Rechtsmediziner Philipp Möller
Body & Soul

Rechtsmediziner Philipp Möller: Was Tote über das Leben verraten

Rechtsmediziner Philipp Möller aus Berlin hat wohl einen der faszinierendsten medizinischen Berufe. Im Interview erklärt er, was Befunde über Leben, Krankheiten und Unfälle verraten und warum diese Erkenntnisse für Prävention und gesellschaftliches Verständnis wichtig sind. Philipp Möller ist Speaker beim Health Day 2026. In seinem Impuls zeigt er, welche Spuren unser Lebensstil im Körper hinterlässt – und wie man mit den psychischen Belastungen des Berufs umgeht. ​​​​​​​Interview: Simone Bohny / Christin Müller, Foto: Christoph Harms

„Meine Arbeit führt mir regelmäßig vor Augen, wie schnell sich ein Leben verändern oder enden kann.“ (Philipp Möller)

Wenn du auf einer Feier sagst, dass du Rechtsmediziner bist, welche Frage wird dir am häufigsten gestellt? 

Die häufigste Frage ist wahrscheinlich: „Was war dein schlimmster Fall?“ Dicht gefolgt von: „Ist das wirklich so wie im Tatort?“ Und irgendwann kommt fast immer die Frage, ob man sich an den Geruch gewöhnt. Die ehrliche Antwort lautet: An vieles gewöhnt man sich, aber nicht an alles. Und das ist vielleicht auch ganz gut so. Ich möchte meine Arbeit professionell machen, aber nicht vollkommen abstumpfen. 

Viele kennen Rechtsmedizin vor allem aus Krimiserien oder True‑Crime‑Podcasts. Wie nah kommen Formate wie „Tatort“ und „CSI“ tatsächlich an deinen Berufsalltag heran? 

Manches ist erstaunlich gut recherchiert, anderes hat mit unserem Alltag gar nichts zu tun. Das größte Missverständnis ist wahrscheinlich, dass wir jeden Fall innerhalb weniger Stunden vollständig lösen – und das noch allein.

In Fernsehserien gibt es häufig eine Obduktion, einen spektakulären Einzelbefund und kurz darauf steht fest, wer es war. In Wirklichkeit ist Rechtsmedizin oft deutlich kleinteiliger. Wir erheben Befunde, sichern Spuren, warten auf toxikologische oder histologische Untersuchungsergebnisse und setzen viele einzelne Informationen zusammen.

Außerdem lösen wir keine Mordfälle. Wir liefern medizinische Befunde und deren fachliche Einordnung. Die Ermittlungen führen Polizei und Staatsanwaltschaft.

Manchmal ist auch ein unscheinbarer Befund sehr wichtig. Das ist wissenschaftlich spannend, sieht im Fernsehen aber vielleicht weniger dramatisch aus als ein Rechtsmediziner, der mit entschlossenem Blick in ein Mikroskop schaut.

True Crime boomt. Was fasziniert Menschen deiner Erfahrung nach so sehr an echten Kriminalfällen? Wo würdest du dir wünschen, dass Fiktion und Realität deutlicher getrennt werden?

Ich glaube, dass Menschen verstehen möchten, wie etwas so Außergewöhnliches und Bedrohliches geschehen kann. Kriminalfälle berühren grundlegende Fragen: Wie sicher ist unsere Welt? Wie gut kennen wir andere Menschen? Hätte man etwas erkennen oder verhindern können?

True Crime bietet außerdem häufig eine scheinbar klare Erzählung mit einem Anfang, einer Tat und einer Auflösung. Das wirkliche Leben ist allerdings oft komplizierter. Nicht jeder Fall lässt sich vollständig erklären und nicht jede Frage wird beantwortet.

Problematisch kann es werden, wenn ein reales Schicksal nur noch als spannende Unterhaltung behandelt wird oder lediglich kleinste Aspekte herausgesucht und dramatisiert werden. Hinter jedem Fall stehen Verstorbene, Verletzte, Angehörige und Menschen, deren Leben sich möglicherweise dauerhaft verändert hat.

Ich wünsche mir deshalb manchmal eine stärkere Trennung zwischen sachlicher Aufarbeitung und sensationsorientierter Inszenierung. Man kann über einen Fall spannend erzählen, ohne die betroffenen Menschen gänzlich aus dem Blick zu verlieren.

Was fasziniert dich persönlich an der Rechtsmedizin?

Mich fasziniert die Verbindung aus Medizin, Naturwissenschaft, Recht und gesellschaftlicher Verantwortung. Wir arbeiten nicht nur am Obduktionstisch. Wir untersuchen auch lebende Gewaltopfer und Beschuldigte, beurteilen Verletzungen, rekonstruieren Geschehensabläufe und erklären medizinische Zusammenhänge vor Gericht.

Besonders spannend finde ich, dass wir aus objektiven Befunden Antworten auf sehr konkrete Fragen entwickeln müssen. Was ist passiert? Wann ist es passiert? Passt eine Verletzung zu der geschilderten Entstehung? Kann eine Erkrankung den Tod erklären? Dabei gleicht kaum ein Fall dem anderen.

Auch nach vielen Jahren gibt es Situationen, in denen man etwas zum ersten Mal sieht oder einen zunächst unscheinbaren Befund neu einordnen muss. Dieses genaue Hinsehen und das Zusammensetzen vieler kleiner Informationen faszinieren mich bis heute.

Du sagst, der menschliche Körper erzählt viele Geschichten. Welche Spuren oder Befunde verraten deiner Erfahrung nach besonders viel über das Leben eines Menschen? 

Der Körper bewahrt Spuren von Erkrankungen, Verletzungen, medizinischen Behandlungen und manchmal auch von Lebensgewohnheiten. Narben können beispielsweise von früheren Operationen oder Unfällen erzählen. Veränderungen an Organen und Gefäßen können auf langjährige Erkrankungen hinweisen. Auch verheilte Knochenbrüche oder ältere Verletzungen können etwas über die Vorgeschichte eines Menschen verraten.

Dabei muss man allerdings vorsichtig sein. Ein einzelner Befund erzählt selten die ganze Geschichte. Entscheidend ist die Zusammenschau: der Körper, die medizinischen Unterlagen, die Umstände des Todes und die Ergebnisse weiterer Untersuchungen.

Der Titel deines Vortrags lautet „Was wir von den Toten lernen können“. Was können Verstorbene den Lebenden tatsächlich mit auf den Weg geben? 

Verstorbene können uns zunächst sehr konkret helfen, Todesfälle aufzuklären. Wir können Krankheiten erkennen, Gefahren sichtbar machen und manchmal auch feststellen, ob medizinische Behandlungen oder äußere Einwirkungen eine Rolle gespielt haben.

Darüber hinaus können Erkenntnisse aus der Rechtsmedizin zur Prävention beitragen. Wir lernen beispielsweise etwas über Unfallmechanismen, Gewalt, Suchterkrankungen, Suizide oder die Folgen nicht erkannter Krankheiten. Dieses Wissen kann helfen, Risiken für andere Menschen zu verringern.

Für mich steckt darin auch eine gesellschaftliche Dimension. Der Tod zeigt häufig, wo Menschen übersehen wurden, wo Schutzmechanismen nicht funktioniert haben oder wo gesundheitliche und soziale Probleme lange unbeachtet geblieben sind.

Die Toten können nicht mehr selbst sprechen. Unsere Aufgabe ist es deshalb, die Befunde einzuordnen und zu interpretieren, wenn möglich daraus zu lernen.

Dein Beruf bringt dich täglich mit schweren Schicksalen in Berührung. Wie gelingt es dir, eine gesunde Balance zu finden? 

Professionelle Distanz ist notwendig, damit ich zuverlässig arbeiten und Befunde objektiv beurteilen kann. Sie bedeutet für mich aber nicht Gleichgültigkeit und roboterartiges Arbeiten.

Gerade in der Rechtsmedizin muss man beides miteinander verbinden: wissenschaftliche Genauigkeit und das Bewusstsein, dass man es mit einem Menschen und seinem Schicksal zu tun hat. Das gilt bei Verstorbenen ebenso wie bei Untersuchungen lebender Gewaltbetroffener.

Empathie zeigt sich dabei nicht immer in großen Gesten. Sie zeigt sich auch darin, sorgfältig zu untersuchen, respektvoll zu kommunizieren und keine vorschnellen Schlussfolgerungen zu ziehen. Die fachliche Genauigkeit ist am Ende auch eine Form von Respekt.

Hat deine Arbeit deinen Blick auf das Leben verändert? 

Meine Arbeit führt mir regelmäßig vor Augen, wie schnell sich ein Leben verändern oder enden kann. Das bedeutet nicht, dass ich ständig in düsterer Stimmung durchs Leben gehe, eher im Gegenteil. Ich versuche, schöne und alltägliche Dinge bewusster wahrzunehmen. Zeit mit meinem Mann, unserem Hund, meiner Familie und meinen Freunden ist für mich sehr wichtig.

Ich versuche außerdem, Dinge nicht endlos aufzuschieben. Das gelingt natürlich nicht immer. Auch Rechtsmediziner beantworten E-Mails manchmal erst drei Tage später. Ich glaube, dass meine Arbeit den Blick dafür schärft, was wirklich bedeutsam ist.

Viele Konflikte und vermeintlich große Probleme werden kleiner, wenn man täglich erlebt, wie verletzlich das Leben ist. Gleichzeitig lernt man, dass Lebensfreude und die Beschäftigung mit dem Tod keine Gegensätze sein müssen.

Wer sich mit der Endlichkeit beschäftigt, versteht manchmal besser, warum man das Leben nutzen und genießen sollte.

null 7 Tipps für einen erfolgreichen "Dry January"

Freunde trinken Kakao
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Dry January: Alkoholfrei ins neue Jahr

Viele Menschen nehmen sich zu Beginn des neuen Jahres vor, auf Alkohol zu verzichten und schließen sich der „Dry January“-Bewegung an. Gehören Sie auch dazu? Wir zeigen Ihnen, mit welchen Strategien Sie Ihren Vorsatz im Januar und darüber hinaus erfolgreich umsetzen können.

„Ab morgen trinke ich nicht mehr!“

Die Initiative „Dry January“ erfreut sich seit Jahren immer größer Beliebtheit. Es gibt eine regelrechte Bewegung von Menschen, die dem Alkohol - nach den traditionell Alkohol lastigeren Weihnachtsfeierlichkeiten und Silvesterpartys - ab dem Neujahrstag bis zum 31. Januar komplett entsagen.
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Vorsätze langfristig umsetzen mit "Mini Habits"

Damit es nicht beim guten Vorsatz bleibt, sondern auch dauerhaft erfolgreich ist, können „Mini Habits“ helfen. Das sind kleine niedrigschwellige Gewohnheiten, die Sie in Ihren Lebensalltag etablieren, bis sie nachhaltig eine positive Veränderung auslösen.

Wie genau Sie das machen, lesen Sie im Artikel: "Ändern Sie das Leben nachhaltig mit Mini Habits".

AU-Tage aufgrund von Alkohol auf Höchststand

Ein Trend, der bei Betrachtung aktueller Zahlen der AOK Rheinland/Hamburg sehr nachahmenswert ist. Die Zahl der Arbeitsunfähigkeitstage aufgrund von Alkoholerkrankungen hat einen Höchststand erreicht. Im Jahr 2022 fielen Beschäftigte durchschnittlich 15,3 Tage pro 100 Versicherte wegen Alkoholproblemen aus. Besonders betroffen sind Männer und ältere Beschäftigte im Alter von 50 bis 59 Jahren.

Was bringt der Dry January?

Aber was bringt so ein „trockener Monat“ für meine Gesundheit, wenn ich den Rest des Jahres doch wieder vermehrt zum Glas greife? In erster Linie kann man sagen, dass jeder Tropfen Alkohol, den ich nicht trinke, meinem Körper und meiner Psyche guttut“, erklärt Ernährungstherapeutin Giannina Schmelling. „Der "Dry January" kann also eine wertvolle Gelegenheit bieten, die eigene Beziehung zum Alkohol zu reflektieren und nachhaltig positive Veränderungen im Lebensstil vorzunehmen.“
 
Damit auch Sie einen erfolgreichen alkoholfreien Start in das neue Jahr finden, haben wir ein paar Tipps für Sie.

7 Tipps für einen erfolgreichen "Dry January":

1. Klare Ziele setzen

Definieren Sie Ihre Motivation für den alkoholfreien Monat. Möchten Sie Ihre Gesundheit verbessern, Gewicht verlieren oder einfach Ihre Trinkgewohnheiten überprüfen?

2. Unterstützung suchen

Teilen Sie Ihr Vorhaben mit Freunden oder Familie. Gemeinsame Ziele erhöhen die Erfolgschancen und bieten gegenseitige Motivation.

3. Alternativen finden

Entdecken Sie alkoholfreie Getränke, die Ihnen schmecken. Mittlerweile gibt es eine Vielzahl von alkoholfreien Bieren, Weinen und Cocktails, die den Verzicht erleichtern können.

4. Auslöser identifizieren

Analysieren Sie Situationen, in denen Sie normalerweise Alkohol trinken, und planen Sie alternative Aktivitäten, um Versuchungen zu vermeiden.

5. Reflektieren und Fortschritte dokumentieren

Notieren Sie sich, wie Sie sich körperlich, emotional und mental fühlen und erinnern Sie sich auf die positiven Auswirkungen, um sich weiterhin zu motivieren maßvoll zu trinken.

6. Belohnungen einplanen

Gönnen Sie sich für erreichte Zwischenziele kleine Belohnungen, um Ihre Motivation aufrechtzuerhalten.

7. Professionelle Hilfe (Wenn es Ihnen schwerfällt, den Monat durchzuhalten)

Sie zählen die Tage bis zum Ende des Januars bis Sie endlich wieder trinken können? Das könnte ein ernstzunehmendes Anzeichen für einen ungünstigen Umgang mit Alkohol sein. In diesem Fall hilft es, eine Beratungsstelle wie das Lebenslagen-Coaching vom pme Familienservice zu kontaktieren.

Langfristig trocken: Tipps für die Zeit nach dem „Dry January“

Das langfristige Dranbleiben ist das Schwierige. Oft lassen wir Regulationsstrategien weg, ohne Ersatz zu bieten. Damit der einfache Vorsatz: „Ab morgen trinke ich nicht mehr!“ langfristig erfolgreich ist, braucht es eine nachhaltige Strategie. „Sobald äußere Reize wie Stress, Überforderung oder Einsamkeit hinzukommen, ist ein schneller Rückfall vorprogrammiert“, betont Ernährungsexpertin Giannina Schmelling. Diese Tipps helfen Ihnen, langfristig abstinent zu bleiben.

1. Setzen Sie auch klare und realistische Ziele für die Zeit danach

Nach einer „Entzugsphase“ besteht die Gefahr eines „Overcompensatings“ in den darauffolgenden Monaten, in denen man mehr Alkohol zu sich nimmt, um den Ausfall zu kompensieren. Setzen Sie daher klare und realistische Ziele für die Zeit danach und überlegen Sie bereits im Januar, wie Sie Ihren Alkoholkonsum langfristig gestalten möchten.

2. Führen Sie bewusste Trinkregeln ein

„Kein Alkohol an Wochentagen“ oder „Nie mehr als zwei Drinks pro Anlass“ sind Beispiele für Trinkregeln. Diese Selbstbeschränkungen helfen, Rückfälle in alte Gewohnheiten zu vermeiden.

3. Suchen Sie sich Gleichgesinnte

Es kann mitunter sehr schwer sein, den Alkoholkonsum einzuschränken, wenn die besten Freunde oder Familienmitglieder Alkohol trinken. Suchen Sie sich Gleichgesinnte, die Ihren Weg ebenso bestreiten, - beispielsweise eine Online-Gruppe oder eine neue Sportgruppe, um sich langfristig zu motivieren.

4. Learnings aus dem Dry January beherzigen

Die langfristige Motivation ist das Schwierigste. Beherzigen Sie die oben genannten Tipps, reflektieren Sie, welche Veränderungen sie wahrnehmen. Geht es Ihnen bereits körperlich besser, konnten Sie bereits Geld sparen, das Sie nicht für Alkohol ausgegeben haben oder haben Sie bereits neue Freunde kennengelernt, die mit Ihnen den neuen Weg bestreiten?

5. Beraten Sie sich bei Bedarf mit einem Experten

Wenn Sie unsicher sind, wie Sie einen gesunden Umgang mit Alkohol entwickeln können, ziehen Sie eine medizinische oder therapeutische Beratung in Betracht. Insbesondere nach regelmäßigem Konsum kann professionelle Unterstützung helfen, langfristig eine Balance zu finden.

Gesundheitsimpulse mit den pme "Healthy Bites"

Eine kleine Portion Wohlbefinden gewünscht? Unsere "Healthy Bites" geben Ihnen Impulse für mehr Entspannung, Ausgleich, Aktivität und Wohlfühlmomente in Ihrem Job- und Privatalltag.

Sie ersetzen nicht die professionelle Hilfe durch Berater:innen und Psycholog:innen. Bitte lassen Sie sich bei Suchtproblemen, dauerhafter Niedergeschlagenheit, anhaltendem überproportionalem Stress und tiefergehenden mentalen Problemen professionell beraten, beispielsweise vom pme Familienservice Lebenslagen-Coaching.