Mann und Frau schauen voneinander weg, weil sie streiten
Psyche

Wann lohnt sich eine Paartherapie wirklich?

Wenn eine große Liebe bröckelt oder eine Ehe zu scheitern droht, ist das schmerzhaft für ein Liebespaar. pme-Paartherapeutin Gisela Backes erklärt am Beispiel von Jessica und Daniel, wann Konflikte zur echten Beziehungskrise werden und wie Sie es schaffen, einen neuen Anfang zu finden. Nur soviel vorab: Es liegt höchstwahrscheinlich viel Arbeit vor Ihnen.

Expertin: Gisela Backes, Paartherapeutin, Redaktion: Christin Müller, Redaktion
 

Woran zerbricht die Liebe? 

Laut Paartherapeutin Gisela Backes sind häufig ein mangelnder Austausch und Missverständnisse die Hauptursachen für Krisen in Beziehungen sind.

Sie empfiehlt, als Paar aktiv an der Beziehung zu arbeiten, offen zu kommunizieren und sich bewusst Zeit füreinander zu nehmen, um wieder zueinander zu finden.

Professionelle Unterstützung kann helfen, neue Wege zu entdecken, Lösungen zu entwickeln und die Partnerschaft zu stärken – sofern beide bereit sind, sich auf diesen Prozess einzulassen.

 

Der Fall Jessica und Daniel: Wenn Vorwürfe sich ständig wiederholen!

Jessica und Daniel sind seit zwölf Jahren ein Paar. Kennengelernt haben die beiden sich in der Uni. Gemeinsam zogen sie von Münster nach Berlin – lukrative Jobs warteten auf sie in der Hauptstadt. Für Jessica als Projektleiterin in einer PR-Agentur, für Daniel als Ingenieur an einem technischen Institut. Mit der Hochzeit vor vier Jahren und der kleinen Tochter Mia schien das private Glück perfekt.

Doch schon bald stellten sich erste Probleme ein. Jessica, die sich nun hauptsächlich um die Tochter kümmerte, kam nur schwer damit zurecht, ihren alten Job, in dem sie zuvor oft Überstunden gemacht hatte, nicht mehr ausüben zu können.Sie hatte in den sauren Apfel gebissen und einen schlechter bezahlten Job als Teamassistentin angetreten – eine Teilzeitstelle war in ihrem alten Job nicht möglich.

Daniel sah seine Hauptaufgabe nun darin, das Geld zu verdienen. Er arbeitete, wann immer es ging. Der Verdienst war auch zu gut und die Aufstiegschancen greifbar nahe. Obwohl die beiden keine finanziellen Sorgen hatten, schlich sich schon bald dieses eine komische Gefühl ein – einfach nicht mehr als Paar zu funktionieren.

Beziehungskrise, wenn die Kinder kommen

Gisela Backes ist Paar- und Familientherapeutin beim pme Familienservice. Sie hat in den vergangenen Jahren viele Paare durch eine Krise begleitet, so auch Jessica und Daniel. „Ein Kind ist für ein Paar etwas Wunderschönes. Macht es doch aus einer Zweierbeziehung eine kleine Familie. Das nimmt unweigerlich Einfluss auf die Beziehung der Eltern.“ Häufig übernimmt die Mutter die Pflege und Erziehung des Kindes.

1. Wie Veränderungen nach der Geburt die Partnerschaft auf die Probe stellen

So wie Jessica. Nach Ablauf ihrer einjährigen Elternzeit kümmerte sie sich hauptsächlich um Mia. Sie hatte alle Impftermine auf dem Schirm, blieb mit ihr zu Hause, wenn Mia Fieber hatte und erledigte nach der Arbeit alle Einkäufe. Sie übernachtete im Zimmer der Tochter, so dass Daniel in Ruhe schlafen konnte.

Eine einschneidende Veränderung: „Wenn die Mutter ihr altes Leben aufgeben muss, kann sich schnell Unzufriedenheit einstellen.“, sagt Gisela Backes. Womöglich fehlen zusätzlich die Wertschätzung und Bestätigung aus dem alten Job. Das kann frustrieren. Aber auch an Daniel ging die Veränderung nicht spurlos vorbei. Er sehnte sich nach mehr Zweisamkeit mit seiner Frau.
 

"Mangelhafte Kommunikation und Interpretation von Situationen und Äußerungen sind die häufigsten Ursachen für Krisen in der Partnerschaft."
Gisela Backes, Paartherapeutin, pme Familienservice
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2. Wenn Elternschaft die Zweisamkeit verdrängt

Jessica ließ es nicht zu. Zu kaputt war sie vom Tag mit der Kleinen und insgeheim gab sie ihrem Mann die Schuld an der Unzufriedenheit. Die körperliche Nähe zum Kind hat im ersten Lebensjahr und kurz danach häufig oberste Priorität. Wenn Jessica viele Stunden engen Körperkontakt zu Mia hatte, ist der Bedarf nach körperlicher Nähe gedeckt. Das erfordert von Daniel Verständnis und Geduld aber auch beharrliches Werben um die Frau als Partnerin.

Hören Sie auch unseren Podcast zum Thema: Was passiert in einer Paartherapie?

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Fehlende Kommunikation und Fehlinterpretationen belasten Beziehung

Das gleiche gilt für die Anerkennung im Job. Sind Kinder da, lassen die Tagesroutinen nicht selbstverständlich Raum für Austausch“, stellt die Paartherapeutin heraus.

Häufig sei die fehlende Kommunikation zwischen den Partnern der Grund für eine Fehlinterpretation von Situationen und Äußerungen: „Das Paar glaubt sich in- und auswendig zu kennen, die Worte ´nie` und ´immer` werden häufig verwendet“, sagt Backes. Doch wenn das Paar nicht gemeinsam versucht Lösungen für die Unzufriedenheit oder Überbelastung zu finden, löst das häufig eine ernste Krise aus.

Wichtig sind Gespräche über:

  • Job
  • Kinderbetreuung
  • Persönliche Bedürfnisse nach Schlaf, Ruhe, körperlicher Nähe
  • Verteilung der Aufgaben im Haushalt
  • Freizeitgestaltung
  • Kontakt zu Freunden und Hobbys
     
Fachvortrag für pme-Kund:innen

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​​​​​​​Wenn Schweigen und Streit die Beziehung bestimmen: Die Fronten verhärten sich

Bei Jessica und Daniel wurde der Ton rauer. Eine normale Kommunikation schien schon lange nicht mehr möglich. Es wurde erst täglich gestritten, irgendwann nur noch geschwiegen.

Es gab Tage, an denen die beiden kein Wort miteinander sprachen und wenn doch, nur noch anbrüllten. Die Liebe, wie sie einst begonnen hatte, schien nicht mehr zu existieren – geschweige denn ein Liebesleben.

Und irgendwie war es beiden auch egal. Zu diesem Zeitpunkt schien eine Scheidung näher als eine Einigung. Es blieb noch ein Versuch, ein letztes Aufbäumen vor dem endgültigen Schritt. Denn sie wussten, dass es so nicht weitergehen konnte. Das Paar kam zu Gisela Backes in die Beratung. Die 62-jährige Paartherapeutin half den beiden, ihre Krise zu meistern.
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Eine Paartherapie kann Dynamiken in der Beziehung aufdecken und helfen, wieder Respekt und Liebe füreinander zu empfinden (Foto: pme Familienservice).

Wann Paare in die Paartherapie kommen

„Paare kommen immer dann zu mir, wenn sie selbst keinen Ausweg mehr aus der kritischen Situation sehen. Das kann zu Beginn Krise sein oder auch nach jahrelanger Dauerkrise.

Anlass für eine Beratung kann eine lebensverändernde Familiensituation sein, wie eine Geburt, ein Todesfall, eine schwere Krankheit, ein Jobwechsel, Untreue, aber auch Respektlosigkeit, Lügen, Verletzungen, Kinderlosigkeit, Frustration, sexuelle Unlust oder kulturelle Unterschiede", erläutert die Therapeutin.

In Deutschland wird heutzutage jede dritte Ehe geschieden. Professionelle Hilfe holen sich die wenigsten. Warum das so ist, weiß Gisela Backes: 
 

"Meist ist es mindestens einem Beteiligten peinlich sich fremde Hilfe zu holen oder mindestens eine Person glaubt nicht an eine Veränderung durch die Therapie."
 

Was erfolgreiche Partnerschaften auszeichnet und wie Therapie helfen kann

Wie vielen Paaren sie letztendlich helfen konnte, kann Gisela Backes nicht pauschal sagen. Sie rät: „Es ist wichtig an sich als Paar zu arbeiten, es auch zu wollen und nicht einfach aufzugeben.

Erfolgreiche Partnerschaften sind gekennzeichnet durch eine wechselseitige positive Wahl (der Partner/ die Partnerin ist die absolute Nr. 1), durch wechselseitige Liebe, durch wechselseitiges Vertrauen und durch Respekt und Achtung füreinander.

Auch wenn einige Therapien schwieriger sind als manch andere, Gisela Backes hat noch keinem Paar zur Trennung geraten: „Die Entscheidung trifft immer das Paar oder zumindest eine Person in der Partnerschaft. All denen, die Hilfe oder Unterstützung annehmen möchten, kann geholfen werden.

Wenn eine Person aber die Entscheidung trifft, die Partnerschaft nicht weiter aufrecht erhalten zu wollen, dann können wir das Paar auch im Trennungsprozess unterstützen."

Ziele, Methoden und Ablauf: Wie läuft eine Paartherapie ab?

Das Vorgehen in der Paarberatung ist abhängig davon, was das Ziel der Paarberatung sein soll. „Das kann beispielsweise sein: die Kommunikation zu verbessern, nach Untreue das Vertrauen wieder zu gewinnen, die Sexualität wieder aufleben zu lassen oder als Zweitfamilie zusammen zu wachsen“, führt Backes weiter an.

Es gibt vorbereitende Fragen für eine Paarberatung, die zurückschauen auf den Beginn der Beziehung, auf das hier und jetzt und auf Wünsche für die Zukunft. Diese Fragen dienen als Leitfaden in der Beratung wo sich gegebenenfalls Übungsaufgaben für das Paar ableiten lassen.

 

So stärken Paare die Beziehung nach der Krise

1. Mehr Zeit füreinander finden

Jessica und Daniel hat die Therapie geholfen. Sie haben sich vorgenommen, sich als Paar wieder mehr wahrzunehmen und Zeit in ihre Beziehung zu investieren.

So gibt es nun Zeiten, in denen sie nur für sich da sind. Am Abend bleibt der Fernseher nun häufiger aus, die Hausarbeit bleibt auch mal liegen. Bei einem Glas Wein lassen sie dann den Tag Revue passieren. Ein Date pro Monat ist fest im Kalender eingetragen.

Auf die kleine Mia passt in der Zwischenzeit eine Babysitterin auf. Für einen Wochenendtrip zum Hochzeitstag wurden sogar die entfernt lebenden Großeltern dazu geholt, um auf das Kind aufzupassen.

„Zeit füreinander kann helfen. Auch wenn es täglich nur 15 Minuten sind, in denen sich jeder wertfrei mitteilen kann und gemeinsam nach Verständnis oder Lösungen gesucht wird“, sagt die Therapeutin. „Nicht immer finden sich für alle Beteiligten zufriedenstellende Antworten. Dann sollten Zwischenlösungen gefunden werden und das Thema nach einer gewissen Zeit wieder neu diskutiert werden.“

2. Offene Kommunikation beibehalten: Im Gespräch bleiben!

Daniel will versuchen, in Job etwas zurückzutreten, so dass seine Frau neuen beruflichen Plänen nachgehen kann. Alles scheint eine gute Wendung zu nehmen.

Wichtig ist jedoch: Im Gespräch bleiben! Gisela Backes resümiert: „Vielen Menschen fällt es schwer, mit dem Partner über Wünsche, Sehnsüchte, Ängste zu sprechen. Genau das ist es aber, was eine Partnerschaft belebt."

Auf die Frage, warum es sich ihrer Meinung nach lohnt für eine bestehende Partnerschaft sich einzusetzen, hat sie eine ganz einfache Antwort: "Weil es ein wunderbares Gefühl ist zu lieben und geliebt zu werden und einen Partner/eine Partnerin an seiner Seite zu haben.“

Paar- und Einzelberatungen von erfahrenen Therapeut:innen

Beim pme Familienservice bieten wir Paaren und Familien Unterstützung, um offen über ihre Bedürfnisse zu sprechen und Missverständnisse auszuräumen.

Mehr erfahren: EAP Beratung

 

Literaturtipps

Hans Jellouschek Wie Partnerschaft gelingt

 

FAQ: Paartherapie, Beziehungskrise und Familienleben

Wann lohnt sich eine Paartherapie wirklich?


Eine Paartherapie lohnt sich, wenn Paare allein keinen Ausweg mehr aus einer schwierigen Situation finden – egal, ob sie am Anfang einer Krise stehen oder diese schon länger anhält. Besonders mit Kindern ist professionelle Hilfe sinnvoll, um das Familienglück zu schützen und einen neuen Anfang zu ermöglichen. Hilfe anzunehmen erfordert Mut, aber sie kann echte Veränderung bringen.

Woran zerbricht eine Liebe am häufigsten?


Laut Paartherapeutin Gisela Backes sind fehlende Kommunikation und Missverständnisse die Hauptursachen für Beziehungskrisen. Offene, ehrliche Gespräche und bewusst gemeinsame Zeit helfen dabei, sich wieder näherzukommen und Probleme anzusprechen.

Wie beeinflussen Kinder eine Beziehungskrise?


Wenn Eltern streiten oder unglücklich sind, belastet das Kinderseelen sehr. Ein Kind bringt viele Veränderungen im Alltag und in der Partnerschaft. Gerade nach der Geburt verschieben sich Aufgaben und alte Rollenbilder, was zu Unzufriedenheit führen kann, wenn Partner:innen nicht offen darüber sprechen.

Was kann ich tun, wenn Vorwürfe und Streit zum Alltag werden?


Wiederkehrende Vorwürfe und ständiger Streit sind Warnzeichen einer tiefen Krise. In dieser Situation sollte das Paar professionelle Beratung suchen, um wieder wertschätzend miteinander zu sprechen und gemeinsam nach Lösungen zu suchen.

Ab wann ist Paartherapie sinnvoll?


Eine Paartherapie ist sinnvoll bei anhaltender Unzufriedenheit, wiederkehrendem Streit, Sprachlosigkeit oder nach einschneidenden Ereignissen wie Geburt, Jobverlust, Untreue oder Krankheit. Sie unterstützt Paare dabei, ihre Wünsche, Bedürfnisse und Ängste offen zu besprechen und Veränderungen anzugehen.

Wie läuft eine Paarberatung ab?


Das Vorgehen in der Paarberatung ist individuell, richtet sich aber immer nach den Zielen des Paares: Häufig geht es um bessere Kommunikation, das Wiedergewinnen von Vertrauen nach Konflikten, das Stärken der Sexualität oder das Zusammenwachsen als Familie. Paare erhalten begleitende Fragen und praktische Aufgaben, um ihre Beziehung aktiv zu gestalten.

Was macht erfolgreiche Partnerschaften aus?


Erfolgreiche Beziehungen basieren auf gegenseitiger Liebe, Respekt, Vertrauen und dem ehrlichen Wunsch, am gemeinsamen Leben zu arbeiten. Es braucht den Willen beider, offen zu bleiben, zuzuhören und einander zur ersten Wahl zu machen.

Was, wenn nur eine Person bereit für Veränderungen ist?


Wenn ein Partner keine Veränderung wünscht, ermutigt die Therapeutin dazu, trotzdem Hilfe anzunehmen. Die Entscheidung für eine Trennung oder einen Neuanfang sollte bewusst getroffen werden. Auch während einer Trennung kann eine Beratung begleiten.

Wie können Paare die Beziehung nach einer Krise stärken?


Wichtig ist, sich Zeit als Paar zu nehmen – kleine Rituale, feste „Date Nights“ und Gespräche im Alltag helfen, sich als Partner:innen wieder wahrzunehmen. Unterstützung wie Babysitter oder Großeltern ermöglicht gemeinsame Auszeiten, selbst wenn sie kurz sind.

Warum ist offene Kommunikation entscheidend?


Nur wer über Wünsche, Ängste und Sehnsüchte spricht, hält die Beziehung lebendig. Viele Schwierigkeiten entstehen durch unausgesprochene Erwartungen. Offene Gespräche machen Nähe und Verständnis möglich.

null Job Crafting als Führungskraft fördern in 5 Schritten

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Führung & HR

Job Crafting als Führungskraft fördern in 5 Schritten

Die Zahlen im Personalabbau steigen und damit wächst die Unsicherheit bei Mitarbeitenden. Mit Job Crafting können Führungskräfte Kündigungsängste in Entwicklungsenergie umwandeln und die Bindung und Produktivität in ihren Teams erhöhen. Führungskräfte-Coach Karoline Weber erklärt in 5 Schritten, wie Sie Job Crafting systematisch in Ihr Team einführen.

Text: Karoline Weber, Career and Leadership Coach | Redaktion: Sabrina Ludwig

Was bedeutet Job Crafting?

Der Begriff Job Crafting kommt aus der Arbeitspsychologie und bedeutet, die eigenen Aufgaben aktiv mitzugestalten, ganz ohne dabei den Job oder die Position zu wechseln. Statt auf Veränderungen zu warten, nehmen Sie ihre Entwicklung selbst in die Hand.

Studien zeigen: Immer mehr Unternehmen bauen Stellen ab

Die Meldungen über Restrukturierungen und Personalabbau in der deutschen Wirtschaft nehmen zu. Schon Ende 2025 zeigte das ifo Beschäftigungsbarometer deutlich: Immer mehr Unternehmen planen, Stellen abzubauen oder ihre Personalstrukturen anzupassen.

Berichte über einen signifikanten Stellenabbau allein in der Industrie untermauerten diese Entwicklung 2025 und zeichneten ein herausforderndes Bild auch für 2026.

Die Sorge um den Arbeitsplatz wächst

Für Mitarbeitende bedeutet das vor allem große Unsicherheit. Die Sorge um den eigenen Arbeitsplatz wächst und die Frage „Bin ich mit meinen Fähigkeiten noch richtig aufgestellt?“ gewinnt an Dringlichkeit.

Wie kann ich als Führungskraft Stabilität in meinem Team fördern?

In diesem Umfeld verändert sich Ihre Rolle als Führungskraft. Es geht nicht mehr nur darum, Leistung zu managen, sondern aktiv Stabilität zu schaffen und Perspektiven aufzuzeigen.

Genau hier kann Job Crafting als Führungsinstrument ansetzen. Statt passiv auf Veränderungen zu reagieren, können Sie gemeinsam mit Ihren Teammitgliedern deren Rollen und Aufgaben proaktiv gestalten.

Sie möchten psychologische Sicherheit in Ihrem Team stärken? Lesen Sie den Artikel: 10 Tipps für psychologische Sicherheit in Teams

Job Crafting als Führungsinstrument

Job Crafting ist ein Weg, um wertvolle Kompetenzen an die neuen Erfordernisse anzupassen, Mitarbeitende im Unternehmen zu halten und ihnen eine aktive Gestalterrolle im Wandel zu geben. So wird aus Unsicherheit eine Chance zur Weiterentwicklung.

Die 3 Dimensionen von Job Crafting

Job Crafting bedeutet, dass Mitarbeitende ihre Arbeit proaktiv an ihren Stärken, Interessen und Werten ausrichten.

Dies geschieht entlang von drei Dimensionen:

1. Task Crafting (Aufgaben gestalten)

Mitarbeitende verändern den Umfang oder die Art ihrer Aufgaben. 

Sie übernehmen z.B. neue Verantwortungen, die ihren Stärken und/oder Leidenschaften entsprechen, oder geben Aufgaben ab, die andere im Team besser erledigen können.

2. Relational Crafting (Beziehungen gestalten)

Die Art und Weise der Zusammenarbeit wird angepasst. So können z.B. Schnittstellenverantwortlichkeiten umsortiert werden, weil ein:e Kolleg:in mit Person X aus dem Marketing besser klarkommt als man selbst und man übernimmt dafür eine andere Schnittstelle oder die Kommunikation im Team wird bewusster gestaltet durch beispielsweise regelmäßige Retrospektiven.

3. Cognitive Crafting (Wahrnehmung gestalten)

Hier wird die Perspektive auf die eigene Arbeit wird verändert. Mitarbeitende erkennen durch die Erklärung umfassender Zusammenhänge den größeren Sinn ihrer Tätigkeit und ihren Beitrag zum Unternehmenserfolg, was das Gefühl der Sinnhaftigkeit enorm steigern kann: „Ich bin nicht nur Call Center Mitarbeitende sondern auch Problemlöserin und Kundenzufriedenheitsbeauftragte. Die Qualität meiner Arbeit hat einen direkten Einfluss auf unser Unternehmensimage.“
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Mitarbeiterführung, Konfliktmanagement, Change-Prozesse und mentale Gesundheit: Stärken Sie Ihren Führungsstil und Ihre Teams mit Führungskräfte-Coaching. 

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Mehr Informationen: Coaching für Führungskräfte

Der Business Case von Job Crafting überzeugt

Der Business Case für Job Crafting ist überzeugend: Unternehmen und Führungskräfte, die dies fördern, profitieren von:

  • einer höheren Motivation und einem besseren Betriebsklima, da Mitarbeitende mit mehr Freude an ihre Arbeit gehen.
  • mehr Leistung und Innovation, da die Mitarbeitenden in ihrer Selbstwirksamkeit gestärkt werden und dadurch mit mehr Energie und Enthusiasmus an ihr Tagwerk gehen.
  • einer höheren Mitarbeiterbindung durch Weiterentwicklungsmöglichkeiten.
  • Persönlichkeitsstärkung und Karrierechancen, durch Erkennen und Nutzen der eigenen Stärken und managen ihrer Schwächen.
  • Persönlichkeitsstärkung und Karrierechancen, durch Erkennen und Nutzen der eigenen Stärken und managen ihrer Schwächen.

Praxis-Checkliste: So fördern Sie Job Crafting in Ihrem Team aktiv

Die Aufgabe von Führungskräften ist es deshalb nicht, fertige Lösungen vorzugeben, sondern einen Rahmen zu schaffen, in dem Teammitglieder selbst zu „Job Craftern“ werden können. Es geht darum, eine Balance zu finden zwischen den Zielen des Unternehmens und den berechtigten Interessen der Einzelnen.

Die Rolle der Führungskraft ist hier der Coach, der Potenziale erkennt und deren Entfaltung ganz im Sinne einer Weiterentwicklung ermöglicht.

5 Schritte: So machen Sie ihre Mitarbeitenden zu „Job Craftern“

1. Bewusstsein schaffen für „Job Crafting“

Thematisieren Sie Job Crafting aktiv im Team, wenn sie Unsicherheiten oder Unzufriedenheiten bemerken oder feststellen, dass einzelne Teammitglieder schon auf dem Weg sind, etwas proaktiv zu ändern.

Machen Sie deutlich, dass Sie offen dafür sind, gemeinsam Rollen und Aufgaben weiterzuentwickeln. Signalisieren Sie: „Dein Job ist nicht in Stein gemeißelt.“

2. Zuhören und Beobachten

Führen Sie regelmäßige, offene Gespräche. Stellen Sie Fragen, die zur Reflexion anregen: „Welche deiner Aufgaben geben dir Energie und welche rauben sie dir?“, „Wo siehst du ungenutztes Potenzial in deiner Rolle?“ oder „Welches Problem im Team würdest du gerne lösen?“.

3. Freiräume ermöglichen

Geben Sie, wo immer möglich, Autonomie bei der Ausführung von Aufgaben oder der  Zusammenarbeit mit anderen Abteilungen.

Unterstützen Sie Mitarbeitende, die neue Herangehensweisen ausprobieren oder kleine, eigenständige Projekte initiieren möchten, die auf die Team- oder Unternehmensziele einzahlen.

4. Ressourcenorientiert delegieren

Denken Sie bei der Verteilung von Aufgaben nicht nur an Kapazitäten, sondern auch an Stärken und Interessen. Eine bewusste Verteilung kann die Motivation im gesamten Team beflügeln und die Effizienz auch bei knappen Ressourcen steigern.

5. Sinn vermitteln

Schaffen Sie eine klare Verbindung zwischen den täglichen Aufgaben und dem übergeordneten Unternehmenszweck. Helfen Sie Ihrem Team zu erkennen, welchen wichtigen Beitrag jede:r Einzelne zum großen Ganzen leistet.


 

Job Crafting als Herausforderung für Unternehmen

Vor allem in Umbruchphasen ist es utopisch, den Arbeitsplatz mit jedem einzelnen Mitarbeitenden neu zu gestalten. 

Möglich ist jedoch eine Einführung aller Mitarbeitenden in das Konzept des Job Craftings. Hierzu ist die Anerkennung des Job Craftings als Unternehmensressource und eine konzeptionelle Integration in die Unternehmenspolitik unerlässlich. 

Ebenso sollten Führungskräfte durch HR und Personalentwicklung unterstützt werden, wie sie unter der Nutzung bestimmter Vorgaben und Tools den Prozess begleiten können. 

Fazit: Job Crafting hilft, Teams im Wandel zu begleiten

Job Crafting ist ein äußerst wirksames Instrument, um in Zeiten des Wandels Motivation, Mitarbeitermotivation, Entwicklung und Leistungsfähigkeit zu sichern.
Indem Sie Ihr Team ermutigen und befähigen, die eigene Arbeit aktiv mitzugestalten, investieren Sie direkt in die Resilienz und Zukunftsfähigkeit Ihres Bereichs.

FAQ: Häufige Fragen zu Job Crafting

1. Was ist Job Crafting?

Job Crafting bedeutet, dass Mitarbeitende ihre Aufgaben, Zusammenarbeit und Sicht auf ihre Arbeit proaktiv an ihre Stärken, Interessen und Werte anpassen – innerhalb ihres bestehenden Jobs.

2. Warum ist Job Crafting in Phasen von Stellenabbau besonders wichtig?

Bei Restrukturierungen und Personalabbau schafft Job Crafting Stabilität: Mitarbeitende entwickeln ihre Kompetenzen weiter, erleben mehr Einfluss auf ihren Arbeitsplatz und bleiben dem Unternehmen eher erhalten.

3. Welche drei Formen von Job Crafting gibt es?

Task Crafting: Aufgabenumfang und -art anpassen (mehr von dem, was liegt, weniger von dem, was Energie raubt).

Relational Crafting: Zusammenarbeit, Schnittstellen und Kommunikationswege neu gestalten.

Cognitive Crafting: Die eigene Rolle im größeren Unternehmenskontext neu sehen und als sinnhaft erleben.

4. Was kann ich als Führungskraft tun, um Job Crafting zu fördern?

  • Job Crafting im Team offen ansprechen.
  • Regelmäßig zuhören und Reflexionsfragen stellen.
  • Freiräume und Autonomie bei Aufgaben ermöglichen.
  • Aufgaben nach Stärken und Interessen verteilen.
  • Den Sinn und Beitrag jeder Rolle zum Unternehmenserfolg sichtbar machen.

5. Welchen Nutzen hat Job Crafting für Unternehmen?

Job Crafting erhöht Motivation, Innovation, Leistung, Mitarbeiterbindung und Resilienz von Teams – besonders in Veränderungsprozessen.

6. Welche Rolle spielt HR bei Job Crafting?

HR sollte Job Crafting als Ressource anerkennen, in Richtlinien und Prozesse integrieren und Führungskräfte mit passenden Tools, Trainings und Coaching unterstützen.