Trauerprozess: Die vier Phasen der Trauer

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Vier Phasen der Trauer

30.07.2021
Isabel Hempel
20669

Der Verlust eines geliebten Menschen löst Traurigkeit, Konflikte und Krisen aus. Um sich selbst in der eigenen Trauer oder andere trauernde Menschen besser verstehen zu können, hilft es, Grundsätzliches über die Trauer und ihre Phasen zu wissen. LLC-Coach Cornelia Möllers stellt das Modell der Trauerphasen der Schweizer Psychologin Verena Kast vor und erklärt, was in den einzelnen Trauerphasen bedeutsam und hilfreich ist.

Wie lange die Trauer dauert, ist ganz unterschiedlich, auch die Dauer der einzelnen Phasen kann völlig variieren. Die Art und Dauer des Trauerprozesses werden von der Persönlichkeit des Trauernden, von den Umständen des Todes und der Beziehung zum Verstorbenen bestimmt. Der Tod eines Menschen schockiert immer, auch wenn er nicht unerwartet kommt. 

 

Trauerphase 1: Verzweiflung, Hilfslosigkeit, Ratlosigkeit 

Oft ist die erste Reaktion ist, das Geschehene noch nicht glauben zu können. In dieser ersten Trauerphase herrschen vor. Viele Menschen sind dann wie erstarrt, verstört und apathisch. Andere geraten außer Kontrolle, brechen zusammen. Diese Phase kann wenige Stunden bis mehrere Wochen dauern.

In dieser Phase ist es wichtig und hilfreich Trauernde dort zu unterstützen, wo sie überfordert sind z.B. indem alltäglichen Besorgungen übernommen werden. Unterstützend kann es auch sein, wenn Hilfestellungen bei den Regelungen, die im Zusammenhang mit dem Todesfall stehen, gegeben werden.

Wichtig in dieser Phase ist, das sich der oder die Trauernde nicht allein gelassen fühlt und alle Gefühle ausdrücken darf:

  •     Lassen Sie Trauernde nicht allein  
  •     Seien Sie da, ohne viel zu fragen  
  •     Spenden Sie Wärme und Mitgefühl 
  •     Wichtig ist, dass alle Gefühle der Trauernden zugelassen werden: alles darf sein! 

 

Trauerphase 2: Aufbrechende Emotionen

Die zweite Trauerphase ist von aufbrechenden Emotionen gekennzeichnet. Wut und Zorn können gegen Gott und die Welt oder gegenüber dem Verstorbenen oder auch gegen sich selbst gerichtet werden.

Quälende Schuldgefühle können entstehen, die oder den Trauernden quälen. Leid, Schmerz und Angst können an die Oberfläche kommen.

All diese Gefühle, die zu diesem Zeitpunkt hervorbrechen, sollten keineswegs unterdrückt werden. Sie helfen dem Trauernden, den Schmerz besser zu verarbeiten. Die Dauer dieser Phase lässt sich nur schwer abschätzen, von ein paar Wochen bis zu mehreren Monaten.

In dieser Phase ist es wichtig und hilfreich:

  • Lassen Sie Gefühlsausbrüche zu, da sie heilsam sein können.
  • Lenken Sie nicht von ungelösten Problemen, Schuldfragen und Konflikten ab. Das fördert nur das Verdrängen, was zu einer Verzögerung des Trauerprozesses führen kann.
  • Reden Sie Schuldgefühle nicht aus. Bekräftigen Sie diese aber auch nicht, sondern nehmen Sie diese schlicht zur Kenntnis.
  • Seien Sie da, hören Sie zu und nehmen Sie Anteil.

 

Trauerphase 3: Suchen und sich trennen

In der dritten Trauerphase: steht das Suchen und Sich-Trennen im Fokus. Wir reagieren auf jeden Verlust mit Suchen – darauf hin was war und was wichtig war. Wir werfen einen Blick zurück, um zur Ruhe zu kommen. Das ist ein wichtiger Schritt.

Einige Trauernde übernehmen zum Beispiel Gewohnheiten des Verstorbenen, zum Beispiel Ritual Vogeltränke füllen. Manchmal werden gemeinsame Erlebnisse mit dem Verstorbenen wie „Edelsteine“ gesammelt, in der Erinnerung wird alles noch einmal durchgegangen: "Ich kann mich noch dran erinnern, als er oder sie….". In inneren Zwiegesprächen versuchen wir offene Punkte zu klären.

Durch diese intensive Auseinandersetzung entsteht beim Trauernden oft ein starkes Begegnungsgefühl. Das ist unheimlich schmerzhaft und unendlich schön zugleich! Dieses Suchen lässt oft eine tiefe Verzweiflung entstehen, weil die Dunkelheit noch so mächtig ist. Suizidale Gedanken sind in dieser Phase relativ häufig. Diese Phase kann Wochen, Monate oder Jahre dauern. 
 
In dieser Phase ist es wichtig und hilfreich, ...

  • dass alle Erlebnisse der Vergangenheit ausgesprochen werden dürfen –   es darf keine Zensur stattfinden! 
  • Geduld und Zuhören sind wichtig – auch wenn Sie die Geschichten alle schon kennen
  • Nehmen Sie die Gefühle ernst
  • Lassen Sie dem Trauernden oder der Trauernden Zeit und drängen Sie keinesfalls auf das Akzeptieren des Verlustes
  • Bieten Sie Unterstützung bei Ansätzen der Neuorientierung

 
Nachdem der Schmerz herausgeschrien, Anklagen und Vorwürfe gemacht werden durften, kehrt allmählich die innere Ruhe und Frieden zurück. Dann folgt die vierte Phase. 
 

Trauerphase 4: Akzeptanz und Trennung

In dieser 4. Trauerphase erkennt der Trauernde langsam an, dass das Leben weitergeht. Es kommt die Zeit, wieder neue Pläne geschmiedet werden.

Meistens hat sich die Einstellung des Trauernden zum Leben verändert. Denn Trauerprozess hat Spuren hinterlassen. Der Verstorbene bleibt ein Teil dieses Lebens und lebt weiter in den Erinnerungen und im Gedenken. 
 
In dieser Phase ist es wichtig dass, ...

  • der oder die Trauernde auch Sie als Begleiter:in loslassen kann
  • Sie selbst akzeptieren, so nicht mehr gebraucht zu werden 
  • Sie anerkennen: Trauer verändert Menschen. Manche gewinnen zum Beispiel eine größere Eigenständigkeit (können z.B. besser Nein sagen und sich abgrenzen). Es ist an Ihnen, das auch zu akzeptieren.

 
Abschließend bleibt zu sagen: Es gibt nicht das „eine“ typische Gefühl, die „eine“ typische Reaktion beim Verlust eines geliebten Menschen. Die Begleitung eines Trauernden verlangt von Ihnen ein hohes Maß an Einfühlungsvermögen, Offenheit und Flexibilität. 


 
Cornelia Möllers ist Lebenslagencoach beim pme Familienservice. Sie ist ausgebildete Heilpädagogin und systemische Therapeutin.
 

 

 

 

 

 

 

 

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