Was macht ein gutes Team aus?
Warum performen manche Teams mühelos, während andere auf der Stelle treten? pme-Akademie Leiterin Darina Doubravova erklärt, warum der Blick aufs Ganze entscheidend ist. Entdecken Sie die vier wichtigsten Stellschrauben und Praxis-Tipps für sofort mehr Zusammenhalt und Erfolg.
Ein Team voller Profis – und trotzdem läuft es nicht rund?
Kennen Sie das? Ein Team voller talentierter, engagierter Profis, aber die Ergebnisse bleiben aus. Die Stimmung ist angespannt, Projekte verlaufen im Sand. Man ist versucht, die Ursache bei einzelnen Personen zu suchen, doch das greift meist zu kurz. Eine aktuelle McKinsey-Studie widerlegt den Mythos, dass Talent allein ausreicht:
"Ein Team, das aus ‚Superstars‘ besteht, ist nicht von Natur aus ein großartiges Team – tatsächlich kann es zu schlechterer Leistung führen.“ McKinsey, When teams get healthier, the whole organization benefits
Die wahre Ursache liegt selten bei den einzelnen Mitgliedern. Sie liegt im System. Darina Doubravova, Leiterin der pme Akademie, führt Sie durch die entscheidenden Faktoren, die aus einer Gruppe von Einzelkämpfern ein echtes Dream-Team formen.
Was heißt systemischer Ansatz bei Teams?
Der erste und wichtigste Schritt zur Verbesserung ist ein Perspektivwechsel. Teams nicht als isolierte Inseln betrachten, sondern als Teil eines dynamischen Organisations-Ökosystems.
„Weder einzelne Teammitglieder noch Teams kann man isoliert betrachten. Sie sind immer als Teil eines komplexen Öko-Systems in ständiger Wechselwirkung mit anderen Teams und den Dynamiken der gesamten Organisation“, erklärt Darina Doubravova, Leiterin der pme Akademie. Dieser ganzheitliche Blick sei entscheidend, um die Zusammenarbeit im Unternehmen wirklich zu verstehen und nachhaltig zu verbessern.
Deshalb empfiehlt sie jedem Team, ganz bewusst den Austausch mit anderen Teams zu suchen und offen Fragen zu stellen wie: „Welche Erwartungen habt ihr eigentlich an uns? Wie nehmt ihr unsere Aufgaben und Beiträge wahr?“ Durch diesen Dialog können beide Seiten ihre Perspektiven offenlegen, abgleichen und gegebenenfalls anpassen – ein Prozess, der als echter Perspektivwechsel das gegenseitige Verständnis fördert.
Nur wenn ein Team diesen systemischen Kontext erkennt und aktiv gestaltet, kann es sein volles Potenzial entfalten und wirklich effektiv zum Gesamterfolg beitragen. "Mir ist in vielen Unternehmen aufgefallen, dass sich Abteilungen häufig über mangelnde Wertschätzung durch andere beschweren. Dabei lohnt es sich immer, auch selbstkritisch zu reflektieren: Wie schätze ich eigentlich die Arbeit der anderen Teams ein?"
Wertschätzung ist keine Einbahnstraße, sondern entsteht nur im wechselseitigen Austausch und gegenseitigem Verständnis.
"Wenn Teams über den Tellerrand hinausblicken und den systemischen Kontext einbeziehen, entsteht nicht nur mehr Wertschätzung, sondern auch eine bessere Zusammenarbeit. So wird aus einer guten Arbeitsbeziehung ein echter Erfolgsfaktor für das ganze Unternehmen", sagt Doudbravova.
Die 4 entscheidenden Stellschrauben für Top-Performance
Die Forschung zeigt, dass der Erfolg von Teams kein Zufall ist. Er basiert auf konkreten Verhaltensweisen.
"Unsere Forschung zeigt, dass insbesondere vier Treiber den größten Einfluss haben: Vertrauen, Kommunikation, innovatives Denken und Entscheidungsfindung." McKinsey, When teams get healthier, the whole organization benefits
1. Vertrauen & Psychologische Sicherheit: Das Fundament
Ohne Vertrauen ist alles nichts. Es ist die Basis, auf der Teammitglieder wagen, Risiken einzugehen und Fehler zuzugeben. Die messbaren Auswirkungen sind enorm:
Praxis-Tipps zum Sofort-Umsetzen:
- Persönliche Check-ins: Starten Sie Meetings mit einer kurzen, persönlichen Runde.
- Fehler als Lernchance: Etablieren Sie eine Kultur, in der Fehler offen besprochen werden.
- Verlässlichkeit leben: Halten Sie Zusagen ein und kommunizieren Sie proaktiv.
"Unsere Untersuchung ergab, dass Teams, die beim Thema Vertrauen überdurchschnittlich gut abschnitten, 3,3-mal effizienter waren und mit 5,1-mal höherer Wahrscheinlichkeit Ergebnisse lieferten als Teams mit unterdurchschnittlichem Vertrauen." McKinsey, When teams get healthier, the whole organization benefits
2. Offene Kommunikation & Feedback: Der Motor
Klare, offene und wertschätzende Kommunikation ist der Motor, der das Team voranbringt und Konflikte löst, bevor sie eskalieren.
Praxis-Tipps zum Sofort-Umsetzen:
- Regeln festlegen: Klären Sie gemeinsam, wann welches Tool genutzt wird und wer wann informiert werden muss.
- Feedback-Routinen einführen: Nutzen Sie einfache Methoden wie das 5-Finger-Feedback.
- Aktiv zuhören: Üben Sie, wirklich zu verstehen, was Ihr Gegenüber sagt.
"Arbeiten Sie an Ihrer Haltung zum Feedback: Konstruktives Feedback ist ein Geschenk und eröffnet die Möglichkeit, sich zu verbessern.“ Darina Doubravova, Leiterin der pme Akademie
3. Innovatives Denken & Vielfalt: Der Treibstoff
Teams, die offen für neue Ideen sind und unterschiedliche Perspektiven wertschätzen, sind kreativer und anpassungsfähiger.
Praxis-Tipps zum Sofort-Umsetzen:
- Raum für Kreativität schaffen: Blocken Sie feste Zeiten für Brainstormings ohne sofortige Bewertung.
- Vielfalt bewusst nutzen: Beziehen Sie aktiv die Meinungen von Teammitgliedern mit unterschiedlichen Hintergründen ein.
- Experimente erlauben: Schaffen Sie eine Kultur, in der Ausprobieren erwünscht ist.
4. Klare Entscheidungsfindung: Das Steuerrad
Unklare Prozesse bei Entscheidungen führen zu Frust und Stillstand. Effiziente Teams wissen, wer wann wie entscheidet.
Praxis-Tipps zum Sofort-Umsetzen:
- Rollen klären: Klären Sie im Team, wer die Entscheidung trifft, wer berät, wer Vorschläge macht und wer die Aufgaben umsetzt.
- Qualität vor Perfektion: Treffen Sie Entscheidungen zügig, anstatt auf die perfekte Lösung zu warten.
- Aus Fehlern lernen: Analysieren Sie gemeinsam, warum eine Entscheidung nicht zum gewünschten Ergebnis geführt hat – ohne Schuldzuweisungen.
"Es geht darum, nicht nur klare Rollen innerhalb des Teams zu klären, sondern auch zu betrachten, welche Erwartungen von außerhalb an die einzelnen Teammitglieder herangetragen werden. Auch das Thema ‚Silos durchbrechen‘ wird immer wichtiger.“
Darina Doubravova, Leiterin der pme Akademie
5. Nachhaltigkeit und der Blick von außen
Selbstreflexion ist gut, aber oft reicht der Blick von innen nicht aus. Teams entwickeln schnell blinde Flecken für ihre eigenen Schwächen.
Führungskräfte schätzen die Situation oft positiver ein als der Rest des Teams. Ein externer Impuls kann entscheidend sein, um die wahren Baustellen zu identifizieren. Externe Teamentwicklung ist besonders dann sinnvoll, wenn ein neues Team startet, große Veränderungen anstehen oder Konflikte die Zusammenarbeit lähmen. Ein externer Coach kann helfen, festgefahrene Muster zu erkennen und dem Team neue Wege aufzuzeigen.
"Teams sind sich oft ihrer wichtigsten Lücken nicht bewusst und können gemeinsame blinde Flecken haben, was dazu führt, dass sie die falschen Dinge priorisieren.“ McKinsey, When teams get healthier, the whole organization benefits
Fazit
Ein leistungsfähiges Team ist das Ergebnis eines kontinuierlichen Prozesses, der beim Verständnis des großen Ganzen beginnt. Indem Teams ihre Rolle im organisationalen Ökosystem erkennen und aktiv an den Säulen Vertrauen, Kommunikation, Innovation und Entscheidungskraft arbeiten, legen sie den Grundstein für nachhaltigen Erfolg.
FAQ: Team-Performance steigern
Wie kann ich psychologische Sicherheit im Team aufbauen?
Schaffen Sie Raum für Fehlerkultur, regelmäßiges Feedback und offene persönliche Check-ins.
Was versteht man unter systemischem Ansatz?
Teams werden als Teil eines dynamischen organisationalen Gesamtsystems betrachtet. Ziel: Muster erkennen und wertschätzende Zusammenarbeit fördern.
Wann sollte externe Teamentwicklung eingesetzt werden?
Immer dann, wenn neue Teams starten, große Veränderungen bevorstehen oder Konflikte festgefahren sind.
Weiterführende Links: