zu sehen ist Prof. Dr. Volker Busch
Psyche

Folge 50: Macht Künstliche Intelligenz uns dumm?

Können wir Maschinen wirklich vertrauen, wenn es um unsere Gedanken und Gefühle geht? Künstliche Intelligenz schreibt unsere Texte, beantwortet unsere Fragen – und hört manchmal sogar zu, wenn niemand sonst da ist. Doch was macht das mit unserem Gehirn, unserer Konzentration und unseren Beziehungen? Werden wir dadurch bequemer, einsamer oder sogar abhängiger?
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In unserer neuen Podcastfolge spricht Prof. Dr. Volker Busch, Neurowissenschaftler und Bestsellerautor, darüber, wie künstliche Intelligenz unser Gehirn, unsere Konzentration und unsere Beziehungen verändert. Denn: Je mehr wir unser Denken an Chatbots auslagern, desto mehr verändert sich, wie wir mit uns selbst und miteinander umgehen.
 

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In dieser Folge erfährst du:

  • Warum KI uns geistig entlasten, aber auch bequemer machen kann
  • Was mit Konzentration, Kreativität und kritischem Denken passiert, wenn wir sie an Chatbots auslagern
  • Warum Chatbots keine echten Konflikte, Lügen oder Zwischentöne erkennen können
  • Wie künstliche Intelligenz Coaching, Beratung und Therapie verändert – und wo ihre Grenzen liegen
  • Welche Rolle KI bei Einsamkeit und emotionaler Nähe spielt
  • Welche Kompetenzen Kinder und Jugendliche im Umgang mit KI heute brauchen
  • Welche menschlichen Fähigkeiten künstliche Intelligenz niemals ersetzen kann
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Prof. Dr. Volker Busch macht deutlich: KI kann helfen, Informationen zu bündeln und niederschwellig Orientierung zu geben. Doch echte Entwicklung entsteht durch Reibung, Widerspruch, Nachfragen und die Erfahrung eines Gegenübers, das Zwischentöne, Körpersprache und Unstimmigkeiten wahrnimmt. Genau das kann keine künstliche Intelligenz leisten.
 

Auszug aus dem Podcast-Interview:

Wie KI unser Gehirn bequemer macht

Volker Busch: In der Tat fasziniert mich eine ganze Menge, was die künstliche Intelligenz anbelangt, denn sie kann uns bestimmte Dinge geistig abnehmen, zu denen wir als Menschen so gar nicht in der Lage wären. Was mich ein kleines bisschen nachdenklich macht, ist, dass wir sie derzeit in einer Geschwindigkeit entwickeln, dass wir kaum noch hinterherkommen, das zu steuern. Weder ethisch noch politisch oder juristisch.

Oliver: Und dazu gehört ja auch, zu überlegen, wie nutzen wir KI und wie nutzen wir aber auch noch unser Gehirn? Da steckt ja die Gefahr drin, dass unser Gehirn bequemer wird durch den Einsatz von KI.

Volker Busch: Ja, absolut. Menschen, die sich geistig nicht mehr anstrengen, die ihr Denken auslagern, stimulieren sich natürlich auch nicht mehr, und das Gehirn wird nicht auf eine gute Weise erhalten. Die Fähigkeit, kritisch zu denken, sorgfältig zu denken, präzise zu denken – das muss beübt und trainiert werden. Das ist ähnlich wie ein Muskel im Fitnessstudio. Wenn wir ihn nicht mehr beüben, wird er auch ein bisschen kleiner.

Oliver Schmidt: Gilt der alte Satz „use it or lose it"? Gehen da Gehirnzellen tatsächlich verloren?

Volker Busch: Das direkt nachzuweisen ist nach den drei Jahren, die wir Chatbots ehrlicherweise erst benutzen, sehr schwierig. Aber was wir sehen, ist, dass Menschen, die ihr Denken auslagern, sich weniger geistig anstrengen und dass das Gehirn währenddessen auch weniger gut zusammenarbeitet. Wir befinden uns derzeit alle in einem unfreiwilligen sozialen Feldversuch. Die nächsten Jahre werden zeigen, was daraus wird.

Oliver Schmidt: Wie ist es mit Kreativität?

Volker Busch: Wenn ich Chatbots nutze, die mir komplett alle Kreativität abnehmen, dann schule ich mein kreatives Denken nicht. Es gab immer wieder Fans von Chatbots, die gesagt haben, man wächst mit dem Chatbot zusammen und trainiert kreatives Denken. Das ist wahrscheinlich Quatsch, denn die Studien zeigen uns eindeutig, dass dieser Trainingseffekt nicht stattfindet. Besser werden wir derzeit dadurch nicht.

Macht KI einsam? Chatbots als Beziehungsersatz

Oliver Schmidt: Wir kennen von Social Media die Beobachtung, dass sich eine gewisse Sucht entwickelt. Sehen Sie ähnliche suchtfördernde Mechanismen auch bei KI?

Volker Busch: Das wissen wir noch nicht genau. Es gibt Entwicklungen, dass Menschen, die sehr einsam sind, mit dem Chatbot wie mit einem Menschen kommunizieren. Und daran kann man sich gewöhnen. Das kann man lieben lernen. Es kann bei manchen Menschen zu einem Ersatz für einen Menschen werden, weil man an anderer Stelle echte Menschen vermisst.

Oliver Schmidt: Man könnte das emotionales Fastfood nennen. Kurzfristig befriedigend, aber langfristig nicht so qualitativ.

Volker Busch: Es gibt einen sehr schönen Film in dem Zusammenhang, der heißt „Her". Ein Mann verliebt sich in einen weiblichen Chatbot, der so perfekt auf seine Bedürfnisse eingeht, dass man es von einer echten Beziehung kaum unterscheiden kann. Das bringt Menschen letztlich noch weiter auseinander und treibt uns in die Abhängigkeit von Technologien. Das ist eigentlich etwas sehr Inhumanes.

KI in Therapie und Beratung: Wo bleibt die echte Reibung?

Oliver Schmidt: Wie sehen Sie die Veränderungen von Coaching, Beratung und Therapie durch den Einsatz von KI?

Volker Busch: Der Wert einer Beziehung im therapeutischen Kontext besteht in der Reibung. Dass jemand widerspricht, mir unangenehme Fragen stellt, bewusst eine andere Perspektive einnimmt. Das ist manchmal unbequem, es kann wehtun, aber in diesem Prozess der Reibung entsteht das Wachsen. Das sehen wir in der Kommunikation mit Chatbots eben weniger. Chatbots bestätigen in der Regel. Darin liegt eine Bequemlichkeit, aber kein wirkliches Wachstum.

Darüber hinaus fehlt dem Chatbot die Fähigkeit, mögliche Lügen zu erkennen. Der Chatbot sieht einen ja nicht, er spürt einen nicht, er riecht einen nicht. Er kann nur die Zeichen interpretieren, die man in den Prompt haut.

Oliver Schmidt: Gibt es psychische Erkrankungen, wo Sie sagen würden, da ist es sogar kontraindiziert, mit einer KI zu sprechen?

Volker Busch: Wo es kritisch wird, ist immer in Situationen, in denen man in psychische Grenzsituationen gerät, wo man sich als ohnmächtig und hilflos empfindet. Es gibt erste Berichte darüber, dass Chatbots einen Menschen auch mal in den Suizid getrieben haben, weil sie eben bestätigt haben, weil sie nicht widersprochen haben. Da sollte ich nicht den Dialog in allererster Linie mit der KI führen.

Oliver Schmidt: Welche Kompetenzen müssten Kinder und Jugendliche heute lernen, nicht nur KI gut zu nutzen, sondern auch psychisch gesund damit umzugehen?

Volker Busch: Diese Dinge zu sehen als das, was sie sind: Wahrscheinlichkeitsrechnungen, die letztendlich nur die Wahrscheinlichkeit für das nächste Wort errechnen. Die wahre Magie des Denkens, des Fühlens vollzieht sich in der Reflexion mit dir und in der Auseinandersetzung mit dem anderen Menschen. Das müssen wir hochhalten.

Was künstliche Intelligenz niemals ersetzen kann

Oliver Schmidt: Was gibt es aus Ihrer Sicht, was KI niemals ersetzen kann?

Volker Busch: Das, was wir Schwingungen nennen zwischen zwei Menschen. Wenn wir uns unterhalten, sehen wir uns in die Augen, wir interpretieren Mimik und Gestik, und währenddessen schwingen unsere Nervenzellen in einer recht ähnlichen Frequenz. Erste Arbeiten haben zeigen können, dass das nicht der Fall ist, wenn wir diese Kommunikation über Chatbots vornehmen. Der Mensch ist eigentlich dafür gemacht, mit seinesgleichen viel Zeit zu verbringen, weil wir miteinander auf eine Wellenlänge kommen, im besten Fall. Dadurch verstehen wir uns, dadurch entwickeln wir uns, dadurch finden wir gemeinsame Ideen, lachen vielleicht einfach nur, trösten uns und meistern zusammen das Leben.

Heiter bis stürmisch – der Alltags-Podcast mit Olli Schmidt

Willkommen bei "Heiter bis stürmisch" – dem Alltags-Podcast. Himmelhoch jauchzend oder zu Tode betrübt: Das Leben hat Höhen und Tiefen. Genau darum geht es bei uns: um die alltäglichen Krisen wie Streit mit dem Partner oder der Partnerin, Erziehungsfragen, Überlastung im Job, Unsicherheiten und Angst.
Wir sprechen mit Expert:innen und geben Ihnen praktische Tipps an die Hand, damit Sie besser mit Krisen und Herausforderungen umgehen können. 
Unseren Podcast gibt es auf allen bekannten Podcast-Plattformen zu hören (Spotify, Apple Music, Audible etc.)! Fragen, Anregungen, Kritik, Wünsche? Schreiben Sie uns gerne an: podcast@familienservice.de ​​​​​​​

null Urlaub für pflegende Angehörige: So gehts

Alte Frau im Rollstuhl
Alter & Pflege

Urlaub für pflegende Angehörige? So geht’s!

Viele pflegende Angehörige wünschen sich zwischendurch eine Pause – etwa für einen Urlaub, bei Krankheit oder einfach, um neue Kraft zu schöpfen. Doch was passiert in dieser Zeit mit der Pflege?

Die gute Nachricht: Die Pflegeversicherung unterstützt pflegende Angehörige, wenn sie vorübergehend verhindert sind. Dafür stehen Leistungen zur Verfügung, mit denen eine Ersatzpflege zuhause oder eine vorübergehende Betreuung in einer Pflegeeinrichtung organisiert werden kann.
Seit der Pflegereform 2025 können diese Leistungen besonders flexibel genutzt werden.

Verhinderungspflege zuhause organisieren 

Wenn pflegende Angehörige verhindert sind – zum Beispiel wegen Urlaub, Krankheit oder anderer Termine – kann die Pflege vorübergehend von einer anderen Person übernommen werden. Diese Leistung nennt sich Verhinderungspflege. Die Pflege kann dabei weiterhin im eigenen Zuhause stattfinden. Möglich sind verschiedene Formen der Unterstützung:

  • Betreuung durch Angehörige (Einschränkungen für nahe Angehörige).
  • Unterstützung durch Freunde, Nachbarn oder andere vertraute Personen.
  • Einsatz eines ambulanten Pflegedienstes.
  • Kombination aus mehreren Helfenden.

Verhinderungspflege kann stundenweise (unter 8 Stunden/Tag), tageweise oder über mehrere Wochen (alles über 8 Stunden/Tag) organisiert werden.

Gut zu wissen!

Bei nahen Angehörigen bis zum 2. Grad der Verwandtschaft erstattet die Pflegekasse das Zweifache des Pflegegeldes, nicht aber das jährliche Entlastungsbudget.

Vorübergehende Betreuung in einer Pflegeeinrichtung (Kurzzeitpflege)

Manchmal ist es sinnvoller, wenn die pflegebedürftige Person vorübergehend in einer Einrichtung betreut wird. Das ist zum Beispiel der Fall, wenn

  • pflegende Angehörige länger verreisen,
  • eine umfangreichere Pflege benötigt wird,
  • die häusliche Versorgung vorübergehend nicht möglich ist.

In diesen Fällen kann die pflegebedürftige Person für eine begrenzte Zeit in einem Pflegeheim mit Kurzzeitpflegeplätzen untergebracht werden.

Die Kurzzeitpflege bietet neben der pflegerischen Versorgung häufig auch soziale Aktivitäten und Struktur im Alltag. Viele Familien nutzen sie auch, um eine stationäre Einrichtung zunächst unverbindlich kennenzulernen.

Wer hat Anspruch auf Verhinderungs- und Kurzzeitpflege?

Anspruch auf Verhinderungs- und Kurzzeitpflege haben Pflegebedürftige mit mindestens Pflegegrad 2, die überwiegend zuhause gepflegt werden.

Die Leistungen werden für die pflegebedürftige Person bei der zuständigen Pflegekasse beantragt.

Wichtig zu wissen!

Eine bestimmte Mindestdauer der häuslichen Pflege ist heute nicht mehr erforderlich. Die Leistungen können also grundsätzlich genutzt werden, sobald mindestens Pflegegrad 2 vorliegt und die Pflege überwiegend privat organisiert wird.

Wie hoch ist das Entlastungsbudget?

Seit Juli 2025 gibt es für Verhinderungs- und Kurzzeitpflege ein gemeinsames jährliches Entlastungsbudget. Pflegebedürftigen stehen dafür bis zu 3.539 Euro pro Kalenderjahr zur Verfügung. Dieses Budget kann flexibel genutzt werden, zum Beispiel:

  • vollständig für Verhinderungspflege,
  • vollständig für Kurzzeitpflege,
  • kombiniert für beide Leistungen.

Sowohl Verhinderungspflege als auch Kurzzeitpflege können jeweils für bis zu acht Wochen pro Jahr in Anspruch genommen werden. Wie lange die Leistungen tatsächlich genutzt werden können, hängt jedoch davon ab, wie schnell das gemeinsame Budget ausgeschöpft ist.

Wichtig zu wissen!

Bei tageweiser Verhinderungspflege (ab 8 Stunden täglich, z.B. bei einer Urlaubsreise der Pflegeperson) wird das Pflegegeld auf 50 % gekürzt, jedoch nicht am ersten und letzten Tag der Verhinderung.

Bei stundenweiser Verhinderungspflege (unter 8 Stunden pro Tag, z.B. für einen Yogakurs am Nachmittag) wird das Pflegegeld ungekürzt weitergezahlt. In letzterem Fall kann das gemeinsame Entlastungsbudget von 3539 € über das ganze Jahr aufgeteilt werden.

Was ist bei der Urlaubsplanung zu beachten?

Bei der Urlaubsplanung empfiehlt es sich, antizyklisch zu denken: Die Mehrheit der Deutschen macht in den Sommer- und in den Weihnachtsferien Urlaub. Und so sind zu diesen Zeiten auch die Pflegedienste und Kurzzeitpflegeheime in ihren Kapazitäten eingeschränkt. Leichter wird die Suche nach alternativer Pflege außerhalb der Ferienzeiten.

"Ich kann allen Pflegepersonen nur empfehlen, dieses Budget der Pflegekasse zur Entlastung zu nutzen. Sie können Energie auftanken und Abstand zum Pflegealltag gewinnen. Auch für Pflegebedürftige ist die Verhinderungs- oder Kurzzeitpflege oft eine interessante und bereichernde Erfahrung. Gerade die Kurzzeitpflege bietet sich an, um unverbindlich und für kurze Zeit das Wohnen im Heim kennenzulernen." Jürgen Griesbeck, Produktverantwortlicher Homecare-Eldercare, pme Familienservice

pme Familienservice Gruppe – Ihr EAP-Anbieter seit 1991

Im Auftrag von mehr als 900 Arbeitgebern unterstützt die pme Familienservice Gruppe Beschäftigte, Beruf und Privatleben gelingend zu vereinbaren und mit freiem Kopf arbeiten zu können.
Die pme Familienservice Gruppe steht Berufstätigen bei Krisen zur Seite, z.B. bei Konflikten am Arbeitsplatz, Sucht- oder Partnerschaftsproblemen. Mit einem Homecare-Eldercare-Service entlastet sie Berufstätige bei der Organisation und Finanzierung von Pflegedienstleistungen und bietet psychosoziale Unterstützung. Im Rahmen der pme Akademie werden Seminare, Workshops und Coachings zum Themenkomplex Personalführung und Personalentwicklung angeboten.
Mehr über die pme Familienservice Gruppe erfahren Sie hier: www.familienservice.de/wer-wir-sind

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