Vater schaut seinen jugendlichen Sohn an
Eltern & Kind

Hilfe für Eltern psychisch belasteter Kinder

Eltern psychisch kranker Kinder stehen täglich vor großen Herausforderungen: Sorge, Unsicherheit und die Frage, wie sie ihr Kind sicher und liebevoll unterstützen können – ohne sich selbst zu verlieren.  

In diesem Beitrag geben unsere Expertinnen Damaris Roser (Psychologin, Lebenslagencoach, ehem. Schulpsychologin) und Kyra Moon (Dipl.-Sozialpädagogin, systemische Coachin) konkrete Tipps für den Alltag, Anlaufstellen und Unterstützungsmöglichkeiten an die Hand. Praktisch, empathisch und frei von Stigmatisierung. 

Wie viele Kinder in Deutschland sind psychisch krank? 

Psychische Störungen bei Kindern und Jugendlichen sind in Deutschland weit verbreitet: Nach Angaben des Statistischen Bundesamtes waren 2024 etwa 116.300 stationäre Fälle von 10- bis 19‑Jährigen wegen psychischer Erkrankungen registriert. Das entspricht knapp 19 % aller Krankenhausbehandlungen in dieser Altersgruppe (Statistisches Bundesamt, 2024).

Epidemiologische Schätzungen gehen davon aus, dass jährlich bis zu 20 % der Kinder und Jugendlichen von einer psychischen Störung betroffen sind (BPtK / DZPG).  

 Gruppencoaching: Gemeinsam stark – Austausch für Eltern psychisch belasteter Kinder 

Unser Gruppencoaching bietet einen geschützten, strukturierten Rahmen für den Austausch mit anderen Betroffenen, fachliche Impulse und gegenseitige Unterstützung. Im gemeinsamen Austausch entstehen Orientierung, Entlastung und neue Handlungsperspektiven. 

🗓️ 24.06.26 – 15.07.26 / 19:00 Uhr - 21:00 Uhr 

Gruppencoaching: Austausch für Eltern psychisch belasteter Kinder 

Wie sind die Wartezeiten für Psychotherapien? 

Wartezeiten für ambulante Psychotherapie liegen nach aktuellen Berichten durchschnittlich bei etwa 18 bis 26 Wochen (rund 4–6 Monate) bis zu einem Therapieplatz oder Erstgespräch – bei Kindern und Jugendlichen zeigen Umfragen ähnliche Zeitspannen und in Einzelfällen noch längere Wartezeiten.

Fachartikel und Versorgungsstudien benennen seit der Pandemie teils deutlich längere Wartezeiten und sprechen von fast einer Verdopplung gegenüber früheren Jahren. 

Wie wirken sich die langen Wartezeiten auf Familien aus?   

Lange Wartezeiten führen häufig dazu, dass Symptome sich verschlechtern, Schulprobleme zunehmen und Eltern zunehmend überfordert sind. 

"Manche Familien nutzen zwischenzeitlich Notfallangebote, andere versuchen, die Wartezeit mit schulpsychologischer Unterstützung oder niederschwelligen Beratungsstellen zu überbrücken – das hilft, ersetzt aber keine kontinuierliche Therapie." – Damaris Roser, Psychologin, ehem. Schulpsychologin, Lebenslagen-Coachin bei pme Familienservice

Was sind die häufigsten psychischen Störungen bei Kindern?        

Zu den häufigsten Diagnosen bei Kindern- und Jugendlichen zählen: 

  • Angststörungen, anhaltende Ängste oder Panik 
  • Depressive Störungen, gedrückte Stimmung, Interessenverlust 
  • Hyperkinetische Störungen (ADHS), wie Impulsivität, Unruhe und Unaufmerksamkeit  
  • Verhaltens- und emotionale Störungen 

Die Krankheitshäufigkeit variiert mit dem Alter:  

  • Im Grundschulalter sind hyperkinetische und Verhaltensstörungen häufiger. 
  • In der Adoleszenz nehmen depressive Erkrankungen und Angststörungen zu.  

Nationale Berichte heben hervor, dass insbesondere Jugendliche vermehrt unter psychischen Belastungen leiden. Dieser Trend wird seit der COVID‑19‑Pandemie beobachtet (UKE, BPtK, DZPG).  

Auch psychisch belastete Kinder können einen Pflegegrad erhalten, wenn sie in ihrer Alltagsbewältigung eingeschränkt sind. Mehr dazu im Artikel “Pflegebedürftige Kinder und Jugendliche”. 

Welche Auswirkungen hat ein psychisch krankes Kind auf die Familie?    

Mögliche Auswirkungen für die Familie:

  • Emotionale Last: Eltern berichten über Angst, Trauer und stark ausgeprägte Schuldgefühle („Hätte ich mehr tun müssen?“).  
  • Chronische Sorge: Ungewissheit über Verlauf und Rückfallrisiken kann dauerhaften Stress verursachen. 
  • Familienalltag und Geschwister: weniger Freizeit, weniger elterliche Aufmerksamkeit für Geschwister; mögliche Eifersucht und Konflikte können eine Folge sein.
  • Berufliche Belastung für Eltern: Fehlzeiten, Leistungsabfall und Schwierigkeiten, Termine wahrzunehmen.
  • Soziale Isolation und Stigma: Viele Eltern erleben Unverständnis im sozialen Umfeld. 
  • Systemische Defizite: Lange Wartezeiten, mangelnde Koordination zwischen Schule, Therapeut:innen und Jugendhilfe sowie regionale Versorgungsengpässe verschärfen die Belastung. 

"Eltern übernehmen häufig zusätzliche organisatorische Aufgaben — Terminkoordination, Begleitung zu Fachterminen, Kontakt mit Schule und Ämtern. Das verschiebt Zeit und Energie weg von Partnerschaft und Selbstfürsorge." - Kyra Moon, Dipl.-Sozialpädagogin, systemische Coachin bei pme Familienservice

 

Wie können Eltern ihr psychisch belastetes Kind konkret unterstützen? 

„Wichtig ist Empathie, Struktur im Alltag und das Feiern kleiner Erfolge. Fragen Sie Hilfe wie (schulische) Unterstützungsangebote aktiv an und suchen Sie frühzeitig fachliche Abklärung”, teilt Kyra Moon, Dipl.-Sozialpädagogin und systemische Coachin.

“Ganz wichtig ist: Eltern sind keine Therapeut:innen. Wenn die Belastung groß ist, braucht es professionelle Unterstützung und Behandlung. Achten Sie als Elternteil auch auf Ihre eigenen Grenzen.”  

Eine fachliche Abklärung hilft beim Stellen einer Diagnose, der Einschätzung des Schweregrads sowie einer Therapieempfehlung und Gefährdungsbeurteilung. 

Wer führt die fachliche Abklärung durch? 

  • Kinder-/Hausärzt:in: Erstabklärung, Überweisung, Ausschließen von somatischen Ursachen 
  • Kinder‑ und Jugendpsychiater:innen: medizinische Diagnostik, Medikamentenbeurteilung, ggf. stationäre Behandlungsentscheidung 
  • Kinder‑ und Jugend‑Psychotherapeut:innen: psychologische Testverfahren, Entwicklungs‑ und Verhaltensdiagnostik 
  • Sozialpsychiatrischer Dienst / multiprofessionelle Teams (z. B. Jugendamt, Familienhilfe): sozialrechtliche und psychosoziale Lageklärung

6 Tipps, wie Eltern den Alltag meistern können

1. Prioritäten setzen: Kleine, realistische Schritte vermeiden Überforderung.  

2. Struktur und Rituale im Tagesablauf geben Kindern Sicherheit.  

3. Delegieren und Hilfe annehmen: Unterstützung von Familie, Freundinnen oder professionellen Diensten anzunehmen, ist keine Schwäche, sondern wichtige Ressource. 

4. Grenzen setzen schützt vor Erschöpfung.  

5. Dokumentation: Termine, Absprachen und Berichte schriftlich festzuhalten, erleichtert die Kommunikation mit Schule und Therapeut:innen. 

6. Selbstfürsorge ist zentral: die eigene Gesundheit schützen und den Austausch mit anderen suchen. 

Gut beraten mit der pme-Elternberatung 

Unsere Elternberater:innen begleiten Eltern in allen Fragen von der Schwangerschaft bis zum Erwachsenwerden des Kindes.   

Persönlich und vertraulich: Wir sind online, telefonisch und vor Ort für Sie da. Mehr Informationen finden Sie auf der Seite der pme Elternberatung

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Häufige Fragen von Eltern psychisch kranker Kinder 

Wie erkenne ich, ob mein Kind psychische Hilfe braucht? 

Wenn Veränderungen in Stimmung, Schlaf, Schule oder Verhalten über mehrere Wochen andauern, sich verschlimmern oder Gefahrensituationen entstehen (z. B. Selbstverletzung), suchen Sie ärztliche/psychologische Abklärung. 

Was mache ich bei akuter Suizidgefahr oder Selbstverletzung? 

Bei unmittelbarer Gefahr: Notruf 112 oder nächstgelegene Notaufnahme kontaktieren. Nutzen Sie außerdem Krisentelefone (z. B. TelefonSeelsorge) und bleiben Sie beim Kind, bis Hilfe eintrifft. 

Wer kann eine fachliche Abklärung durchführen? 

Erste Anlaufstellen sind Haus‑/Kinderärzt:innen; weiterführend Kinder‑ und Jugendpsychiater:innen sowie psychologische Psychotherapeut:innen oder multiprofessionelle Teams (Jugendamt, Sozialpsychiatrischer Dienst). 

Wie lange sind die Wartezeiten auf eine Therapie? 

Aktuelle Berichte nennen häufig Wartezeiten von etwa 4–6 Monaten (18–26 Wochen), regional und je Fachrichtung variierend; in Einzelfällen können sie länger sein. 

Was kann ich tun, während wir auf einen Therapieplatz warten? 

Suchen Sie niederschwellige Beratungsstellen, Schulpsychologie oder psychosoziale Angebote; nutzen Sie Selbsthilfegruppen, schulische Unterstützungsangebote und Krisen‑/Notfallangebote zur Überbrückung. 

Übernimmt die Krankenkasse die Kosten für Therapie? 

Psychotherapeutische Leistungen und kinder‑/jugendpsychiatrische Behandlungen werden in der Regel von gesetzlichen und privaten Krankenkassen übernommen; genaue Auskünfte erteilt Ihre Kasse. 

Wann ist eine stationäre Behandlung notwendig? 

Bei akuter Gefährdung des Kindes, schweren Symptomen, deutlicher Funktionsbeeinträchtigung oder wenn ambulante Angebote nicht ausreichen, kann eine stationäre Behandlung empfohlen werden. 

Wie spreche ich mit meinem Kind über seine psychische Erkrankung? 

Offen, altersgerecht, ohne Schuldzuweisungen und mit klarer Botschaft: „Du bist nicht alleine, und wir suchen Hilfe“. Nehmen Sie Fragen ernst, vermitteln Sie Sicherheit und loben Sie kleine Schritte.