Zwei junge Leute sitzen am Schreibtisch mit Dokumenten und kümmern sich um private Altersvorsorge
Finanzen & Recht

Beste private Altersvorsorge für den Berufsstart: Sparen ab 20 Jahren

Mit 20 Jahren denken die wenigsten an ihre Altersvorsorge. Warum auch? Das Rentenalter ist noch viele Jahre weit entfernt. Doch die gesetzliche Rente allein wird in 30 bis 40 Jahren kaum mehr ausreichen, um im Alter einen gewohnten Lebensstandard zu sichern. Wer früh mit der privaten Altersvorsorge beginnt, profitiert am stärksten vom Zinseszinseffekt.

Expertin: Stephanie Bartsch, Fachberatung Einkommen & Budget | Redaktion: Sabrina Ludwig

Wer jung und gerade in den Beruf eingestiegen ist, bei dem ist das Einkommen oft noch etwas knapp und die Ausgaben hoch. Warum sich also Gedanken machen um das Alter? Es ist doch noch so viel Zeit bis dahin. Lieber das Geld für Freizeit und Dinge ausgebe, die Spaß machen – oder?

Warum lohnt sich eine private Altersvorsorge ab 20 Jahren?

Das Rentenniveau der gesetzlichen Rentenversicherung sinkt tendenziell. Während die Lebenserwartung steigt, müssen immer weniger Erwerbstätige über den Generationenvertrag die steigende Zahl an Rentner:innen mitversorgen. 

Denn die Zahl an Geburten sinkt in Deutschland. Das heißt: Wir haben immer mehr ältere als junge Bewohner:innen hierzulande. Was die jungen Menschen an Steuern zahlen, reicht kaum aus für die Renten der älteren Menschen.

Hinzu kommt die Inflation, die die Kaufkraft des Geldes im Laufe der Jahre schmälert.

Neben der gesetzlichen und der betrieblichen Altersvorsorge gewinnt deshalb die private Altersvorsorge immer mehr an Bedeutung.

"Die anstehende Rentenreform der Bundesregierung wird die private Altersvorsorge noch mehr in den Fokus rücken. Langfristig wirksame Anlageformen und zukunftssichere Strategien sind gefragt. Dazu gehört auch, in die eigene Gesundheit und Bildung zu investieren."

​​​​​​​Margret Kunz, pme-Fachberatung Einkommen und Schulden, Rentencoach


 

Wie finde ich heraus, wie viel ich pro Monat sparen kann?

Ein solider Überblick über die eigenen Finanzen ist die Grundlage, um einen tragfähigen Sparplan zu erstellen.

Als erstes solltest du einen Haushaltsplan erstellen, um Überblick über deine Einnahmen und Ausgaben zu bekommen. Als zweites solltest du für dich schauen, wie viel Geld du zur Seite legen kannst, um Rücklagen zu bilden.

Du ziehst in deine erste eigene Wohnung und willst wissen, welche Kosten auf dich zukommen und wie du sparen kannst? Zum Artikel: Was kostet meine erste eigene Wohnung?

Was ist die 50-30-20-Regel?

Mit der 50-30-20-Regel lässt sich eine gute Struktur schaffen, wie du dein Einkommen verteilen solltest.

  • 50 Prozent des Nettoeinkommens stehen für notwendige Ausgaben zur Verfügung (Miete, Strom, Verein, Versicherung usw.)
  • 30 Prozent für Wünsche und
  • 20 Prozent fürs Sparen.​​​​​​​

In der Realität ist oft weniger Sparpotenzial drin, aber auch kleine Beträge haben langfristig eine große Wirkung.

ETFs sind der perfekte Einstieg für junge Leute

Eine der empfehlenswerten Möglichkeiten für junge Leute ist das Sparen mit ETFs (Exchange Traded Funds).

Was sind die Vorteile von ETFs für junge Erwachsene?

Der große Vorteil, wenn du früh anfängst: der Zinseszinseffekt. Weil du über 40 Jahre sparen kannst, reicht oft schon ein kleiner monatlicher Betrag ab 25 Euro, um über die Jahre ein ordentliches Vermögen aufbauen.

Die wichtigsten Vorteile sind:

  • Breite Risikostreuung
  • Niedrige Verwaltungsgebühren
  • Flexibilität durch börslichen Handel
  • Möglichkeit regelmäßiger Sparpläne, schon ab 25-50 Euro monatlich


 

Was sind die besten ETFs für den Einstieg?

Als Einstieg sind oft sogenannte „All Country“ oder „All World“ ETFs perfekt. Diese Indexfonds investieren breit gestreut in viele Unternehmen aus verschiedenen Branchen und Ländern. Dadurch wird das Risiko verteilt und die Kosten sind relativ gering.

Wie lange sollte ich in ETFs investieren?

In ETFs sollte man mindestens 15 Jahre investieren. Das ist eine allgemeine Faustregel.

Aktienmärkte schwanken nämlich. In einem Zeitraum von 15 Jahren gleicht sich ein Crash z.B. statistisch wieder aus.

Stephanie verrät, wie sie das Geld für ETFs gespart hat

„Als ich ausgerechnet habe, wie viel ich jährlich für fünf Café Latte pro Woche ausgebe, war ich kurz schockiert — und hatte ein schlechtes Gewissen, weil ich bisher nichts für die Altersvorsorge zurückgelegt hatte. Mit dem Bewusstsein um diese Summe wollte ich mir langfristig etwas Gutes tun — damit ich auch im Alter noch entspannt Kaffee trinken kann.

Jetzt gönne ich mir nur noch zweimal pro Woche einen Latte to go und lege das Gesparte langfristig in einen ETF Sparplan an. Das sind 42 € im Monat; aus Motivationsgründen habe ich die Rate auf 50 € aufgerundet. So wird sich in 30 Jahren mit einer durchschnittlichen 4%-Rendite ein eine Summe von 34.264 € angespart haben.“

Stephanie Bartsch, pme-Fachberatung Einkommen und Budget

Betriebliche Altersvorsorge – Nutze deinen Arbeitgeber als Partner

Viele Unternehmen bieten eine betriebliche Altersvorsorge (bAV) an. Hier kann ein Teil des Bruttogehalts umgewandelt werden, um später eine zusätzliche Rente zu erhalten.

Die bAV ist oft steuer- und sozialabgabenbegünstigt und damit eine attraktive Ergänzung zur gesetzlichen Rente. Junge Arbeitnehmer:innen sollten sich unbedingt informieren und das Angebot ihres Arbeitgebers nutzen.

Was ist besser: ETF-Sparplan oder betriebliche Altersvorsorge?

Das hängt von der persönlichen Situation ab. Ein ETF-Sparplan ist flexibel und eignet sich für langfristigen Vermögensaufbau. Die betriebliche Altersvorsorge kann durch Arbeitgeberzuschüsse und steuerliche Vorteile attraktiv sein. 

Häufig ist eine Kombination aus gesetzlicher Rente, betrieblicher Altersvorsorge und privatem Sparplan sinnvoll.

5 Tipps für einen erfolgreichen Start in die Altersvorsorge

1. Fange früh an zu sparen: Jeder Euro, den du heute investierst, kann langfristig wachsen.

2. Spare regelmäßig: Automatische Sparpläne machen’s easy — auch kleine Beträge sammeln sich so.

3. Achte auf die Kosten: Geringe Gebühren bedeuten mehr Rendite für dich.

4. Baue Wissen auf: Bücher, Podcasts und unabhängige Portale sind super zum Lernen.

5. Denke langfristig: Kurze Kursschwankungen sind normal — nicht in Panik verkaufen, sondern deiner Strategie treu bleiben.

Fazit: Altersvorsorge ist ein Marathon, kein Sprint - und es lohnt sich!

Eine private Altersvorsorge braucht vor allem eins: Viel Zeit. Und die hast du als junger Mensch. Deshalb lohnt sich eine frühe Investition in die Altersvorsorge, auch mit einem kleinen Betrag pro Monat.

Mit einer Kombination aus gesetzlicher Rente, betrieblicher Altersvorsorge und privatem Vermögensaufbau – besonders durch ETFs – kann man den Grundstein für ein finanziell abgesichertes Leben im Alter legen. Wer früh startet, kann auch mit kleinen Beträgen eine hohe Wirkung erzielen.
 

Jugendstudie 2025 „Jugend, Vorsorge, Finanzen“

Die Jugendstudie 2025 zeigt große Verunsicherung: 75 % der 17–27 Jährigen fürchten Altersarmut.

Junge Menschen wollen aktiv vorsorgen, vor allem mit Aktien/Fonds und betrieblicher Altersvorsorge, brauchen dafür aber verständliche, unabhängige Informationen. 71 % interessieren sich für Finanzfragen, aber nur 31 % fühlen sich gut informiert zur Altersvorsorge.

MetallRente Jugendstudie "Jugend, Vorsorge, Finanzen"

 

Hilfreiche Links zur privaten Altersvorsorge

Rentenlückenrechner Sparkasse

ETFs verstehen bei extraETF

Verbraucherzentrale Beratung

FAQ - Häufige Fragen zur privaten Altersvorsorge

Was ist der Zinseszinseffekt einfach erklärt?

Beim Zinseszinseffekt werden Erträge nicht ausgezahlt, sondern wieder angelegt. Dadurch erwirtschaften nicht nur die eingezahlten Beträge Rendite, sondern auch die bereits erzielten Gewinne. Je länger das Geld angelegt bleibt, desto stärker kann dieser Effekt wirken.

Was ist besser: ETF-Sparplan oder betriebliche Altersvorsorge?

Das hängt von der persönlichen Situation ab. Ein ETF-Sparplan ist flexibel und eignet sich für langfristigen Vermögensaufbau. Die betriebliche Altersvorsorge kann durch Arbeitgeberzuschüsse und steuerliche Vorteile attraktiv sein. Häufig ist eine Kombination aus gesetzlicher Rente, betrieblicher Altersvorsorge und privatem Sparplan sinnvoll.

Kann ich auch mit wenig Geld sinnvoll vorsorgen?

Ja. Gerade junge Menschen profitieren davon, früh zu starten, auch wenn sie nur kleine Beträge sparen können. Schon 25 oder 50 Euro im Monat können über viele Jahre Wirkung entfalten. Entscheidend ist nicht der perfekte Startbetrag, sondern die Regelmäßigkeit.

Reicht die gesetzliche Rente später aus?

Die gesetzliche Rente bildet eine wichtige Grundlage, wird aber für viele Menschen voraussichtlich nicht ausreichen, um den gewohnten Lebensstandard im Alter vollständig zu sichern. Deshalb ist zusätzliche Vorsorge sinnvoll, zum Beispiel über betriebliche Altersvorsorge, private Sparpläne oder andere langfristige Anlageformen.

Wo finde ich verlässliche Informationen zur privaten Altersvorsorge?

Verlässliche Informationen bieten unabhängige Beratungsstellen, Verbraucherzentralen, seriöse Finanzportale und Rentenlückenrechner. Auch Arbeitgeber können zur betrieblichen Altersvorsorge informieren. Wichtig ist, Quellen kritisch zu prüfen und sich nicht zu schnellen Vertragsabschlüssen drängen zu lassen.

Unsere Einkommens- und Budgetberatung für junge Mitarbeitende

Wir beraten bei Einkommens- und Budgetfragen Mitarbeiter:innen, die den Überblick über ihre Finanzen verloren haben, und solche, die mehr aus ihrem Einkommen machen wollen. 

Weitere Informationen zu unserem Angebot: Einkommens- und Budgetberatung