zwei kinder sitzen am Esstisch und essen Nudeln ohne Soße
Eltern & Kind

Picky Eating bei Kindern: Tipps für Eltern

Ihr Kind isst nur noch Nudeln oder verweigert neues Essen? Viele Eltern kennen das.  

Picky Eating bei Kindern kommt häufiger vor, als man denkt. Dieses wählerische Essverhalten ist meist eine normale Entwicklungsphase, kann aber verunsichern. 

In diesem Artikel erfahren Sie von Julia Gehm, Kindheitspädagogin B.A., Ernährungs- und Gesundheitsberaterin (IHK), warum viele Kinder beim Essen besonders wählerisch sind, welche Ursachen hinter dem sogenannten Picky Eating stecken und wie Eltern im Alltag gelassen damit umgehen können. Sie erhalten praxisnahe Tipps, um Ihr Kind behutsam an neue Lebensmittel heranzuführen, sowie Hinweise, wann professionelle Unterstützung ratsam ist. 

Was ist ein Picky Eater?

Die englische Bezeichnung „picky eater“ steht für „wählerischer Esser“. Diese Kinder zeigen meist ein eingeschränktes Essverhalten: Sie suchen sich ihre Lebensmittel sehr genau aus und lehnen neue Speisen tendenziell erst einmal ab.  

Typisch für picky eating bei Kindern ist: 

  • Die Auswahl an Lebensmitteln und Gerichten ist deutlich begrenzt.
  • Kinder brauchen sehr lange, um „zu sortieren“: Sie schauen sich das Essen genau an, riechen daran und probieren vielleicht nur sehr wenig. 
  • Bestimmte Lebensmittel werden plötzlich komplett verweigert, obwohl sie vorher gegessen wurden. 
  • Das Essverhalten kann täglich schwanken: Heute schmeckt die Tomatensoße, morgen werden nur die Nudeln ohne Soße gegessen. 
  • Neues wird meist erst einmal abgelehnt, auch wenn es optisch vertraut wirkt. 

Wichtig zu wissen, Picky Eating ist keine Krankheit!

Fachvortrag: Picky Eater - Wählerisches Essverhalten bei Kindern 

🗓️ 18.03.26 / 11:00 Uhr - 12:00 Uhr (via zoom) 

Vortrag zu Picky Eater – Wählerisches Essverhalten bei Kindern 

Erhalten Sie von Elternberaterin Julia Gehm einen Überblick zu kindlichen Bedürfnissen, Entwicklungspsychologischen Grundlagen sowie Impulse für den Familienalltag. 

Warum sind manche Kinder wählerische Esser?  

Wählerisches Essen vor allem im Kleinkindalter häufig auf – und sorgt oft für Unsicherheit und Stress bei Eltern. Umso wichtiger ist es zu verstehen, warum manche Kinder besonders picky sind. 

Bestimmt die Genetik, wie wählerisch ein Kind ist? 

Ein spannender Einblick kommt aus einer gemeinsamen Studie des King’s College London, der University of Leeds und des University College London. Die Forschenden haben das Essverhalten von ein- und zweieiigen Zwillingen untersucht, die im Jahr 2007 geboren wurden. Das Ergebnis: 

  • Eineiige Zwillinge, die genetisch nahezu identisch sind, zeigten ein sehr ähnliches wählerisches Essverhalten. 
  • Bei zweieiigen Zwillingen, die sich genetisch stärker unterscheiden, fiel das Essverhalten deutlich unterschiedlicher aus. 

Daraus leiteten die Forschenden ab: Ob ein Mensch dazu neigt, ein wählerischer Esser zu sein, hängt in hohem Maße mit der individuellen Genetik zusammen – und weniger ausschließlich mit Erziehung oder äußerem Einfluss.

"Dass Ihr Kind ein Picky Eater ist, bedeutet nicht, dass Sie als Eltern alles falsch gemacht haben. Genetische Faktoren spielen eine große Rolle, sind aber kein starres Schicksal. Gerade im Kleinkindalter können Sie noch vieles positiv beeinflussen. Sie sind also nicht machtlos – im Gegenteil: Sie gestalten den Rahmen, in dem Ihr Kind seine Erfahrungen mit Essen macht."  – Julia Gehm, Kindheitspädagogin B.A., Ernährungs- und Gesundheitsberaterin (IHK) 

8 Faktoren, die picky eating bei Kindern beeinflussen 

1. Entwicklungsphase 

Kinder durchlaufen natürliche Phasen, in denen sie vorsichtiger beim Essen neuer oder unbekannter Lebensmittel sind. Das ist ein normaler Schutzmechanismus und ist evolutionär gesehen überlebenswichtig. 

2. Sensorische Empfindlichkeiten 

Manche Kinder sind besonders empfindlich gegenüber bestimmten Texturen, Gerüchen oder Geschmacksrichtungen und lehnen deshalb bestimmte Nahrungsmittel ab. 

3. Neophobie – Die Angst vor Neuem  

Eine natürliche Angst vor unbekannten Lebensmitteln kann dazu führen, dass Kinder Neues erst einmal konsequent ablehnen. Manchmal braucht es sehr viele Begegnungen, bis ein Kind ein Lebensmittel überhaupt probiert. 

4. Gelerntes Verhalten 

Essgewohnheiten und Vorlieben können durch das Essverhalten der Eltern oder Geschwister beeinflusst sein. Denn Kindern beobachten genau: Was essen Mama und Papa, meine Geschwister? Welche Kommentare fallen am Tisch? („Das schmeckt mir gar nicht“, „Irgendwie eklig“) 

5. Kontrollbedürfnis 

Über das Auswählen von Essen können Kinder sehr unmittelbar Kontrolle ausüben: „Das esse ich – das esse ich nicht”, „Ich esse nicht weiter”. Wählerisches Essen kann dann also auch ein Ausdruck von “Selbstbestimmung” sein 

6. Gesundheitliche Beschwerden 

Wenn Essen weh tut oder Unwohlsein auslöst, ist es nachvollziehbar, dass Kinder bestimmte Lebensmittel meiden, zum Beispiel wenn Magen-Darm-Beschwerden, Allergien oder andere körperlichen Ursachen nach dem Essen auftreten. 

7. Ernährungsumgebung und Stimmung 

Stressige Essenssituationen, Druck zu essen (“Du musst das probieren”) oder negative Erfahrungen können zu Ablehnung führen.  

8. Kognitive Entwicklung 

Mit zunehmendem Alter entwickeln Kinder eigene Vorstellungen, Abneigungen und Vorlieben, die über Geschmack hinausgehen, z.B. “schöne” vs. “hässliche” Lebensmittel. 

Was Eltern von Picky Eatern tun können – 7 Tipps für den Alltag

Unsere Coachin Julia Gehm hat sieben praxiserprobte Tipps zusammengestellt, die Ihnen als Eltern helfen, das wählerische Essverhalten Ihres Kindes zu meistern.

1. Beobachten statt bewerten – was isst Ihr Kind wirklich? 

Bevor Sie etwas verändern, lohnt sich ein ehrlicher Blick auf die Situation. Fragen Sie sich zunächst: 

  • Was genau stört mich gerade? 
  • Habe ich Angst, dass mein Kind zu wenig oder nicht die „richtigen“ Nährstoffe bekommt? 
  • Erhält es wirklich zu wenig – oder isst es einfach anders, als ich es mir wünsche? 

Eine Liste kann helfen, um das Essverhalten Ihres Kindes im Blick zu behalten: 

  • Was isst Ihr Kind gerne, was lehnt es ab?  
  • Welche Eigenschaften haben diese Lebensmittel? 

Mag es zum Beispiel eher Suppen und breiige Gerichte oder lieber Knuspriges und Trockenes? Diese Beobachtungen sind eine wichtige Grundlage, um das Essverhalten besser zu verstehen und Ihrem Kind passende Essensangebote zu machen. 

2. Brücken bauen und Lieblingsessen variieren 

Wissen Sie, was ihr Kind gerne isst, können Sie auf Basis dessen Brücken zu mehr Vielfalt beim Essen bauen. 

Beispiel 1: 
Mag Ihr Kind gerne Suppen oder breiige Gerichte, können Sie darauf aufbauen und etwa eine Gemüsesuppe mit verschiedenen Gemüsesorten anbieten. So bleiben Konsistenz und Gefühl im Mund vertraut, während der Nährstoffgehalt steigt. 

Beispiel 2: 

Liebt Ihr Kind Pizza, lässt sich auch das wunderbar nutzen:  

  • Verändern Sie den Pizzaboden Schritt für Schritt, z.B. zunächst mit einem Anteil Buchweizenmehl gemischt mit Weizenmehl und später komplett aus Buchweizenmehl.  
  • Buchweizen liefert hochwertige Nährstoffe wie Calcium, Magnesium und Kalium und enthält viele Ballaststoffe, die gut sättigen und die Verdauung unterstützen. 
  •  Lassen Sie Ihr Kind die Pizza selbst belegen. So wird es aktiv eingebunden, kann mitentscheiden und erlebt Essen als etwas, das es mitgestaltet.

Solche „Brücken“ verbinden das, was Ihr Kind mag, mit dem, was Sie sich ernährungstechnisch wünschen. 

3. Kinder einbeziehen – Planung, Einkauf, Kochen 


 

Kinder haben einen natürlichen Wunsch, Teil des Alltags zu sein – das schließt das Essen mit ein. Gerade in dieser Entwicklungsphase ist Mitgestalten ein wichtiges Bedürfnis. Dies können Sie einfach nutzen, indem Sie Ihr Kind: 

  • bei der Planung der Gerichte mit einbeziehen („Was könnten wir diese Woche einmal ausprobieren?“), 
  • beim Einkaufen mitentscheiden lassen – etwa bei einem gemeinsamen Besuch auf dem Wochenmarkt, 
  • beim Kochen und Zubereiten aktiv beteiligen: rühren, waschen, Kräuter zupfen, Teller anrichten (je nach Alter).

"Alles, was Kinder selbst tun, begleiten und aktiv gestalten, hat für sie einen größeren Stellenwert als ein fertig gefüllter Teller, der plötzlich auf dem Tisch steht." – Julia Gehm, Kindheitspädagogin B.A., Ernährungs- und Gesundheitsberaterin (IHK)

Kennen Sie das Regenbogen-Prinzip?

Das Regenbogen-Prinzip bedeutet, dass bunte Lebensmittel in den Speiseplan integriert werden. Ihr Kind darf entscheiden, ob es heute lieber eine Blaubeere oder etwas Rotkohl probieren möchte.  

Wichtig ist, dass der Teller insgesamt bunt ist – so ist die Chance groß, dass ein breites Spektrum an Nährstoffen abgedeckt wird, auch wenn Ihr Kind sich zunächst nur einzelne Farben aussucht.

4. Eine entspannte Essatmosphäre schaffen – Essen ohne Druck 

So wichtig die Auswahl der Lebensmittel ist, genauso entscheidend ist die Stimmung am Tisch.  

Hilfreich für eine entspannte Essatmosphäre: 

  • Kinder dürfen den Tisch mit decken. 
  • Alle essen gemeinsam – soweit möglich. 
  • Es findet eine Unterhaltung statt, über den Tag, Erlebnisse, nicht nur über das Essen und die Kinder bekommen den Raum zu erzählen. 
  • Kein Kind muss aufessen. Ein „Nein” wird akzeptiert, und Ihr Kind spürt: „Meine Signale werden ernst genommen”

Vermeiden Sie: 

  • Zwang oder Druck („Noch drei Bissen, dann…“).
  • Machtkämpfe am Tisch, in denen es nicht mehr um Essen, sondern um „Wer setzt sich durch?“ geht. 
  • Sorgen und Konflikte rund um das Essverhalten mitten in der Situation selbst auszutragen. 

Der Esstisch sollte kein Ort für Streit und Druck sein – sondern das Essen soll Kindern Freude bereiten.  

Das picky Essverhalten Ihres Kindes belastet Sie? 

Wenn Sie sich Sorgen machen oder sich belastet fühlen, ist es oft besser, diese Themen abseits der Mahlzeiten mit Partner:in, Fachkräften oder Beratungsstellen zu besprechen.

5. Positives Vorbild sein und vertrauen 

Kinder haben ein sehr natürliches, intuitives Essverhalten: Sie spüren in der Regel, was ihnen guttut und was nicht. Im Laufe der Zeit wird dieses Gefühl durch gesellschaftliche Regeln, Normen und Erwartungen überlagert. Gerade beim Thema Picky Eating lohnt es sich, diesem inneren Kompass ihres Kindes erst einmal zu vertrauen. 

  • Achten Sie darauf, wie Sie selbst über Essen und Ihren Körper sprechen. 
  • Seien Sie sich bewusst, dass Entwicklungsschübe und Wachstumsphasen dazu führen, dass Kinder zeitweise mehr, dann wieder weniger essen – das ist normal. 
  • Vertrauen Sie darauf, dass Ihr Kind sich die Lebensmittel und Nährstoffe holt, die es gerade braucht – im Rahmen dessen, was Sie anbieten.

"Kein Kind fällt vom Fleisch, wenn es mal weniger isst. Wichtiger als ein „perfekter“ Teller bei jeder Mahlzeit ist, dass Kinder nicht zum Essen gezwungen werden. Zwang erzeugt Druck und Stress – und Kinder verknüpfen etwas, das eigentlich schön und sinnlich sein darf, mit negativen Gefühlen. Genau das gilt es zu vermeiden."  – Julia Gehm, Kindheitspädagogin B.A., Ernährungs- und Gesundheitsberaterin (IHK)

Wann ist es Zeit für professionelle Unterstützung?  

Auch wenn Picky Eating im Kleinkindalter nichts Ungewöhnliches ist, gibt es bestimmte Anzeichen, bei denen Sie genau hinschauen sollten: 

  • häufiges Würgen, Erbrechen oder Schmerzen beim Essen 
  • starke Abwehrreaktionen wie Flucht oder Wutanfälle 
  • sehr stark eingeschränkte Lebensmittelauswahl, bei der gestrichene Lebensmittel gar nicht mehr auf den Speiseplan zurückkehren 
  • erheblicher Gewichtsverlust oder ausbleibende altersgerechte Gewichtszunahme 
  • Hinweise auf Nährstoffmangel (z. B. wenn der Energiebedarf nicht mehr gedeckt wird!) 
  • deutliche Einschränkungen im Alltag 
  • spürbare seelische Belastung bei Ihrem Kind oder bei Ihnen 

In diesen Fällen sollten Sie sich fachliche Unterstützung holen, zum Beispiel bei: 

  • Kinderärztin/Kinderarzt 
  • Ernährungsberater:innen
  • Psycholog:innen bzw. Kinder- und Jugendpsychotherapie 
  • Fachkräften in Kita oder Kindergarten 
Gut beraten mit der pme-Elternberatung 

Unsere Elternberater:innen begleiten Eltern in allen Fragen von der Schwangerschaft bis zum Erwachsenwerden des Kindes. 

Persönlich und vertraulich: Wir sind online, telefonisch und vor Ort für Sie da. Mehr Informationen finden Sie auf der Seite der pme Elternberatung.

Literaturtipps rund um Picky Eating von Julia Gehm 

Buchtipps für Eltern: 

  • “Picky Eaters. Was Sie tun können, wenn Ihr Kind nicht essen will” von Tatje Bartig-Prang (GU Verlag) 
  • “Das geniale Familienkochbuch – vegetarisch” von Edith Gätjen & Markus Keller (TRIAS Verlag) 

Für Kinder und Eltern zum gemeinsamen Lesen: 

  • “Gefühle – So geht es mir!” (Usborne Verlag)
  • “Was brauchst du? Mit der Giraffensprache und Gewaltfreier Kommunikation Konflikte kindgerecht lösen” von Sigrun Eder & Barbara Weingartshofer (edition riedenburg e.U.) 

null Helikoptereltern: Auswirkungen überfürsorglicher Erziehung

Ein Mädchen hängt überkopf vom Baum
Eltern & Kind

Was macht Helikopter-Eltern aus?

Die ängstliche Mutter, die ihr Kind überall mit dem Auto hinbringt und auch wieder abholt, der kontrollierende Vater, der die schulischen Leistungen ganz genau im Blick hat und kein Lehrergespräch scheut ...  

Während viele Eltern ihre Kinder unterstützen möchten, um ihnen den Weg zu ebnen, geraten sie häufig in die Rolle der „Helikopter-Eltern“. Diese überfürsorgliche Haltung, die meist aus eigenen Sorgen und Ängsten resultiert, kann jedoch die Entwicklung der kindlichen Selbstständigkeit stark beeinflussen. 

Ein Beitrag von Ramona Krämer, Elternberaterin und systemische Familientherapeutin beim pme Familienservice.

Was sind “Helikopter-Eltern”?  

Als „Helikopter-Eltern“ werden Eltern bezeichnet, die ständig in der Nähe ihrer Kinder sind und wie ein Helikopter um sie herum kreisen, um jederzeit eingreifen zu können, wenn sie glauben, dass ihr Kind Unterstützung oder Schutz benötigt. 

Der Erziehungsstil von Helikopter-Eltern zeichnet sich aus durch

  • Überinvolviertheit
  • Einschränkung der kindlichen Autonomie 
  • Überbehütung 
  • Schuldzuweisung gegenüber Dritten, z. B. wenn Erzieher:innen verantwortlich gemacht werden, wenn das eigene Kind Konflikte in der Kita hat.

Was ist der Unterschied zwischen Helikopter-Eltern und Rasenmäher-Eltern? 

Im Gegensatz zu Helikopter-Eltern versuchen Rasenmäher-Eltern, jede potenzielle Herausforderung oder Schwierigkeit frühzeitig – am besten bereits im Vorfeld – aus dem Weg zu räumen. Sie „mähen“ alle Hindernisse ab, bevor das Kind diesen begegnet. 

Beide Erziehungsstile sind von einer starken Überfürsorglichkeit geprägt, jedoch mit unterschiedlichem Ansatz: Helikopter-Eltern agieren reaktiver, während Rasenmäher-Eltern mehr im Voraus planen und handeln.

Was steckt dahinter, wenn Eltern überfürsorglich sind?  

Die Überfürsorglichkeit von Helikopter-Eltern entspringt oft aus ihren eigenen Ängsten heraus.

Meist gibt es Gründe für das überbehütende Verhalten der Eltern, die in ihrer Vergangenheit liegen und mit Erfahrungen – vor, während oder nach der Schwangerschaft – verbunden sind: beispielsweise eine lange Kinderwunschbehandlung, Komplikationen in der Schwangerschaft oder bei der Geburt, Frühgeburten, ebenso wie postpartale Depressionen oder auch die eigene Erziehung, mit der sie groß geworden sind. 

Gleichzeitig wird die Welt immer komplexer, und durch die mediale Berichterstattung erfahren wir von vielen Unglücken um uns herum und in der Welt, wodurch wir das Gefühl bekommen, dass die Welt gefährlicher und unsicherer für unsere Kinder ist. 

Der Wunsch nach Kontrolle entspringt oft dem Bedürfnis, etwas gegen die eigene Ohnmacht und Hilflosigkeit zu tun.
 

Wir überschätzen die Wahrscheinlichkeit von Ereignissen! 

In der Psychologie spricht man von der Verfügbarkeitsheuristik: eine verkürzende, kognitive Schlussfolgerung, bei der die Wahrscheinlichkeit von Ereignissen je nach Aktualität und Lebendigkeit in der Erinnerung eingeschätzt wird. 

Das bedeutet: Tragische Nachrichten brennen sich ein, führen zu einem erhöhten Risikogefühl und somit zu Fehleinschätzungen und Urteilsfehlern. Folge sind oft verstärkte Schutzmaßnahmen 

Welche Auswirkungen haben Helikopter-Eltern auf ihre Kinder?  

Der überbehütende Erziehungsstil führt dazu, dass Kinder ängstlich werden und selbst Phobien oder Ängste entwickeln können.

Bevor Kinder eigene Erfahrungen sammeln können, verlassen sie sich auf die Erfahrungswerte ihrer Bezugspersonen. Diese Art von Erfahrungsübertragung ist sehr langlebig, im Gegensatz zu anderen Lernweisen, die schnell verblassen, wenn sie nicht wiederholt werden.

Phobien und Ängste, wie z. B. die Angst vor Spinnen oder dem Zahnarzt oder Verlustangst, werden von der primären Bezugsperson auf ihre Kinder übertragen. Das passiert auf nonverbaler Ebene, durch Mimik, Gestik, Geruch. 

Was hilft? Die eigene Angst benennen und offenlegen! 
 

Machen Sie den Realitätscheck!

Tauschen Sie sich mit anderen Eltern oder Ihrer/Ihrem Partner:in aus: 

- Gibt es reale Gefahren oder ist es eine gefühlte Unsicherheit? 

- Was ist Kindern in diesem Alter zuzutrauen? 

- Wie handhaben Sie das? 

- Haben Sie ähnliche Ängste?

 

ABER das elterliche Vorbild entscheidet nicht alleine darüber, ob ein Kind Ängste entwickelt. Hierbei spielen auch genetische, biologische und soziokulturelle Einflüsse eine Rolle. 

Beispiel 1: Eine ängstliche Mutter begrenzt den Bewegungsfreiraum ihres abenteuerlustigen Sohnes, was zu häufigen Konflikten führt. Obwohl die mütterliche Angst oft spürbar ist, überträgt sie sich vermutlich nicht direkt auf den Sohn. 

Beispiel 2: Ein eher vorsichtiges Kind wird von seinen Eltern in seiner Selbstständigkeit stark eingeschränkt. Es traut sich immer weniger zu, Herausforderungen alleine zu meistern, und lernt nicht,  Handlungsfähigkeit zu entwickeln. 

Wie verhalten sich Kinder von Helikopter-Eltern? 

Die Überfürsorglichkeit der Helikopter-Eltern hat einen starken Einfluss auf die Entwicklung ihrer Kinder. Das zeigt sich sowohl in der Motorik, bei der Einschätzung von Risiken und in der Frustrationstoleranz.

Der Einfluss auf die motorische Entwicklung und Risikobewertung der Kinder

Die Unfallkasse Hessen hält in ihrer Schriftreihe “Mehr Sicherheit durch Bewegung” fest, dass Kinder, die sich frei bewegen dürfen, weniger Unfälle haben. Kinder brauchen die freie Bewegung und den Raum, selbst Erfahrungen machen zu können.

Sie brauchen Herausforderungen, Grenzerfahrungen und Erlebnisse des Scheiterns, um zu lernen, Risiken richtig einzuschätzen und Selbstvertrauen zu entwickeln.

Der Einfluss auf die Resilienz und Frustrationstoleranz der Kinder 

Überbehütete Kinder, die während des Aufwachsens kaum negative Emotionen, Konsequenzen und Frust spüren, entwickeln weniger Selbstwirksamkeit und leiden häufiger unter Angststörungen, zeigen die Studien der Universität Stanford (2021) sowie der Florida Atlantic Universität (2023).  

Umso wichtiger ist es, dass Kinder früh und altersgerecht lernen, mit Frustrationen, Ungerechtigkeit, Konflikten oder auch Unfällen umzugehen. 

Wie können wir unsere Kinder starkmachen? 

Eltern – und gerade Helikopter-Eltern – müssen lernen, die eigenen Ängste und Sorgen auszuhalten.  

Statt das eigene Kind mit gutgemeinter Überfürsorglichkeit einzuschränken, müssen Kinder in ihrer Selbstständigkeit unterstützt werden. Auf diese Weise können sie Krisenkompetenzen entwickeln und lernen, sich selbstständig zu behaupten.  

Das bestätigt auch die Studie der Florida Atlantic Universität (2023), die belegt, dass Kinder und Jugendliche, die viel Zeit mit freiem und auch riskantem Spiel verbringen und es gewohnt sind, Probleme ohne elterliche Anleitung zu lösen, mental zufriedener sind. 

Daher ist es wichtig, dass Eltern die Selbstwirksamkeit und Resilienz ihres Kindes fördern und ihm den benötigten Freiraum geben.

5 Tipps, wie Sie ein gesundes Maß an Fürsorge finden

1. Sehen Sie Fürsorge als Unterstützung zur eigenständigen Entwicklung Ihres Kindes. Das langfristige Ziel von Eltern sollte es sein, sich selbst entbehrlich zu machen. Schließlich wollen wir, dass unsere Kinder, wenn sie ausziehen, ihr Leben alleine regeln können. 

2. Helfen Sie Ihrem Kind nur, wenn es danach fragt.  

3. Stellen Sie Ihrem Kind Fragen, statt direkt Antworten zu geben und so einen Lösungsweg vorwegzunehmen. 

4. Nehmen Sie Ihrem Kind Herausforderungen nicht ab, sondern unterstützen Sie es, selbst eine Lösung zu finden. 

5. Unterstützen Sie immer nur so lange, bis der Punkt erreicht ist, an dem Ihr Kind alleine übernehmen kann. 

""Die Aufgabe der Eltern besteht darin, ihr Kind nur so lange zu unterstützen, bis das Kind allein übernehmen kann – nicht dem Kind alles abzunehmen oder die Herausforderungen aus dem Weg zu räumen." - Ramona Krämer, Elternberaterin pme Familienservice

Die pme-Elternberatung

Unsere Elternberater:innen begleiten Eltern in allen Fragen von der Schwangerschaft bis zum Erwachsenwerden des Kindes.  

Persönlich und vertraulich: Wir sind online, telefonisch und vor Ort für Sie da. Mehr Informationen finden Sie auf der Seite der pme Elternberatung.