme parallel zu nutzen fördert laut Studie Müdigkeit und geistige Unruhe. 

Neben Arbeitsbelastung, hohen Erwartungen an sich selbst oder familiären Verpflichtungen trägt auch die ständige Erreichbarkeit über das Smartphone erheblich zur Erhöhung des Stresslevels bei. Laut der Stress-Studie von Swisscom Deutschland (2024) fühlen sich 29 Prozent der Deutschen regelmäßig durch die Nutzung digitaler Endgeräte gestresst.

Umso wichtiger ist es, den Urlaub gezielt zu nutzen, um Abstand zum digitalen Alltag zu gewinnen.

„Die ständige Verbindung zur digitalen Welt verhindert oft, dass wir wirklich abschalten. Die Erwartung, erreichbar zu sein oder nichts zu verpassen, sorgt dafür, dass unser Kopf selbst am Strand oder in den Bergen nicht zur Ruhe kommt“, erklärt Michèle Penz, BGM-Expertin und Leiterin pme Health beim pme Familienservice.

Digital Detox im Urlaub: bewusst abschalten, wirklich auftanken

Dauerhafte digitale Reizüberflutung beeinträchtigt unsere Konzentration, erhöht die innere Unruhe und kann langfristig unsere Erholung sabotieren („Mental Exhausion“). Urlaub sollte daher nicht nur räumliche, sondern auch mentale Distanz zum Alltag schaffen – am besten durch bewusste Digitalpausen.
Dabei geht es nicht darum, das Smartphone komplett abzuschalten.

Gerade wenn es für die Reiseorganisation oder im Notfall gebraucht wird oder besondere Momente mit Familie oder Freunden geteilt werden sollen, darf das Handy durchaus zum Einsatz kommen. Wichtig ist jedoch ein bewusster, achtsamer Umgang, der die Erholung nicht stört. Für alle, die im Alltag kaum zur Ruhe kommen, bietet der Urlaub die ideale Gelegenheit, den Digital Detox zumindest phasenweise auszuprobieren.

Entscheidend ist ein bewusster, kontrollierter Umgang, der die Erholung nicht stört. „Ein kompletter Verzicht auf das Smartphone ist nicht immer praktikabel oder notwendig“, so Michèle Penz. „Ideal ist ein insgesamt bewusster und achtsamer Umgang, damit kein radikaler Digital Detox nötig ist. So kann es beispielsweise helfen, bestimmte Apps für eine Weile vom Display zu nehmen oder vorübergehend zu deinstallieren. Für alle, die im Alltag kaum zur Ruhe kommen, kann der Urlaub die perfekte Gelegenheit sein, es einfach mal auszuprobieren.“

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Digital Detox im Urlaub: Smartphone aus, Entspannungsmodus ein.

Fünf einfache Tipps, um im Urlaub wirklich abzuschalten

  1. Feste Online-Zeiten definieren: Statt ständig erreichbar zu sein, helfen feste Zeiten für den Blick aufs Handy – etwa morgens oder abends für einen kurzen Check. Aber Achtung: Das Handy hat im Bett nichts verloren. Morgens lieber erst im Tag ankommen, abends spätestens eine Stunde vor dem Zubettgehen ausschalten.
  2. Smartphone-freie Zonen einrichten: Ob am Strand, beim Abendessen oder bei Ausflügen – bewusst handyfreie Zeiten oder Orte schaffen Raum für echte Erlebnisse. Vielleicht tut es auch mal wieder die gute alte Digitalkamera für Urlaubsfotos.
  3. Multitasking vermeiden: Am Pool liegen und gleichzeitig Mails lesen? Keine gute Idee. Egal wie schön der Urlaubsort ist: Wer sich voll auf das Hier und Jetzt konzentriert, entspannt deutlich besser.
  4. Digital Detox gemeinsam vereinbaren: Wer mit Partner, Familie oder Freunden reist, kann den Digital Detox auch als gemeinsame Challenge angehen. Zusammen offline zu gehen erleichtert das Durchhalten – und stärkt das Gemeinschaftsgefühl.
  5. Apps für bewusste Smartphone-Nutzung nutzen:​​​​​​​ Paradox, aber hilfreich: Es gibt zahlreiche Apps, die helfen, die eigene Handynutzung im Blick zu behalten oder gezielt Pausen festzulegen (z. B. Forest, Digital Wellbeing oder OffScreen).

Die Vorteile eines bewussten Digital Detox

Eine Auszeit von Smartphone, Tablet & Co. wirkt wahre Wunder für Körper und Geist:

  • Weniger Stress: Ohne ständige Benachrichtigungen sinkt der innere Druck, permanent reagieren zu müssen. 
  • Besserer Schlaf: Vor allem abends sollte das Smartphone zur Seite gelegt werden – das fördert einen erholsamen Schlaf.
  • Intensivere Erlebnisse: Wer nicht permanent abgelenkt ist, nimmt die Umgebung bewusster wahr.
  • Mehr Nähe zu Mitreisenden: Ohne Smartphone zwischen Gesprächen oder beim Essen entstehen tiefere, authentische Begegnungen.
  • Zeit für sich selbst: Lesen, Sport treiben, Natur genießen – all das kommt im Alltag oft zu kurz.

Fazit: Urlaub als digitale Auszeit nutzen

Der Urlaub ist die ideale Gelegenheit, Körper und Geist eine echte Pause zu gönnen – auch von der digitalen Welt. Schon kleine Veränderungen im Umgang mit Smartphone & Co. helfen, die Ferien entspannter und bewusster zu erleben. Wer sich auf diese Offline-Zeiten einlässt, kehrt nicht nur erholt, sondern auch mit mehr Achtsamkeit und innerer Ruhe in den Alltag zurück.